Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1910)
- Article
- Max Levi
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 425 - 426 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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425 Max Schacherl: Max Levi. 426 in der Grossen Berliner Kunstausstellung mit irgend einem neuen Werk vertreten, zu den bekannten Bildhauern Deutschlands. Er ist 1865 zu Stuttgart geboren und hat den fast als normal anzusprechenden Kampf des Künstlers geführt. Hat entbehrt und gelitten, gerungen, gestritten. Und musste, nach einem ungeschriebenen Gesetz, schliesslich doch den Weg zur Höhe finden. Ein Gesetz, das nicht befolgt werden will, sich aber an jedem wahren Künstler erfüllt. Ein Vierzehnjähriger, trat er bei einem Holzbildhauer in die Lehre, wo es ihn aber nicht lange litt. Ein Stipendium ermöglichte ihm 1884 in die Akademie einzutreten. Es ist vielsagend für Levis Eigenart, dass er auch die Kunstakademie bald verliess: er kann in der theoretischen Formlehre kein förderndes Moment für den werdenden Künstler sehen. Wie er heute, in einer Zeit der Richtungen und Sezessionen, ein Selbständiger, auf seine Eigenart Beruhender ist, so mögen ihn schon damals eigene Kunstanschauüngen dem vorgezeichneten Studium entfremdet haben. Nur starke, von ihrem Können und Wollen durchdrungene Künstlernaturen sind imstande so ihres eigenen Weges zu ziehen. Max Levi zieht nach München. Dort studiert er bei dem und jenem Meister und schafft dazwischen. Die Not des Tages zwingt ihn, auch Kunstgewerbliches zu arbeiten, wozu er vielleicht Neigung besessen haben mag. Die Elastizität der Jugend, sein bewusstes Wollen lässt ihn manche Schwierigkeit eines Künstlerdaseins überwinden. Und im Jahre 1891 findet sein erstes ausgestelltes Werk „Narcissus" viel Beachtung. Ein ruhender Jüngling, traumverloren insWasser blickend. Schon an diesem ersten grösseren Werk werden alleVorzüge seines Schaffens in guter Andeutung sichtbar. Die feine Schlankheit des Jünglingskörpers, die Ausdrucksfähigkeit des Kopfes und die MAX LEVI. FRIEDENAU. ]eiohte Beweglichkeit Das Alter der Sehnsucht. in der Ruhe. Acht MAX levi: Jahre später wird ihm in Dresden die Goldene Medaille verliehen. Er liebt die Bewegung des Körpers, die momentane, ursprüngliche. In dieser Vorliebe hat er die meisten seiner Gestalten geschaffen. Körper, die mitten in der ruckartigen Bewegung blitzschnell aufgefangen sich im Spiel der Glieder zeigen. Auch sein „David" ist so gehalten. Das edle Haupt kühn zurückgeworfen, den Kopf des Goliath hoch emporhaltend, so bildete Levi den jungen Helden. Heldenhaftes liegt in der Bewegung, im Schwung der Gebärde, die dem versammelten Volke das Haupt des Feindes zeigt. Dieser „David" war eines der auffallendsten Werke auf der Berliner Kunstausstellung 1894. Es ist jetzt im Besitze von Rudolf Mosse. Schon nach den ersten grösseren Arbeiten fand Levis Schaffen Würdigung. Seine alte Künstlersehnsucht, Italien zu sehen, wurde erfüllt, und mit dem Michael Beer-Stipendium für bildende Künstler bedacht, zog er ins gelobte Künstlerland. Vieles erwuchs dort seinem nimmermüden Streben, und in Rom war es auch, wo er die Büste August Strindbergs vollendete. Der Charakterkopf des nordischen Dichters zeigt sich in durchdachter und bis in die kleinste Linie mit Feinheit getreuer Wiedergabe. Wiedergabe? Nein. Denn Levis Porträts sind, wiewohl in ihnen die Treue des Originals gegeben, persönlich gesehene Züge und Linien. Das macht es, dass der lebendige, sagende Ausdruck auch dieses Strindbergkopfes den Beschauer fesselt. Die Büste schmückt Strindberg- FRIEDENAU. Der Kugelspieler. das Foyer des Theaters" in Stockholm. 1903 kehrte der Künstler nach Berlin zurück; auch aus Italien beschickte er die Grosse Berliner Kunstausstellung, auf der er überhaupt die grössten seiner Werke zeigte. So im Jahre 1904, wo seine Bronzegruppe,, J ugend" den Glanzstücken der Exposition zugezählt wurde. Wie ein edles Giadiatorenspiel, wie der Kampf um einen MAX LEVI. FRIEDENAU. Venus.