Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Juden und Judentum im alten Marokko
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 769 - 770 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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769 Di\ Einst Feder: Juden und Judentum im alten Marokko. 770 Tanger bis El Mahadia". In einer Flugschrift vertrat ein Rabbiner den extremen Standpunkt, dass wer auch nur zum Schein den Islam annehme, nicht mehr als Jude zu betrachten sei, da nach dem Gebot des Talmud der Tod unbedingt dem Götzendienst vorzuziehen ist. Der Sieg dieser Auffassung hätte den Untergang der Juden in Marokko beschlossen. Mit Erfolg begegnete ihr Maimonides, der selbst von Gordova nach Fes geflohen war, durch den Nachweis, dass der monotheistische Islam nicht als Götzendienst zu betrachten sei. So wurde das Aeusserste vermieden. Schon Ende des 12. Jahrhunderts wurden die Juden Marokkos wieder zwar nicht als Juden, aber als besondere Gruppe anerkannt. Ihre geistige Kultur blieb verschüttet. Auf die Epoche der Blüte folgte die Zeit des Niedergang*. Erst Ende des 15. Jahrhunderts beginnt ein gewisser Aufschwung mit der Einwanderung der aus Spanien flüchtenden Juden, die seitdem als Vermittler der europäischen Kultur Marokko wertvolle Dienste geleistet haben und leisten werden. Eigne kulturelle Leistungen haben sie nicht mehr hervorgebracht. Das 19. Jahrhundert fand die Mehrzahl der marokkanischen Juden im tiefen Mittelalter. In der heutigen Gliederung der Juden Marokkos sind die A'erschiedenen Perioden ihrer Geschichte deutlich erkennbar. Die erste Gruppe, die Berber-Juden, die die. Sprache der Berber, viel von ihren Sitten und Bräuchen, manches von ihrer Religion angenommen haben, erinnern an die kriegerische Epoche; die am Talmudjudentum festhaltende arabische Gruppe an die intellektuelle Periode, die religiös ziemlich indifferenten spanischen Juden an die dritte spanische Epoche. Die zweite und die dritte Epoche bieten Analogien mit andren Zuständen der Diaspora. Die erste Epoche hat ein besonderes Interesse, weil in ihr Eigenschaften, die den Juden in der Regel abgesprochen werden, nämlich militärische Lust und Begabung wie staatcnbildende Kraft, zu hoher Entwicklung gelangt sind, eine Lehre, wie notwendig und wie unmöglich es ist, bei der Beurteilung eines Volkes zu unterscheiden, was auf den „Rassentypus'' und was auf seine Schicksale zurückzuführen sei. Nicht an dem Mangel jener Eigenschaften, auch nicht an inneren Schäden oder der Ueberlegenhcit einer jüngeren oder vorgeschrittenen Kultur gingen die politisch-militärische Kultur der ersten Epoche und die religiös-wissenschaftliche der zweiten zugrunde. Was sie niederwarf, war kein Sieg der Kultur, sondern ein Sieg der Zahl gegen die Kultur. SCHACH. Redigiert von Dr. Emanuel Lasker. Die Meister Teichmann und Mieses spielten jüngst einen Wettkampf, den der erstere mit fünf Gewinnen bei zwei Remisen gewann. Der Fehler von Mieses war, dass er verwickelte und für ihn schwierige Stellungen bevorzugte. Dass er diesen bei der beschränkten Bedenkzeit nicht gewachsen war, ist kein Wunde]-. Aber selbst bei unbeschränkter Zeit zum Denken wäre seine Strategie zweifelhaft gewesen; denn es ist ein allgemeiner Grundsatz aller Kämpfe, dass Verwickelungen, die aus Positionen des Gleichgewichts hen^orgehen, wie etwa Trickstösse beim Fechten zweier Personen gleicher Gestalt, dieses Gleichgewicht nicht stören können. Schwer übersehbare und weit verknüpfte Kombinationen können wohl das menschliche Gehirn verwirren und über Gebühr anspannen, aber die strategischen Grundwahrheiten ungültig machen können sie nicht. Wer die Komplikation gewaltsam herbeiführt ist im Nachteil, denn er muss einige Züge zu diesem Sonderzweck, der ja eigentlich abseits von dem gesteckten Ziele der Erreichung des Matts liegt, ohne Kompensation hergeben. In den Partien des Matches sieht man die Wirkung dieser Prinzipion taktisch erläutert und erwiesen. Siebente Partie des Matches. Caro-Kann. Weiss: Teich mann. 1) e2—e-'i 2) d2-d'i Schwarz: Mieses. c7—c6 d7-d5 Nachdruck verboten. Schon mit dem ersten Zuge spielt Schwarz auf Verwicklung. Er überlässt Weiss die Mitte, um seine Figuren, die er etwas zurückhält, nicht abtauschen zu müssen. 3) c4—co Lc8—i'5 4) Lfl—d3 Lf5-g6 Besser wäre Lg6xd3, DcllxdS, e7—e6. Schwarz verliert ein weiteres Tempo, nur um den Abtausch zu erschweren. 5) e5—e6! .... Ausgezeichnet! Wenn 17 x e6, Ld3 x g6f, h7 x g6, Ddl—g4, Ke8—f7??, Sgl—f3 und gewinnt. 5) .... Dd8—d6 6) c6xl7| Lg6xf7 Nun ist der e-Bauer nur noch von Figuren zu decken, solange er nicht nach c4 gelangen kann; und Weiss lässt ihn nicht das Feld e5 passieren. 7) Sgl—f3 Sb8—d7 8) Lei—g5 i'7—h5 9) 0—0 Sg8—f6 Schwarz konnte nicht e7—e5 vorstossen, denn es käme d4x e5, Sd7 x e5, Tfl—el, Lh5 x f3, Ddl x f3, Lf8—e7, Df3—g3 und gewinnt. 10) Sbl-d2 0-0-0 11) Tfl-el e7—e6 12) c2—c3 .... c2—c4 war energischer; doch Weiss spielt konsequent auf den schwachen Punkt e6 und will sonst