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Ost und West · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 779 - 780

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Die Israeliten in Marokko
Date
1910-11-01
Page
Seite 779 - 780 (sequence 3)
Language
German
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779 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle:^Die Israeliten in Marokko. 780 tue Wunder; er heile alle Gebrechen und erhöre die Gebete derer, die an seinem Grabe beten. In den ersten Tagen des „Omer" sieht man mehrere tausend Pilger sich zu langen Karawanen zusammcnschliessen. Da das heilige Grab sich nicht in Uazzan selbst, sondern einige Kilometer entfernt davon befindet, nehmen die Pilger die für einige Tage nötigen Lebensmittel mit. Jung und alt, Greise und Kinder, alle kampieren in Zelten. Die ganze Zeit ihres Aufenthalts ist mit Beten ausgefüllt. Dieses Jahr waren 6000 Pilger dort. Ihr Glaube ist so tief, dass sie bei ihrer Rückkehr allen, die es hören wollen, von den Wundern erzählen, die der Heilige vollbracht habe. Unter zahllosen anderen Wundern will ich eins erwähnen, das auf die Menge am meisten Eindruck gemacht und zur Folge hat, dass deren Glaube sich noch mehr befestigte. Zwei Kinder, davon eins gelähmt, eins stumm, werden auf den heiligen Grabstein gesetzt. Zwölf Rabbinen, die von den Familien der beiden Kranken honoriert werden, verbringen dort den ganzen Tag im Gebet. Die geängstigte Menge wartet, überzeugt, dass der Heilige die eifrigen Gebete der Rabbinen erhören und das erhoffte Wunder vollbringen wird' Aber die Nacht bricht herein, und noch immer sind die beiden Kiemen von ihren Gebrechen nicht befreit. Der grösste Teil der Gläubigen zieht sich in die Zelte zurück. Plötzlich, gegen Mitternacht, sehen die, die bei den Kranken gewacht haben, das gelähmte Kind sich erheben, um zu seiner Familie in das Zelt zu gehen. Man schreit und bestaunt das Wunder und vergisst darüber ganz den armen Stummen. Dieser findet wie durch Zauberei die Sprache wieder und man hört ihn seinen Unglücksgenossen beim Namen rufen. Der Heilige hat sie alle beide geheilt. Seitdem wird nur noch von diesem Wunder gesprochen. Amüsanter ist der Fall eines Rabbiners, dem der Heilige nach langen und anhaltenden Gebeten versprochen haben soll, es solle ihm nie an einem halben Duro fehlen. Unsere braven Glaubensgenossen,^!)erzeugt von der Wirksamkeit der Gebete dieses klugen Rabbiners, verfehlen nicht, sich an ihn zu wenden, wenn sie irgend etwas für sich erlangen wollen. Sind einmal Wunder geschehen, dann beginnt ein Fest. Die Familien führen alle Art Lebensmittel mit sich. Hammel werden auf der Stelle geschlachtet. Von allen Vorräten ist Ueberfluss; Wein und Feigenbranntwein fliessen in Strömen. Nach reichlichen Trankopfern, genussreichen Mahlzeiten begeben sich die Pilger nach einem in der Nähe des Grabes belegenen verpesteten Sumpf, in den sie ihre Finger eintauchen. Man bestreicht mit den angefeuchteten Fingern alle Glieder. Dieses Wasser soll vor allen Krankheiten schützen. Besonders die Frauen, die noch unwissender sind als ihre Männer, schreiben der Macht dieses Heiligen grossen Einfluss zu, und wehe dem, der daran zu zweifeln wagte. Sie benutzen jedoch die Wallfahrt, um einmal etwas mehr Freiheit zu erlangen. Wie man weiss, lebt die Frau im Innern Marokkos, mit Ausnahme einiger weniger europäischer Familien, noch vollkommen in Abgeschlossenheit. Nur selten sieht man eine jüdische Frau aus dem Volk allein ausgeben. Sie bringen den ganzen Tag im Hause zu und gehen nur selten des Abends und an den Feiertagen aus. Haben nun diese Frauen den Wunsch, an der Pilgerfahrt teilzunehmen, so sind die Männer, wenn sie sie nicht begleiten wollen, gezwungen, ihnen zu gestatten, allein nach Uazzan zu gehen. Zahlreiche Frauen, sagt man, die kinderlos waren, haben dank diesem Heiligen, dem sie das zu erwartende Kind angelobten, ihr Eheglück wiedergefunden, indem sie Mutter wurden. Ein Arzt, mit dem wir hierüber sprachen, sagte uns: „Ich selbst habe Kranke, die von nervösem Leiden befallen waren, gegen das die Wissenschaft machtlos war, zum Grabe Amrams geschickt, und oft sind sie geheilt zurückgekehrt.'' Rabbiner Dr. M. Silber stein-Wiesbaden Am 13. Oktob., am Ausgang des Versöhnungstages, ist der frühere, langjährige Vorsitzende unseres Local-Gomites in Wiesbaden, Herr Rabbiner Dr.. M. Silber s.tein, aus dieser Zeitlichkeit abberufen worden. Der Verblichene hat der Alliance seit ihrer Begründung seine . Kräfte gewidmet. Er hat die Sache der Alliance, die die Sache der Judenhcit ist, mit stetig wachsendem Erfolg vertreten. Wir werden des Treuen immer in Treue gedenken. m¥3ft # * * Danzig. Herr Rabbiner Dr. K a e 11 e r - Danzig hat den Vorsitz des Lokal-Comites der A. I. U. übernommen. Dem Vorstand gehören noch die Herren Julius Levy und Theodor Klee m a n n an. Fa brik-Ansich t. Wissen Sie eine feine Gioarette zu Dann verlangen 6ie die Marke „Salem AleiKum". Durch die Tatsache, dass sich Fabrikant, und Händler bei dieser Cigarette mit einem äusserst bescheidenen Nutzen begnügen, wird dem Raucher ein edeles und bekömmliches Fabrikat zu :: einem sehr massigen Preise geboten :: Zu haben in den durch Plakate kenntlich gemachten Geschäften Nr. 3V2 4 5 6 8 10 __ Preise: 3y2 4 5 C 8 10 Pfg. das Stück. Orient.TabaR.U. „YeiÜdze" g&F* Cigarettenfabrik Verantwortlich für die Redaktion: Chefredakteur Leo Winz, Berlin. W. 15, Knesebeckstr. 48/49; für den Inseratenteil: E. Jacoby, Berlin. — Verlag „Ost und West", Leo Winz, Berlin S.42. Druck von Beyer & Boehme Gr. m. b. PL, Berlin S.42, Wassertorstr. 50.

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