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Ost und West · 1910-12-01 · Heft 12 (Dezember 1910) · p. Seite 829 - 830

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 12 (Dezember 1910)
Article
Berichtigung
Date
1910-12-01
Page
Seite 829 - 830 (sequence 2)
Language
German
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829 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Berichtigung. 830 besonders in Sachen der Ritualmordanklage, aufgewendet worden sind. Wenn wir es nicht für zweckmässig erachten, alle diese Ausgaben in unseren Jahresberichten zu veröffentlichen, so geschieht es besonders deshalb, weil die Alliance von gewissen Regierungen, welche die Israeliten unmenschlich behandeln, als eine politische Macht betrachtet wird, u. schon die Tatsache unserer Intervention an sich, die selbstverständlich keineswegs politischer, sondern einzig und allein charitativer Natur ist, könnte ungerechte Verdächtigungen erwecken gerade gegen diejenigen, denen wir helfen wollen. B) Was die diplomatische Aktion betrifft, so machen wir von derselben immer Gebrauch, wenn Fälle von Unterdrückung zu unserer Kenntnis gebracht werden. Wir können versichern, dass wir zu diesem Zwecke mit dem französischen Ministerium des Auswärtigen in ununterbrochener Verbindung (stehen, dass wir gleichzeitig bei dem Foreign Office in London, bei dem Ministerium des Auswärtigen [in Italien, um von den anderen ganz zu schweigen, Schritte tun lassen. Wir haben seit 30 Jahren niemals aufgehört gegen die Verletzung des Berliner Vertrags durch Rumänien betreffs unserer Glaubensgenossen zu protestieren; erst vor wenigen Monaten haben wir aufs neue die Gelegenheit ergriffen, mehrere Signatarmächte dieses Vertrags mit dieser Frage zu befassen. Endlich hat sich unsere Tätigkeit ohne Unterbrechung erstreckt auf die Juden in Marokko, in Persien, in Tunis, in allen Ländern, wo wir einige Aussicht haben, ihre rechtliche und materielle Lage zu verbessern. Diese Tätigkeit setzen wir methodisch und unablässig fort, aber die Kanzleien haben uns mehr als einmal zu verstehen gegeben, dass die Freiheit des Handelns und die Wirksamkeit unserer Massnahmen durch eine vorzeitige oder ungeeignete Veröffentlichung hintertrieben werden könnte. C) Wenn unsere Schulen eine so beträchtliche Ausdehnung annehmen konnten, wie wir sie in unseren letzten Jahresbericht angezeigt haben — im Jahre 1895 betrug deren Zahl 70, Ende 1909 war sie 149 — so ist der Grund darin zu suchen, dass uns die Mittel für das Schulwesen von edel mütigen Menschenfreunden ausschliesslich zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt wurden, und wir haben nicht das Recht, sie anderweitig zu verwenden. Genehmigen Sie, Herr Chefredakteur, die Versicherung unserer vorzüglichsten Hochachtung Der Sekretär, Jacques Bigart. DIE ALLIANCE-EXPE DITI Wie im Jimiheft 1910 dieser Zeitschrift bereits mitgeteilt, hatte das Central-Comite Herrn Jomtob Semach, Direktor der Alliance-Schule in Beyrut, beauftragt, sich nach Yemen zu begeben, um die Lage der Israeliten und die Mittel zur Organisation eines Schulwerks in Sanaa zu studieren. Die ersten Berichte des Herrn Semach sind in dem Juniheft 1910 wiedergegeben. Das Central- Comite hat, ohne den Gesamtbericht des Herrn Semach abzuwarten, die Eröffnung einer Schule in Sanaa beschlossen. Zu Leitern dieser Schule wurden Herr und Frau Kahanoff aus Tiberias ernannt. Diese jungen Lehrer sind bereits unterwegs; in einigen Wochen werden sie die Institute, deren Einrichtung von den Israeliten in Sanaa mit Ungeduld erwartet wird, einweihen. Es sei hier der Bericht des Herrn Semach wiedergegeben, den er nach seinen Reisenotizen zusammengestellt hat. Man wird finden, dass Herr Semach sich seiner Aufgabe mit Takt, Verständnis und einer Hingebung entledigt hat, die von seinem großen Pflichtgefühl Zeugnis ablegen: Donnerstag, den 27. Januar. Auf dem »Meere. Seife Beginn des Monats wüten überall Stürme. Die syrische Küste ist davon nicht verschont, und alsbald, nachdem das Schiff den Hafen von Beyrut verlassen hat, suche ich mein Lager auf. )N NACH DEM YEMEN. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Abends waren wir in Jaffa. An Land zu gelangen, war unmöglich. Die Boote, die sich ins Meer wagten, mussten sofort zum Hafen zurückkehren. Die Nacht wird mit Warten zugebracht, und wir verbleiben an derselben Stelle und werden mit grösserer Gewalt hin und her geschüttelt, wie wenn wir auf hoher See wären. Ich befürchte schon, dass ich durch diese Verzögerung die Ueberlandpost verfehle. Morgens ist das Meer ruhiger, und die Boote, die vom Lande abgehen, gelangen zu uns heran; sie werden von mächtigen Wogen getragen. Gegen Mittag fahren wir ab, und am nächsten Morgen landen wir in Port Said. Schnell eile ich durch die hübsche kleine Stadt, die im Glanz des elektrischen Lichts strahlt, und ich habe nur den einen Gedanken: ausruhen, schlafen. Gestern ist die Ueberlandpost abgegangen, ich kann nur den am Sonntag abgehenden deutschen Dampfer „Admiral" nehmen; ich entschliesse mich also, einen Abstecher nach Kairo zu machen. Sonntag, den 30. Januar. Heute bin ich nach Port Said zurückgekehrt. In Kairo habe ich die Ausflüge gemacht, die alle Touristen machen: ich habe mittels Dampfschiff die Pyramiden, die Dämme, das Museum, Heliopolis besucht. Ich kann sagen, ich habe es gesehen, ich bin dagewesen. Nachdem ich Städte gesehen habe, wie Konstantinopel und Damaskus, Jerusalem und Nedjeb, Palniyra und Babylon, Baalbeck und Kufa, finde ich, dass der Orient, trotz seiner scheinbaren Mannigfaltigkeit überall das gleiche Bild zeigt. Menschen und Dinge haben mehr Berührungspunkte als Verschiedenartigkeiten. Sehr gut hat mir die Synagoge von Azizic, besonders ihre altertümliche Fassade, gefallen.

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