Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1910)
- Article
- Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 605 - 606 (sequence 10)
- Language
- German
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605 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance. 606 sei. Den Worten des Herrn Buisson wurde ebenfalls mit Wärnie applaudiert. Nach, einem von einem Schüler' künstlerisch vorgetragenen Monolog wurde von jungen Schülerinnen der .Mädchenschule mit grosser Sicherheit ein unterhaltendes Theaterstück aufgeführt. Draussen, auf den grossen, mit Pflanzen und Fahnen ausgeputzten Schulhöfen, hatten die Gäste sich verteilt, um die Arbeiten unsrer männlichen und weiblichen Lehrlinge zu bewundern, die auf grossen Tischen ausgelegt waren.' In zwei Stunden haben über tausend Personen die interessante Ausstellung besichtigt. Am Abend dieses abwechslungsreichen Tages veranstalteten die ehemaligen Schüler ein Bankett in der „Amicale", bei dem die ersten Kreise von Tunis und das Lehrpersonal vertreten waren. Worte aufrichtiger Dankbarkeit wurden zu Ehren der Alliance und ihrer Vertreter gesprochen. Mehrere Redner beleuchteten das nützliche Wirken der Alliance in Tunis. Eine Dankdepesche wurde an das Central- Comite geschickt. Während des ganzen Tags und eines Teils der Nacht hat man von allen Seiten Worte der Anerkennung gehört. Oft wurden die Namen der Gründer der Alliance genahnt, und besonders der unsres teuren Präsidenten, der bei allen ehrerbietige Bewunderung erweckt. Castro. Uesküb. Das fünfzigjährige Bestehen der Alliance ist am Sonntag, 8. Mai, in unerwartet glänzender Weise gefeiert worden. Die Vereinigung ehemaliger Schüler, die im vergangenen April gegründet worden ist, nahm grossen Anteil an der Veranstaltung dieses Festes. Das Fest hatte grossen Erfolg, und der -Name der Alliance wurde gepriesen und verherrlicht. Ich kann Ihnen mit gerechter Befriedigung von diesem denkwürdigen Tag sprechen, der in den Annalen der israelitischen Geschichte von Uesküb eingezeichnet sein wird. Das Programm umfasste: eine Feier im Tempel, einen Umzug der Schüler beider Schulen, ein Fest in Bechtchinar (öffentlicher Park) und ein Bankett, das die Vereinigung im Schullokal veranstaltete. Die Feier fand um 3 Uhr nachmittags statt. Der grosse Tempel war überfüllt. Die Zivil- und Militärbehörden, das konsularische Korps, die Notabein der andren Gemeinden waren vertreten. Unter den Anwesenden bemerkte man Djavid Pascha, die Stabsoffiziere Mureddin Bey, Zia Bey, den Polizeidirektor, den serbischen Erzbischof, den französischen Konsul, den serbischen, den italienischen, den griechischen Konsul, die Sekretäre des österreichischen und des bulgarischen Konsulats, Ibrahim Bey, früherer Präsident des Gemeindebezirks, und beinahe alle hervorragenden Persönlichkeiten der Stadt. Ich eröffnete die Feier mit einer Ansprache, in der ich das grosse und vielseitige Werk der Alliance schilderte und hervorhob, wieviel die Judenheit des Orients und Afrikas ihr verdankt. Ein Chor junger Mädchen aus unsrer Schule sang darauf „le retour du soleil". Darnach bestieg Herr Caspi, Mitglied des Appellationshofes und ehemaliger Allianceschüler, die Tribüne und hielt im Namen des Lokal-Comites eine türkische Rede, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Nach ihm nahm Herr Bennahmias das Wort zu einer kurzen, aber beredten spanischen Ansprache und zeigte unsren Glaubensgenossen von Uesküb, wieviel die Alliance für sie getan hat. Nach der Sultanshymne, die von dem Musikkorps der israelitischen Jugend gespielt wurde, wurden die Gäste gebeten, sich dem Zug anzuschliessen. Die jungen ganz in weiss, gekleideten Mädchen trugen auf dem Kopf hübsche Bandschleifen in den Nationalfarben und eine Kokarde. Sie waren zu Paaren geordnet und boten einen hübschen Anblick. Die Knaben, eine Schärpe am Arm, waren auf der anderen Seite aufgestellt. Dazwischen stand die Vereinigung ehemaliger Schüler mit ihrer prächtigen Fahne, die Mitglieder des Lokal-Comites und des Gemeindevorstands und die Gäste. Musik an der Spitze, setzte sich der Zug in Bewegung. Er bewegte sich durch die Theaterstrasse, die Steinbrücke und die grosse Strasse, die nach Islahane führt. Die Schüler sangen zur Musik patriotische Lieder, die Menge brachte Hochrufe auf die Alliance, den Fortschritt, den Unterricht aus. Der Zug kam in Bechtchinar in vollkommner Ordnung an und bot, einen herrlichen Anblick. Trotz aller Vorkehrungen erwies sich der grosse Garten als ungenügend für die Unterbringung so vieler Menschen. Die Tische und Stühle wurden im Sturm genommen. Der Tanz begann, und die Heiterkeit wurde allgemein. Alle Freunde der Alliance nahmen an dem Bankett teil. Wir waren sechzig an der Zahl. Der Sohn des Vali, der kürzlich aus Brüssel zurückgekommen war, und der Gesundheitsinspektor Mahmoud Bey waren eingeladen. Man trank auf das Gedeihen der Alliance, auf die Gesundheit des Präsidenten Herrn Leven. Dem Bankett folgte ein kleiner Tanz. Der ganze Tag und der Abend waren der Alliance gewidmet. Die Fünfzigjahrfeier der Alliance wird in Uesküb unvergesslich bleiben. Bensimhon. DIE ISRAELITEN VON BU-EL-DJAD UND TADLA (MAROKKO). Aus Casablanca erstattet jMer [Schulleiter Herr Sagues folgenden Bericht:] Casablanca, 6. Juli 1910. Am 18. Juni hatte sich General Moinier mit 4000 Mann an die Grenze der Schauja begeben, in der Absicht, den Agitator Ma-ELAinin aus unserer Gegend zu entfernen, der dem Erkundigungsdienst verdächtig war, die Gebirgsstämme gegen die französischen Militärautoritäten aufzuwiegeln, mit denen sie bisher freundschaftliche Beziehungen unterhalten hatten. Es verbreitete sich das Gerücht, dass General Moinier den Plan habe, entweder sich des Priesters zu bemächtigen, oder ihn durch Versperrung des Weges nach Fez zur sofortigen Umkehr zu zwingen. Wie dem auch sei: eine grosse Anzahl Stämme folgten dem Ruf Ma-El-Ainins und stiegen von ihren Bergen, herab, um die Franzosen zurückzudrängen, die ihr Gebiet eingeschlossen hatten. Es kam zu mehreren Gefechten, von denen das am 23. Juni gelieferte besonders blutig verlief. Die Franzosen Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. hatten 13 Tote, die Zahl der auf dem Kampfplatz gebliebenen Araber betrug nicht weniger als 400. Die Rückwirkung dieser Vorgänge auf die Lage unserer Glaubensgenossen von Bu El-Djad und Tadla, auf die ich Ihre Aufmerksamkeit lenken möchte, veranlasst mich zu folgenden Mitteilungen: Bu-El-Djad und Tadla sind die zwei bedeutendsten Kasbahs der sogenannten „Bled Siba" (autonomes Gebiet). Die hier wohnenden Stämme erkennen die Autorität des Maghzen nicht an und regieren sich selbst. Keinem Sultan ist es bis zum heutigen Tag gelungen, sie zu unterwerfen. In diesen Provinzen besteht noch das Lehnswesen. Die israelitische Kolonie von Bu-El-Djad umfasst mehr als 200 Familien, die von Tadla zählt ungefähr 150. Die Israeliten von „Bled" Siba" leben abgesondert von den Glaubensgenossen des übrigen Marokko. Da sie auch mit den Israeliten von Casablanca nur selten in Verbindung treten, haben sie sich die Sprache, die kriegerischen und patriarchalischen Sitten, die Gebräuche und Gewohnheiten ihrer Lands-