Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1910)
- Article
- Luisens Ehrenpforte und die Huldigung der Juden
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 413 - 414 (sequence 3)
- Language
- German
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413 Franz Vallentin: Luisens Ehrenpforte und die Huldigung der Juden. 414 <^Bä^3m iSFW ilSI iKw » y^T^K if$B 1« ■mtw HsJ pS <IS9 :a| P?P^f& ifi ' ^''Wm' '''im» ■mS^I r & i fi ü-^ ' ^SK^H; vjgs '■'^Tmatfäfc'^ "'i^Bi? §a B ,»1 feil ffi*ffia iiii Königin Luisens Ehrenpforte. Takt den Formen des Baues angepasst ist und seine Gliederung in keiner Weise verdeckt oder überwuchert, sondern vielmehr unterstützt, und lasse die reine Stimmung, die über dem Ganzen ausgegossen liegt, auf sich wirken. Man könnte sich dann vorstellen, dass das Tor einer mythischen Frühlingsgottheit geweiht wäre, die hier ihren Einzug halten sollte. Und solch ähnliches Gefühl mag auch wirklich die Gemüter beherrscht haben, als sie dies vergessene Stückchen Kunst entstehen Hessen. — Am 21. Dezember hatten die Prinzessinnen Potsdam erreicht. Schon dort wurde ihr Empfang mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gefeiert. Ausser aller Verbindung mit den übrigen Ovationen brachten die Juden dort auf eigene Faust ihre Huldigung dar. „Zehn junge Leute," so heisst es, „in grünen Röcken und weissen Unterkleidern, mit Kokarden und Federbüschen an den Hüten, trugen unter Anführung der Herren Mendel und Joel aus dem Hause des ersteren einen Baldachin von gesticktem Drap d'or, und wurden dabei von acht jungen Mädchen, in weissen Kleidern und grünen Girlanden, begleitet. Der Zug ging durch den Königlichen Lustgarten und den Schlosshof, bis auf die grüne Treppe, und dann in den Marmorsaal. Hier Hessen sie den Baldachin ruhen, bis die Prinzessinnen-Bräute ankamen. Dann überreichten die Demoiselles Pessel Hirsch, Gütel Goldschmidt, Fromet Moses und Malchen Mendel den Prinzessinnen-Bräuten mit einer kurzen Anrede ein Gedicht, welches sehr gnädig aufgenommen ward." Am 22. Dezember kamen die Bräute morgens in Schöneberg an, welches damals noch als ein 1% Meilen von Berlin entfernt Hegendes Dorf bezeichnet wurde, und stiegen dort im Hause des Hofbaurates Itzig ab. Die Menge, die von dem kurzen Aufenthalt daselbst Kenntnis hatte, hatte sich vor diesem Hause zu Tausenden angesammelt. Unter den Korps, welche den Prinzessinnen von Schöneberg nach Berlin das Geleit gaben, war auch dasjenige „junger Kaufleute jüdischer Nation" unter der Oberanführung des Hofbaurats Itzig. Die Uniform dieses Korps bestand in blauen Röcken mit pfirsichblütfarbenen Rabatten, Kragen und Aufschlägen, silbernen Epaulettes und weissen Unterkleidern. An den gezogenen Degen waren rote mit Silber melierte Portepees und an den Hüten silberne Agraffen. Die Uniform der Anführer zeichnete sich durch eine mit Silber gestickte Kante an den Kragen, Rabatten und Aufschlägen und durch weisse Federn auf den Hüten aus. Die Schabracken waren weiss, mit roten und silbernen Tressen besetzt. Mittags endlich konnten die Berliner Luise und ihre Schwester am Potsdamer Tor begrüssen. Der Zug ging die, Leipziger Strasse hinunter, bog in die Wilhelrnstrasse, schwenkte an deren Ende in die Linden ein und machte vor dem Ehrentore Halt.