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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 533 - 534

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Das Beerdigungswesen in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde
Date
1910-08-01
Page
Seite 533 - 534 (sequence 4)
Language
German
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533 Siegmund Husserl: Das Beerdigungswesen in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. 534 leistenden Beträge zu den Administrationskosten der bereits wiederholt erweiterten israel. Abteilung des Zentral-Friedhofes — derzeit im Gesamtausmasse von 223 877,67 m erforderten bis nun einen Aufwand von rund K. 1,150,000,—. d) Der Friedhof in Floridsdorf. Dieser Friedhof wurde von dem seinerzeit in Floridsdorf bestandenen Minjanverein errichtet, am 2. Juni 1877 eröffnet und im Jahr 1881 durch Ankauf eines angrenzenden Grundstückes erweitert. Das Eigentumsrecht an diesem Friedhof wurde mit Entscheidung der k. k. Bezirkshanptmannschatt Gross-Enzersdorf vom 30. Mai 1894 Z. 821 der im Jahre 1880 gegründeten Kultusgemeinde Floridsdorf als Rechtsnachfolgerin des Minjan-Vereines zuerkannt. Die Eintreibung unfreiwilliger Kriegs beitrage gehörte von jeher zu den ergiebigsten Quellen der österreichischen Steuerpolitik. Hauptsächlich wurde sie, und zwar fast immer mit Erfolg, den Juden gegenüber gehandhabt. Als Aequivalent bot man ihnen gewöhnlich Freiheits- und Schutzbriefe, deren Wert sich in dem Moment als problematisch erwies, wo man wieder neuer Subsidien bedurfte. Speziell die Wiener Judengeschichte ist reich an derartigen trüben Erfahrungen. War die zwangsweise Beschaffung von Geldmitteln für Kriegszwecke in früherer Zeit zumeist in ihrer auf die Untertanen übertragenen Form ein Leichtes, so schien es Ende des 18. Jahrhunderts nicht angezeigt, durch wiederholte Zwangsmassregeln die Steuerkraft des Volkes aufs äusserste anzuspannen. Man verfiel nun auf das Mittel der freiwillig geleisteten Kriegsbeiträge, das auch tatsächlich in den meisten Fällen von grossem Erfolg begleitet war, * * Die beispiellose Begeisterung, mit der Anfang April 1797 das Projekt eines allgemeinen Aufgebots in Niederösterreich und speziell in Wien aufgenommen wurde, fand auch bei den Wiener Juden patriotischen Widerhall. Die gefahrvolle Lage des Landes und der Hauptstadt, das zu befürchtende Vorrücken Bonapartes, vereinigte eine begeisterte Schar freiwüliger Verteidiger, für deren Unterhaltung reich und arm zu sorgen bemüht war. Auch an die Opferwilligkeit der Juden hat man nicht vergebens appelliert. Schon 1796 tragen die Wiener Juden zur Unterhaltung des österreichisch-steirischen Freikorps (Wurmser) in ganz hervorragender Weise bei, indem sie teils die ganzen, teils die halben Erhaltungskosten je eines Mannes übernehmen. So finden wir in der Liste der Beitragenden die Namen Michael Frh. von Arnstein („Arrensteiner"), Hermann Edler von Wert heimstein, David Low Neustadt, Joachim Herzenskron, David Arnstein („Arrensteiner"), David Wertheimer, Samuel G ö t z 1, Israel Z a p p e r t, Aron Leiderstorfer, Lazar Edler von Wertheimstein, Joseph Leiderstorfer, Götz Gabriel Uffenheimer, Abraham Goldstein, Isak Low Hofmann und Joseph Lehmann (Wiener Zeitung 1797, Nr. 4).' Von dem Augenblick an, wo am 4. April der öffentliche Aufruf des Statthalters Franz Graf von Saurau erschienen war, der die Erwartung aussprach, „dass ' die biedern Einwohner Wiens nicht weniger Mut und Treue beweisen werden, als ihre ruhmvollen Voreltern," fand man auch die In den Besitz der Wiener Kultusgemeinde ging dieser Friedhof zufolge der im Jahr 1907 vollzogenen Einverleibung der Kultusgemeinde Floridsdorf über. e) Der Friedhof in Deutsch-Wagram. Im Jahr 1866 erwarb der in Deutsch-Wagram ansässige Kaufmann Jakob Grünwald ein daselbst gelegenes zur Anlage eines Friedhofes geeignetes Terrain und überliess dieses geschenkweise dem dortselbst bestandenen Min j an-Verein. Letzterer löste sich jedoch, als in Floridsdorf ein •solcher Verein gegründet wurde, auf und überliess diesen, seinen Friedhof zur weiteren Benützung. Durch die Uebernahme desselben seitens der Kultusgemeinde Floridsdorf und die im Jahr 1907 erfolgte Einverleibung der letzteren, ist dieser Friedhof in den Besitz der Wiener Kultusgemeinde gelangt. Nachdruck verboten. Wiener Juden in den ersten Reihen jener, die sich zur Leistung von Geldbeiträgen und auch zu aktiven Verteidigungsdiensten bereit erklärten. In den einleitenden Bemerkungen zu dem Verzeichnis der von den Grosshändlern und Niederlagsverwandten geleisteten Beiträge spricht die „Wiener Zeitung" von dem „rühmlichsten Eifer für die Erhaltung, die Wohlfahrt und Ruhm des Vaterlandes", mit dem sich die „hiesigen tolerierten Juden" an dem Verteidigungswerke beteiligten. Unter den jüdischen Grosshändlern finden wir mit namhaften Summen vertreten: N. A. Arnsteiner (10 000 Gulden), Offenheimer Herz (3000 Gulden), Joachim und Max v. Königsberg (3000 und 1500 Gulden), A. A. v. H ö n i k s t e i n (4000 Gulden), Josef Edler von Wertheimstein, Gebrüder Baruch, Heilmann (je 1500 Gulden), Samuel Götzl (1200 Gulden), David Wert heimer (1000 Gulden) usw. An diese Liste schliesst sich das „Verzeichnis der von der hiesigen tolerierten Judenschaft zu dem allgemeinen Aufgebot geleisteten Geldbeiträge", Jdas folgende Posten enthält: Ludwig Götzl, Grosshandlung-Associe von Leidesdorf Eidam und Sohn stellt uniformiert und unterhält sich selbst sammt seinem Reitknechte mit eigenen 2 Pferden zur Kavalerie des allgemeinen Aufgeboths. David Isak Arensteiner........ 1000 Guld. Mayer Adam Arensteiner....... 600 „ Israel W. Zappert........... 1000 „ David Low Neustadtel........ 600 „ Lazar Herzfeld............ 1000 „ Joachim Hirschl............ 600 Isak Herschmann........... 400 „ Joachim Herzenskron, equipirt und unterhält 8 Mann, so lange das gegenwärtige Aufgeboth dauert, trägt hier dennoch bey 800 „ Götz G. Uffenheimer......... 600 „ Samson Wertheimer, dessen 2 Söhne hier sich als Verteidiger bereits selbst gestellt haben, trägt noch besonders bey .... 400 „ Joseph Lövi............... 1000 „ Salomon Joseph Wertheimer..... 500 „ Joseph Lehmann, stellt uniformirt und unterhält den Vincenz Zentner, Vergolder aus Znaim, und Anton Schaber, Buchdrucker aus Wien, und trägt hier besonders bey................. 500 „ DIE WIENER JUDEN UND DAS AUFGEBOT 1797. Von Dr. Ign. Schwarz, Wien. (Mit einer Abbildung)

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