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Ost und West · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 675 - 676

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Der Niedergang des österreichischen Antisemitismus
Date
1910-10-01
Page
Seite 675 - 676 (sequence 3)
Language
German
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675 Binjamin Segel: Der Niedergang des österreichischen Antisemitismus.. 676 gattern konnten, wollten sie auch nicht umsonst „Bolitik" treiben. Das Handwerk muss den Mann nähren, und gut nähren. Kaum hatte der Führer die Augen geschlossen, als auch schon unter der Garde der Streit ausbrach; ein Missvergnügter denunzierte die Parteihäuptlinge, dass sie ewig zum „Gott Nimm" beten. Das war ein Signal zu einem allgemeinen Hallali. Die mühsam verkleisterten Risse in der Partei klaffen immer mehr. Der Anfang vom Ende naht. Nun beginnt auch die Gunst von oben in fataler Weise zu schwinden. Es war ein offenes Geheimnis, dass Lueger und sein Clan beim Thronfolger und seiner Gemahlin starke Sympathien besassen. Diese fanden ihren Ausdruck nicht nur in der Patronisierung christlich-sozialer Unternehmungen und Werke, sondern in einer offen zur Schau getragenen Förderung des Antisemitismus und der unverhohlenen Abneigung gegen die Juden. Nach der Annexion Bosniens wurde die jüdische Huldigungsdeputation vom Kaiser, gleich der andern, mit grosser Herzlichkeit und Auszeichnung empfangen, vom Thronfolger dagegen ostentativ unter einem nichtigen Vorwande abgewiesen. Es hat auch nicht an brüsken, beleidigenden Aeusserungen gegen die Juden gefehlt, die von den Antisemiten weidlich agitatorisch ausgebeutet wurden. Seit einigen Monaten weht in den Höhen ein andrer Wind.' Der Umschwung der Stimmung bekundete sich in einem ostentativen, viel erörterten Besuch des direkt vom kaiserlichen Hoflager zu Ischl kommenden Thronfolgers bei Baron Albert Rothschild. Man merkt hoch oben, dass an dem ganzen Treiben „nix mehr dran is", und wo keine reale Macht ist, spendet man dort keine Gnade. Die ganze Jämmerlichkeit und innerliche Hohlheit der Häuptlinge und deren Programms wird auch dem Dümmsten unter den Dummen klar, und jeder Denkende fragt sich: Was ist eine Bevölkerung wert, die sich von einem solchen Gelichter Jahre lang an der Nase herumführen liess? Und: Was für Stümper müssen die Altliberalen gewesen sein, dass sie sich von einer solchen Bande über den Haufen rennen und wegfegen Hessen? Für uns Juden ist es wahrlich keine Ehre, solche Kreaturen zu Gegnern gehabt zu haben. Der Kampf kann stark machen, kann ungeahnt schlummernde Kräfte entfalten; aber sich mit solchem Pack herumzuschlagen ist weder Gewinn noch Auszeichnung. Der Wiener Antisemitismus hat unzählige kleine jüdische Existenzen vernichtet, aber noch mehr Unheil hat er durch seine systematisch betriebene Brunnenvergiftung angerichtet. Aach wenn er als politische Macht längst verschwunden sein wird, wird die Verwirrung, die er gestiftet, noch nachwirken. SCHACH. Redigiert von Dr. Emanuel Lasker. Im Club von Buenos Aires befinden sich einige Spieler, die trotz ihrer Isolation durchaus nicht zu unterschätzen sind und bei mehr Uebung gewiss den Meistertitel erringen würden. Als Beispiel von deren Stil diene die folgende Partie, die Mitte Juli im Club Argentino de Ajedrez gespielt wurde. Damenbauer. Weiss: Lasker: Schwarz: Nollmann. 1) d2—d4 d7—d5 2) Sgl—f3 Sg8-f6 3) c2—c4 e7—e6 4) Sbl—c3 c7—c5 5) e2—e3 .... Weiss kann der Partie-hier verschiedene Wendungen geben: 5) Lei—g5, c5xd4; 6) Ddlxd4, Lf8—e7; 7) c4xd5, e6xd5 vereinzelt den Damenbauer. 5) c4xd5, e6xd5; 6) g2—g3 ist Schlechters Fortsetzung, für Schwarz schwierig, aber wegen seines Uebergewichts an Bauern auf der Damenseite nicht ohne Aussicht. 5) Lei—f4, eine Art giuoco piano der Dame und schliesslich 5) e2—e3, wie im Texte, ebenfalls im langsamen Tempo. 5) 6) a2—a3 Sb8-c6 Um mit d4xc5 nebst b2—b4 und Lei—b2 den Damenläufer günstig zu entwickeln. 6) ..... 7) d4xc5 8) Ddlxd8f 9) Lflxc4 10) b2—b4 Nachdruck verboten. Lf8—e7 d5 xc4 Sc6xd8 Le7 x c5 Lc5—b6 Besser scheint Lc5—d6. Auf b6 hemmt der Läufer den Spingerbauer und ist wenig aktiv. Auf d6, im Gegenteil, deckt er das Feld e5. Weiss steht nun etwas besser. 11) Lcl-b2 12) Sf3—e5 Lc8-d7 Weiss will zwei Läufer gegen einen haben — auf dem von Bauern gesäuberten Brette ein kleiner Vorteil. 12) 13) 14) 15) 16) Se5xd7 Lc4—b5 Sc3—e4 Tal-dl Ta8—c8 Sf6xd7 Sd8-c6 0-0 Sd7—b8 Nicht etwa Tf8—d8, wegen Se4—d6 und dann Sd6xb7; worauf nun Sc6xb4 nicht mehr anginge. 17) h2—h4 .... Dieser Angriff gegen den König deckt die Schwächen des Schwarzen auf. Der Bauer g7 steht imrFeuer und ist schwer zu decken. 17) 18) h4—h5 Sc6—e7 h7—h6

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