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Ost und West · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 625 - 626

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Joseph Oppenheimer
Date
1910-10-01
Page
Seite 625 - 626 (sequence 3)
Language
German
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625 Karl Schwarz; Joseph Oppenheimer. 626 Vase, das Kaminbrett des drawing-room schmücken Porzellanvasen, und in der Mitte lächelt ein kleiner Götze zu uns herüber. In einem weiteren Bilde führt uns der Künstler sogar in einen Laden, dessen Tische und Vitrinen mit buntem Porzellan angefüllt sind. Da flimmert und funkelt es in allen Farben, hier und dort brechen sich die Sonnenstrahlen an den glitzernden Flächen — es ist ein fröhliches Tanzen, ein Leben lebloser Dinge. — Sicherlich waren es die Impressionisten, die auf den jungen Künstler am stärksten eingewirkt haben, vor allem Manet und Liebermann. Sein Hauptmeister aber war die Natur selbst, in der er sich kräftig umgesehen hat; ihr hat er auch direkt die meisten Vorwürfe für seine Werke entnommen. Das neckische Spiel der Sonne, das wir bereits in den Interieurs landen, wird in den Landschaften noch lustiger. In dem Bilde „Kensington Gardens" ist alles Licht und Sonne, die Menschen bewegen sich darin wie bunte Flecken — Liebermann, Whistler. Die Baumgruppen schliessen sich zu gewaltigen, einheitlichen Massen, die Wiese wird zu einem bunten Teppich — kühne Piriselstr-iche fassen das momentane Aufleuchten zusammen. Im „Morgenritt" ist es das kühle Licht der kaum erwachten Sonne. Noch stehen die Farben hart nebeneinander, der kalte Hauch der Nacht liegt noch schwer auf allen Dingen — der Tag muss sich erst den Schlaf aus den Augen reiben. Fast alle Landschaftsbilder Oppenheimers stammen aus England, sie zeigen uns die Parks mit ihren eleganten Besuchern, das Leben am River, wo sich in den Schleusen der Themse des Sonntags ein frohes Leben in den Kähnen entfaltet, und fuhren uns abseits von dem breiten Menschenstrom zu einem kleinen, von einem weissen Zaun umgebenen Landhaus, das durch das Grün hervorlugt. Aber auch die dunstige Atmosphäre JOSEPH OPPENHEIMER. BERLIN. Bildnis des Generals Sir J. M« M; JOSEPH OPPENHEIMER. BERLIN. Am Kamin. des Winters, da der Schnee die Strassen bedeckt und eingehüllte Menschen und geschäftige Wagen hin und herfahren, hat der Künstler in einem New Yorker Gemälde meisterlich zur Anschauung gebracht. Wahrlich eine Fülle von Motiven, eine reiche Ernte für einen Mann, der noch nicht die Mitte der Dreissig erreicht hat. Seine künstlerische Begabung" wurde schon früh erkannt, und in dem elterlichen Hause, das auf mütterlicher Seite bereits einen Maler, Sigmund Neustädter, hatte, von dem der Junge manche Anregung erfuhr, liebevoll gepflegt. In seiner Heimatstadt Würzburg bildeten Tiepolos Fresken im Treppenhause des Schlosses das erste Entzücken des Knaben. Er kam auf die Münchener Akademie, lernte aber das meiste auf seinen Reisen durch Italien, Frankreich, Amerika und England, wo er acht Jahre lang lebte, da ihn das interessante Leben und Treiben und die atmosphärischen Eigentümlichkeiten des Landes besonders fesselten und — wie oben ausgeführt — zu seinen Hauptwerken anregten. Seit 1908 hat sich der Künstler in Berlin dauernd niedergelassen; im vorigen Jahre wurde er in München mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Die erste Kollektivausstellung im Salon Heinemann bedeutet einen entschiedenen Erfolg. Das Gesamtbild war sehr erfreulich, und sicherlich wird sich mancher Kunstkenner in Zukunft in den Ausstellungen . nach den Werken Joseph Oppenheimers umsehen, um die weitere Entwicklung und Entfaltung des so umfangreichen Talentes zu verfolgen.

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