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Ost und West · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 19 - 20

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Die "Fremdenfrage"
Date
1914-01-01
Page
Seite 19 - 20 (sequence 6)
Language
German
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19 Fabius Schach: Die „Fremdenfrage". 20 rechtau fein Amt im Judentum wegen seines Zionismus. Herzls Spruch „Eroberung der Gemeinden!" hat sich als verfehlt erwiesen. Verfehlt schon in der Idee — von der Unmöglichkeit der Durchführung ganz abgesehen. Denn die Gemeinde ist der einzige Zentralpunkt des jüdischen Lebens. Die Gemeinde darf daher, wenn sie Raum bieten soll für alles Jüdische, nicht von einer einseitigen Richtung beherrscht werden. Aber niemand, der sonst qualifiziert ist, darf ein Amt versagt werden, weil er seinerGesinnungnachZionistist. Das ist der einzige jüdische und wirklich liberale Standpunkt. In der Gemeinde darf es nur Juden geben — alles andere ist Privatsache. Von welcher Seite also man auch dieses Problem anfassen mag, es ist und bleibt ein schreiendes Unrecht und eine Verleugnung des jüdischen Prinzips, das Recht der ausländischen Juden in der Gemeinde verkümmern zu wollen. Hier gibt es keine Parteien. Jeder, der gerecht und vornehm zu denken vermag, muß all den engherzigen Bestrebungen energisch entgegentreten. Der nicht immer tiefe, aber stets mutige und konsequente Philosoph Paulsen pflegt in seiner pädagogischen Vorlesung zu sagen: „Man braucht nicht den Kindern zu betonen, daß sie deutsch sind — das sehen und empfinden sie von selbst, weil alles um sie herum deutsch ist. Wohl aber ist es wichtig, ihnen beizubringen, daß sie Menschen sind und daß auch diejenigen, die anders sprechen und anders aussehen, gleichwertige Menschen sind." Wir Juden brauchen nach der langen Epoche der bürgerlichen Entwicklung wahrlich auch nicht mehr unser Deutschtum zu betonen. Das versteht sich von selbst. Wohl aber muß unser einheitliches Judentum, in dem unsere Stärke liegt, und das uns verloren zu gehen droht, immer wieder in unserem Denken und Handeln zum Ausdruck kommen. Wir verlieren alle Großzügigkeit und alle Tiefe, wen in wir den Gesichtspunkt der jüdischen Einheit aus den Augen lassen. ZUR SPRACH EN FRAGE AN DEN JUDISCHEN SCHULEN PALASTINAS. Offener Brief an den Redakteur von „Ost und West" von Ach ad Haam, London. Geehrter Herr! Sie haben mich ersucht, über die Frage der Unterrichtssprache an den Lehranstalten des technischen Instituts, welche binnen kurzem in Haifa eröffnet werden sollen, meine Meinung zu äußern. Diese Frage hat neuerdings unter den meisten Juden in der Diaspora, insbesondere aber in Palästina, große Aufregung hervorgerufen. Meine Meinung habe ich freilich in der Sache bereits durch die Tat geäußert, indem ich mit zwei anderen Kollegen mein Amt als Mitglied des Kuratoriums des genannten Instituts niedergelegt habe, sobald die bekannten Beschlüsse über die Unterrichtssprache angenommen worden sind. Wenn ich nicht der Ueberzeugung gewesen wäre, daß diese Beschlüsse, die die hebräische Sprache in das enge Gebiet der judaistischen Unterrichtsfächer verweisen, dem Grundprinzip unserer ganzen Kulturarbeit in Palästina schnurstracks zuwiderlaufen und geeignet sind, der Entfaltung dieser Arbeit die größten Hindernisse und Schwierigkeiten zu bereiten, so hätte ich gewiß nicht einer Gründung den Rücken gekehrt, an deren Aufbau ich mich mit besonderer Liebe beteiligt und der ich einen beträchtlichen Teil meiner Zeit und Kraft sechs Jahre lang gewidmet habe. Ich meine, Herr Redakteur, Sie wünschen, ich soll Ihren Lesern auseinandersetzen, worauf sich diese meine Ueberzeugung gründet. Und, wenn ich mich nicht irre, haben Sie sich an mich gewendet, weil die Polemik in den Zeitungen über den Gegenstand den Charakter eines Parteihaders zwischen Zionisten und Antizionisten angenommen hat. Die Leitung des technischen Instituts möchte gerne, daß der Widerstand gegen ihre Beschlüsse vor der Öffentlichkeit lediglich als politische Umtriebe der Zionisten erscheine, als Wirkung der Agitation einer Partei, die die ganze neue Gründung „erobern" und unter ihre Herrschaft bringen möchte. Andererseits hat es den Anschein, als wünschte auch die zionistische Partei, daß die jüdische Oeffentlichkeit glaube, die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Palästina und die ganze damit verbundene Kulturarbeit seien ihr Privatbesitz, ein Bestandteil ihres politischen Programms, und darum liege ihr die Pflicht ob, für die hebräische Sprache ins Feld zu ziehen, wenn deren Rechte bedroht werden. Und da nun Sie, verehrter Herr Redakteur, wissen, daß ich nie das politische Parteiprogramm der Zionisten anerkannt und nie Mitglied der zionistischen Parteiorganisation gewesen bin, so sind Sie wohl deswegen der Meinung, daß eine Kundgebung von meiner Seite auch für diejenigen, die nicht zur „Partei" gehören, eine gewisse Bedeutung haben dürfte. Dieser Ideengang hat mich veranlaßt, gern Ihren Wunsch zu erfüllen. Ich halte es nämlich für eine Notwendigkeit, im Publikum diese Meinung, die der Sache großen Schaden bringt, gründlich zu beseitigen. Es ist notwendig, daß alle Welt begreife, daß die hebräische Kultur, die in Palästina wieder aufblüht, nicht eine zionistische Angelegenheit, überhaupt nicht die Angelegenheit irgendeiner Partei, sondern eine allgemein jüdische Sache ist, die jeden Juden bis tief in die Seele hinein an-

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