Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Geistige und soziale Strömungen im modernen Islam
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 797 - 798 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2583875-2583993-2584005-2595997--11228-2596058- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
797 Dr. Arsene Cahen (Paris): Geistige und soziale Strömungen im modernen Islam. 798 G. J. STALLER Markt im Judenviertel. AMSTERDAM. um sich zu überzeugen, dass die dem Kalifat so liebgewordene Methode, vermittels der Religion zu regieren, bedeutende Fortschritte nicht gehindert hat. Wir lächeln, wenn wir vernehmen, dass im Jahr 1907 ein Vizeadmiral an der Spitze des Spitals als Chefarzt stand, und dass an seiner Seite ein Kontreadmiral die Funktionen eines Bakteriologen ausübte. Aber wir hören auf zu lachen, wenn wir uns überzeugen, dass in demselben Jahr, dem letzten der hamidischen Aera, die Poliklinik des genannten Spitals nicht weniger als 109 741 Frauen und Kinder behandelt hat. Heutzutage unterscheidet sich die türkische Medizin von der europäischen nur durch die Armut ihrer Patienten, soweit sie sich aus dem Volke rekrutieren, und die Unzulänglichkeit ihres Budgets. Institute gegen Hundewut gibt es in Fülle auf der Provinz, und Bakteriologie treibt man schon sogar in Mekka. Man sieht, es regen sich die Geister im Islam und drängen vorwärts. Diese Bewegung wird die christlichen Mächte Europas noch vor manche schwere Aufgabe stellen. Von grösster Tragweite dürfte jedoch das Bestreben sein, sich von der ökonomischen Bevormundung durch Europa zu befreien, dem wir die Schlussbetrachtung widmen werden. DAS AMSTERDAMER JUDEN VIERTEL. Von Ernst Altkirch. — Mit Illustrationen von G. J. Staller. II.1 (Schluss.) Man kennt die Amsterdamer „Jodenbuurt" nicht, wenn man nicht im Innern der Häuser war, die von armen Juden bewohnt werden. Empfindsamen Gemütern und besonders Frauen möchte ich zu einem solchen Besuche nicht raten, denn es gehören starke Nerven dazu, um beim Anblick dieser Stätten des Schmutzes, der Not und furchtbarer Krankheiten nicht alle Fassung zu verlieren. Dennoch sind es hauptsächlich junge Mädchen und Frauen von guter Herkunft, die die Häuser des Judenviertels täglich ») Siehe „Ost und West" Heft XL Nachdruck verboten. oder allwöchentlich" betreten, um den Armen und Kranken beizustehen. Die einen sind barmherzige Schwestern des „Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose", die anderen Armenbesucherinnen, die im Auftrage der Stadt oder der jüdischen Gemeinden Unterstützungen auszahlen, und denen Bewunderung gezollt werden muss, denn was sie für diese Allerärmsten tun, setzt nicht nur Nächstenliebe . voraus, sondern verlangt auch Ueberwindung. Als ich mich anschickte, mit einem jungen, tapfern Mädchen, das sich freiwillig in den Dienst der Armenbehörde gestellt hat, eine Anzahl Wohnungen hoch-