Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Das Amsterdamer Judenviertel
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 729 - 730 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2583993-2584004-2595792--11089-2595919- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
729 Ernst Altkirch: Das Arnsterdcamer Judenviertel. 730 Das Leben der verheirateten Frauen ist schwer und reich an Entbehrungen. Durch viele Schwangerschaften werden sie zumeist vor der Zeit alt und hässlich, höchst selten begegnet man einer ehrwürdigen Matrone mit liebenswerten Zügen. Mit Jugend und Schönheit schwindet ihnen auch die Energie dahin.Sie werden faul, gewöhnen sich das Klagen und Lügen an, und kein Widerwillen vor ihrer Verkommenheit im Schmutze regt sich mehr in ihnen. Ein letzter Ueberrcst der orientalischen Verschleierung, der ßandcau, eine dünne Lage künstlichen Haares über dem natürlichen, wird von den verheirateten Frauen noch allenthalben getragen. Sonst aber sind die alten Gebräuche fast verschwunden. Früher dauerte eine Hochzeit sieben Tage, man schmauste und trank nach Herzenslust. Derartigen Feiern wird man kaum noch begegnen. Bei den Hochdeutschen ist das Brautpaar während der Trauung noch mit dem Gcbetmantel, dem „Talith", bedeckt. Jozef Israels hat dies auf einem seiner Gemälde voll keuschester Poesie dargestellt. Bei den Portugiesen wird dieser Brauch nicht mehr geübt. Am zähesten hängen noch die polnischen Juden, die in einer kleinen Gasse, der Manegestraat, hausen, am Althergebrachten. Sie schliessen sich am meisten ab und lernen sogar nur schwer Holländisch. Es gibt Leute, die zehn, selbst zwanzig Jahre in Amsterdam wohnen und noch immer ihr Jüdisch-Deutsch sprechen, während sie nur ein paar holländische Brocken zu stammeln vermögen. Unter den portugiesischen Juden befinden sich hingegen nur wenige, die ihre ursprüngliche Muttersprache verstehen. Das, was sie von ihr auf der Schule - . J. STALLER. Nachbartmterhaltung. AMSTERDAM. gelernt haben, ist bald wieder vergessen. Die polnischen Juden, die die,, Jodenbuurt" bevölkern, zeigen wenig Vorzüge; sie erscheinen als unangenehme, schmutzige Leute mit üblen Gewohnheiten. Die meisten von ihnen treiben das Schneiderhandwerk. Man spricht mit Abscheu auch im Judenviertel von ihrer unkultivierten Dickfelligkeit, an der nur das Ungeziefer seine Freude hat. Ein zweiter Artikel mit weiteren Illustrationen folgt. DAS GERMANENTUM in der KLASSISCHEN DEUTSCHEN LITERATUR. Von einem wirklichen Deutschen. H. Bedingungen des literarischen Genies. Nachdem jetzt, besonders durch Woltmann, die anthropologische Geschichtsauffassung ans Licht getreten ist, die alle Vorgänge aus Rassenmischung er- *) Siehe „Ost und West" Heft X. Nachdruck verboten. klärt, haben wir zu untersuchen, ob und in welchem Masse die bisher als Klassiker verehrten Dichter germanisches Blut in ihren Adern hatten, und darnach ist die Frage zu entscheiden, ob sie auch fernerhin als Genies gelten können. Denn, wie Woltmann sagt (Die Germanen in