Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die spaniolischen Juden
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 353 - 354 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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353 A. Hebräus: Die spaniolischen Juden. 354 LESSER URY. David. BERLIN. wanderer alte Gemeinden vor; auf dem Balkan waren es in der Regel griechische oder auch italienische und slawische Juden, die im religiösen Leben die deutschfranzösischen Bräuche (minhagim) hatten. Der Gegensatz zwischen „Sephardim" und „ Asch kenasim" bestand bereits seit Jahrhunderten und hatte sich im Lauf der Zeit immer mehr verschärft. Er zeigte sich am meisten in der Liturgie, durch deren Verschiedenheit es fast unmöglich wurde, dass Sephardim und Aschkenasim gemeinsam den öffentlichen. Gottesdienst abhielten. Aehnlich waren die Verhältnisse auch in Mittel- und Oberltalien (in Neapel und Sizilien hat schon auch früher das sephardische Element vorgeherrscht), wo von jeher in der Liturgie zwei Riten vornan- «T* ' fe- ■ i»r■ WHm^-Ä\iY LESSER URY. Moses vor dem brennenden Busch. den waren: der italienische oder römische Ritus und der deutsche, den deutsche Einwanderer dorthin verpflanzt hatten. Als die spanischen und portugiesischen Flüchtlinge sich in der Türkei dauernd niederliessen, tauchte bald die Frage auf, wie sie sich in den relig'ösen Bräuchen zu den ortsansässigen Juden stellen sollten. Es bestanden dort alto Gemeinden, die mit Recht verlangten, dass die Fremden sich den geltenden Einrichtungen'- anschlössen. Dessen weigerten sich aber die Sephardim. In der Hauptsache war ein grosser kultureller Unterschied zwischen ihnen und den eingesessenen Juden; sie waren diesenkulturell überlegen. Sie wollten BERLIN, sich daher den Gemeinden nicht un-