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Ost und West · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 689 - 690

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
M. A. Klausner
Date
1910-10-01
Page
Seite 689 - 690 (sequence 6)
Language
German
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689 Mitteilungen der Alliance Israölite Universelle: M. A. Klausner. 690 In seiner Uebersetzung des 25. Psalm sagt er: „Du bist mein Gott, auf den ich hoffe In aller Zeit; Erbarmend denke mein und gnädig In Ewigkeit!" Er ist eingetreten in die Ewigkeit, und wir beten zu Gott: Mögest du, Ewiger, gnadenvoll ihn aufnehmen in Dein himmlisch Reich. Vergieb ihm, was er menschlich hat gefehlt, vergilt ihm, was er Gutes hat getan. Sende Deinen Trost und Deine Aufrichtung den schwer betroffenen Hinterbliebenen, erfülle die Hoffnungen, die der Verstorbene für sie gehegt hat. Lasse seine Gattin sich aufrichten an dem Glücke und an der Liebe der Ihrigen. Es nehme der Herr dem Tode jeglichen Stachel, tilge die Träne von jedem Angesichte! _ Amen. * * * Im Namen der Alliance gab Herr Rabbiner Dr. Weisse den Empfindungen der Trauer und des Verlustes warmen Ausdruck. Er sagte u. a. etwa folgendes: Mit der gebeugten Familie steht vor allem auch die Alliance Israelite Universelle trauernd an der Bahre des Entschlafenen, der sich um die Erweckung der Alliance in Deutschland sehr verdient gemacht hat. Die Alliance hatte bis vor wenigen Jahren eine treue, aber nur geringe Zahl von Anhängern in Deutschland. In weiten Kreisen war ihre grosse humane Wirksamkeit wenig mehr bekannt. Da stellte sich der Verklärte mit seiner hohen Begabung, seinem reichen Wissen, seiner glänzenden Feder und seinem werbenden Temperament in ihren Dienst, und in wenigen Jahren sind vornehmlich durch seine Tätigkeit nicht allein Tausende von Mitgliedern ihr beigetreten, sondern er hat sich um deren ganze Organisation in Deutschland, das Zustandekommen der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft, die Propaganda, die wichtigsten Fragen, die die jüdische Gemeinschaft bewegten, grosse und bleibende Verdienste erworben. Ebensohoch steht sein stilles, der Oeffentlichkeit unbekanntes Wirken im Dienst und im Geist der Alliance. Wie er der Armen, Flüchtigen, Heimatlosen sich annahm, wie er denen, die nirgends eine Zuflucht finden konnten, weil sie arme Juden waren, nur durch seinen persönlichen Einfluss, seine weitreichenden Beziehungen eine Heimat schaffte, wie er denen, die in ihrem äusseren Wesen vielen unsympathisch und abstossend erschienen, ein barmherziger, humaner aufrichtiger Berater und Helfer gewesen, das ist ein unverwelkliches Ruhmesblatt in der Geschichte seiner Tätigkeit in der Alliance. In dieser Wirksamkeit hat sein scharfer Witz nie geblitzt. Er lächelte oft unter Tränen bei den oft zudringlichen Bitten der von der Not des Lebens Getretenen. Bei den vielen Werken der Wohltätigkeit, denen er nahestund, hat er sich nicht begnügt, nur anzuregen, sondern sich immer bereitwillig und reichlich aus eigenen Mitteln an ihnen beteiligt. Vielen Armen und Elenden hat er durch seine nie ermattende Hilfsbereitschaft Existenz und Stellung geschaffen. So hat er in erster Reihe im Dienste der Alliance gewirkt, und immer vor allem ihren universellen und grosszügigen Charakter hochgehalten und gepflegt. Seine Liebe zur Alliance hing mit seiner glühenden Liebe zum Judentum zusammen. So sehr er sich als guter treuer Deutscher begeistert fühlte und als glänzender deutscher Stilist hervorragte, in gleicher Weise fühlte er sein Herz auch zu den Heiligtümern Israels hingezogen, für die er eine tiefe Verehrung empfand und auszudrücken stets glücklich war. Die Schärfe seines Urteils klärte sich von Jahr zu Jähr immer mehr ab, und in den Jahresbetrachtungen, die er in dem Organ unserer Deutschen Gonferenz- Gemeinschaft veröffentlichte, klang seine Mahnung nach Einigkeit und Frieden in immer stärkeren Akkorden durch. DIE ISRAELITEN IN RUSSLAND. Seit langen Jahren haben die russischen Juden nicht so schwere Prüfungen durchgemacht, wie in den letzten Monaten. Allerdings hat das blutige Niedermetzeln wehrloser Menschen aufgehört, haben sich Massakres wie das von Kischinew, im Jahr 1903, nicht wiederholt, hat man nichts von Pogromen gehört, wie sie nach der Proklamation des kaiserlichen Manifestes im Oktober 1905 stattgefunden haben. Aber die Duma, die russische Regierung und ihre Provinzialagenten scheinen auf Mittel und Wege zu sinnen, um moralische und wirtschaftliche Pogrome zu organisieren. Allgemeine Bedrückung der Juden scheint die Losung zu sein. - , , | -tdlDer Zugang zu den Schulen wird, den Kindern der russischen Israeliten mehr und mehr verschlossen. Die Handelsschulen, die zum grössten Teil von israelitischen Kaufleuten und Fabrikanten unterhalten werden, verschliessen ihnen nach einer neuerlichen Bestimmung des Handelsministers für eine Reihe von Jahren ihre Pforten unter dem Vorwand, dass die Zahl der zuzulassenden Juden, die jetzt auf 3 % der Gesamt- Schülerzahl festgesetzt ist, für die nächsten Schuljahre erreicht ist. *b Unter dem Druck der äussersten Rechten hat die Duma beschlossen, dass auch die ärztlichen Militärschulen den jüdischen Studenten nicht mehr zugängig Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. sein sollen, obgleich eine beträchtliche Anzahl jüdischer Aerzte am Feldzug im äussersten Osten teilgenommen und sich heldenmütig bewährt hat. Eine Versammlung, die von nur mässigern Gerechtigkeitsgefühl erfüllt wäre, würdejBine solche Ausschliessung zurückgewiesen haben.. ~ Die feindselige Gesinnung der Duma gegen^die Juden hat sich auch noch bei andrer Gelegenheit geoffenbart. Hat sie auch nicht den ihr unterbreiteten Vorschlag angenommen, die Juden vom Militärdienst auszuschliessen und ihnen dafür eine besondre Steuer aufzuerlegen, so hat sie doch durch die gesetzlichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe, gegen die nicht Verstössen werden darf, Tausenden von Juden, die an den religiösen Gebräuchen festhalten, und die das Elend der Entweihung des Sabbat vorziehen, schweren Schadenvgebracht. Ein andres von der Duma angenommenes Gesetz verbietet die Wahl von Juden zu den in den Westprovinzen organisierten Distriktsversammlungen, Semstwos genannt. Die Rechte hatte sogar vorge- schlagen, dass die Israeliten von allen Aemtern in der Verwaltung der Semstwos ausgeschlossen werden und vor allen Dingen keine ärztlichen Funktionen ausüben sollen. Aber die Duma hat nicht so weit gehen wollen, weil in dieser Gegend der jüdische Arzt

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