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Ost und West · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 723 - 724

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Das Amsterdamer Judenviertel
Date
1910-11-01
Page
Seite 723 - 724 (sequence 2)
Language
German
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723 Ernst Altkirch: Das Amsterdamer Juden viertel. 724 zeiten assen sie von silbernen Tellern; Spezereidosen, Sabbatlampen und ändere Gegenstände bestanden nicht nur aus edlem Metall, sondern waren auch von edelster Bildung, und dem Hause, in dem sie Gott verehrten, schenkten sie überaus köstliche Gertäte, die von Meisterhand geschaffen waren. Ihr Reichtum soll enorm gewesen sein; es wird von einem besonders begüterten Manne berichtet, er habe ein Haus besessen, das von Gold, Silber und Marmor glänzte, und darin sei ein Saal gewesen, ganz mit Dukaten gepflastert. Die Wohlhabenden Hessen sich in der Breestraat und an der Houtgracht nieder, die wenig Begüterten auf der Vlooienburg. In der Breestraat hat bekanntlich auch Rembrandt gewohnt, sein Haus steht dort noch heute, und seine Freude an schönen Geräten und Gewändern und erwähltem Geschmeide dürfte Cr. J. STALLER. Juden viertel. zum nicht geringen Teil in den Häusern der portugiesischen Juden Amsterdams wachgerufen und genährt worden sein. Durch seinen Verkehr mit vornehmen Juden kam auch ihm das Verlangen, sein eigenes Haus mit den Wunderwerken orientalischer Kunst zu füllen, und es seinen jüdischen Freunden gleichzutun, von deren Reichtum er wahrscheinlich keine rechte Vorstellung besass. Die Modelle, die Rembrandt zu seinen Gemälden mit biblischen Darstellungen benutzte, wählte er mit Vorliebe unter den spanischen und portugiesischen Juden, die von alten Schriftstellern als Edelleute bezeichnet worden sind. Sie waren sich ihres Wertes bewusst, da sie vor allem auf ihre Vergangenheit und Bildung stolz sein konnten, und ihre deutschen und polnischen Glaubensgenossen erschienen ihnen als halbe Barbaren, denen sie aus dem Wege gingen. Es blieben auch Konflikte nicht aus, so dass sich Basnage in seiner Geschichte der Juden (1706) zu berichten veranlasst sali: „Es gibt in Holland zwei Sorten Juden, die einen sind Deutsche, die anderen stammen aus Portugal und Spanien; es sind nur einige äusscrliche Riten, die sie trennen, aber sie hassen einander, als wenn es um die Grundlage der Religion ginge." Heute ist die Zahl der portugiesischen Juden Amsterdams nicht mein* gross, aber von ihrer alten Vornehmheit und dem Stolz auf ihre Abstammung haben sie nichts eingebüsst. Nur wenige von ihnen sind so arm, dass sie der Unterstützung bedürfen. Die portugiesischen Juden befinden sich schon deshalb in besseren Verhältnissen, weil ihrer viele Diamantschleifer sind, oder sich durch den Kunsthandel ernähren, der in Holland zu den einträglichsten Berufen gehört. So gewahrt man an den Antiquitätengeschäften, die sich in den Hauptstrassen des Judenvicrtels befinden, zumeist klangvolle portugiesische Namen. Man hat mehrfach behauptet, dass sich in den Häusern reicher portugiesischer Juden der orientalische Prunk, an dem das Auge Rembrandts dereinst sich berauschte, AMSTERDAM. noch erhaltcn~~habe. Das

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