Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Joseph Oppenheimer
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 623 - 624 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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623 Karl Schwarz: Joseph Oppenheimer. 624 JOSEPH OPPENHEIMER. Lilien. BERLIN. der viel und gut gesehen haben muss, der die Technikf spielend beherrscht und flott arbeitet, beseelt von( einer allgemeinen Liebe für das Schöne, das er, wann i und wo es ihm entgegentritt, mit schneller Hand! ergreift, sich daran begeistert und freudig in seiner Kunstsprache zum Ausdruck bringt. Ein paar Illustrationsproben mögen das künstlerische Bild Joseph Oppenheimers dem geneigten Leser dieser Zeilen vorführen. Mit einigen Porträts trat der Künstler in der Berliner Sezession zum erstenmal vor die Oeffentlichkeit — sie mögen daher auch hier die Reihe eröffnen. Am besten gelingen ihm wohl Herrenbildnisse, da hier die flotte Technik der Gewandung, die Oppenheimer stets ausgezeichnet zur Darstellung bringt, auch in den scharf geschnittenen Gesichtszügen Verwendung finden kann. Wie fast alle Künstler, so hat auch er in den Porträts seiner Eltern, die bei Heinemann ausgestellt waren, das Beste geleistet. Die kindliche Liebe und Verehrung hat hier dem Meister die Hand beschwingt; ein liebevolles Sichversenken, ein getreues Herausarbeiten der charakteristischen Züge, dabei die Einfachheit und Schlichtheit erheben diese beiden an sich anspruchslosen Bildnisse auf eine hohe künstlerische Stufe. Das Herrenbildnis (Mr. H... P...) ist geschickt in den Raum komponiert, besonders aber verdient das eines englischen Generals Beachtung,' mit dem breit behandelten Helmbusch, den funkelnden Knöpfen und dem gut gezeichneten und flott gemalten Gesicht Bei der „Dame in Grau" geht Porträt — und Stoffbehandlung nicht recht zusammen. Das Kleid in seinem breiten Faltenwurf ist ganz meisterhaft; das Grau glitzert in den lichtbeschienenen Teilen in feinem Silberton, der Hintergrund wirkt bescheiden und zusammenfassend, die Dame sitzt leicht und luftumflossen im Raum — man merkt das Studium an Velazquez und Franz Hals —, aber der Kopf ist im Verhältnis zum Ganzen zu glatt und weichlich behandelt, man erkennt zu sehr den Porträtauftrag, bei dem es hauptsächlich darauf ankommt, die Dargestellte recht ähnlich, recht naturgetreu wiederzugeben. Der Künstler beweist jedoch durch solche Stücke, dass er fähig ist, da, wo er nicht auf den Auftraggeber zu hören und nur seinen Ansichten zu folgen hat, Tüchtiges und künstlerisch Wertvolles zu schaffen, und dieses zeigt sich bereits in den Personendarstellungen, die sich in einem Innenraum in genrehafter Weise bewegen. Wie graziös steht die junge Frau in lichter Morgentoilette vor dem feinen Empiretischchen, den Kopf leicht zu den Lilien in der japanischen Vase geneigt. Die Morgensonne begrüsst uns in dem Bilde, sie huscht durch den Raum, dessen eine Hälfte sie mit ihren Strahlen durchtränkt, während links ein tiefes Dunkel dazu kontrastiert. Unbelauscht haben sich drei junge Mädchen behaglich am Kamin niedergelassen; die eine schürt gerade das Feuer an, eine zweite sitzt im Hintergrund, die jüngste ist in Lektüre versunken — alle drei in hellen Kleidern, der Kamin weiss eingefasst, darauf helle Väschen mit duftigen Blumen. Durch das Ganze weht Freudigkeit, die Freude der Jugend, und eine behagliche Ruhe. Ein feines Salonstückchen, wie man es in den Familien in England beobachten kann: die Töchter des Hauses im drawing-room. — Oppenheimer scheint eine besondere Vorliebe für Japan zu besitzen, denn wir finden auf vielen seiner Gemälde Vasen und Nippgegenstände aus dem Osten in geschmackvoller Weise untergebracht: der alte Herr hält ein zierliches Figürchen in der Rechten, die Lilien stehen in einer dickbauchigen orientalischen JOSEPH OPPENHEIMER. Herrenbildnis Mr, H . BERLIN.