Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Rabbiner Dr. Adolf Lewin
- Date
- 1910-05-01
- Page
- Seite 337 - 338 (sequence 2)
- Language
- German
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337 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Rabbiner Dr. Adolf Löwin. 338 Euch erfüllt. Denn das Erziehen der Kinder ist eiD Teil des Dienstes, den der Mensch schuldet seinem Gott. Nicht das Gebet allein — alles Denken, alles Tun habe ich gesucht, dem Dienste Gottes zu weihen. Möge mein Streben in Euch wieder erwachen, Kuch führen zu Freude und Frieden. So werden von Gott Euch erfüllt die Wünsche, die ich Euch berge in die Worte des Priestersegens; — es wird Sabbat — so will ich Euch segnen: ■pew 'n ■pm**. Zum AHiance-Jubiläum. An die Vorstände und Rabbiner der Jüdischen Gemeinde ist vom Präsidium der Deutschen Conferenz - Gemeinschaft im April nachstehendes Rundschreiben ergangen: Hochgeehrte Herren! Im kommenden Monat feiert die Alliance Israelite . Universelle das Jubiläum ihres fünfzigjährigen Bestehens. Sie wissen, was die Alliance Israelite Universelle der Judenheit bedeutet hat und in immer steigendem Mass zu bedeuten fortfährt: dass sie die Verteidigung der Juden wider Bedrückung und Verfolgung, dass sie die wirtschaftliche Hebung unserer Glaubensgenossen in Ländern minderer Kultur sich zur Aufgabe gemacht, dass sie Bildung und Bildungsstreben namentlich unter unseren Glaubensgenossen im weiteren Osten verbreitet, dass sie für diese hoben Zwecke seit ihrer Begründung an hundert Millionen an Geld aufgewendet, über 140 Schulen in drei Erdteilen geschaffen hat, jahraus, jahrein ein Heer von 45 000 Schülern erzieht. Die Alliance Israelite Universelle ist in einer Zeit entstanden, da dem Judentum die schwerste Gefahr drohte: die Zersplitterung, die innere Auflösung. Vor fünfzig Jahren waren wir nahe daran, dass es nur noch Juden hie und Juden da gab, aber keine Judenheit mehr. Die Alliance Israelite Universelle hat die Gefahr erkannt, bekämpft, zurückgedrängt. Doch dieser Kampf ist andauernde Notwendigkeit. Darum bleibt die Alliance Israelite Universelle, diese Mutter in Israel, eine Notwendigkeit für Israel. Darum ist es für alle unsere Glaubensgenossen eine Pflicht, nicht bloss die Feste der Alliance Israelite Universelle mitzufeiern, sondern den Dank für ihr vorbildliches Wirken, die innere Anteilnahme an ihren Werken zum Ausdruck zu bringen. Wir richten deshalb an Sie die ergebene Bitte, von der wir hoffen, dass sie Ihnen eine willkommene Anregung sein wird, in Ihrer Sj^nagoge am Schlusstag des kommenden Passahfestes (i. Mai) der Alliance Israelite Universelle und ihrer gesegneten Tätigkeit für Israel vor Ihrer Gemeinde zu gedenken. Mit ausgezeichneter Hochachtung Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der A. I. U. Der Präsident Der Geschäftsführer Justizrat Timendorfer M. A. Klausner. Gleichzeitig sind die Herren Rabbiner und alle Bezirks- und Lokal-Comites von der Feier in Kenntnis gesetzt und zu angemessenen Veranstaltungen eingeladen worden. * * * Der erste Glückwunsch zum Jubiläum der Alliance. In der März-April-Nummer der in Chicago erscheinenden „B'nai B'rith News", des Organs der B'nai B'rith-Logen, lesen wir: Das Jahr 1910 bringt den fünfzigsten Jahrestag der Gründung der Alliaoce Israelite Universelle. Es waren Männer von weltumfassendem Mitgefühl und weiter Voraussicht, von streng jüdischer Gewissenhaftigkeit und von starkem Glauben an die Verwirklichungsfähigkeit der jüdischen Solidarität, die vor einem halben Jahrhundert die Alliance begründet haben. Da die Purimzeit schon immer von der Alliance für ihre Propagandazwecke gewählt worden ist, nehmen auch wir gern diesen Zeitpunkt wahr, ihren Vertretern die aufrichtigsten Glückwünsche des B'nai B'rith - Ordens zu übermitteln, deren weitverzweigte Mitglieder zahl mit Freuden die glorreichen Erfolge der hohen Bestrebungen und nutzbringenden Tätigkeit der Schwester - Organisation anerkennt, — Feindseligkeit und absprechende Kritik sind der Alliance nicht erspart geblieben. Doch wenn auch in der Judenheit noch immer verschiedene Meinungen bestehen über das Vorherrschen der französischen Sprache, über die assimilierende Richtung der Erziehungsmethoden und den internationalen Charakter der Organisation, der antisemitische Angriffe hervorruft — unparteiische Beobachtung und Prüfung führen unter allen Umständen zur Bewunderung für die grosse Hingebung, mit der seit einem halben Jahrhundert die an der Spitze stehenden opferwilligen Männer die Rechte der Juden geschützt, den Ruf der Juden gegen Verunglimpfung verteidigt haben. Bewunderung gebührt der Staatsklugheit, mit der jene Männer die Sache der Verfolgten und Bedrückten geführt; dem Eifer, mit dem sie den Opfern der Bedrängnis beigestanden haben. Bewundernd stehen wir vor ihr^r Unterstützungsbereitschaft für wissenschaftliche jüdische Forschung; vor der Entschlossenheit, mit der sie die Juden unkultivierter Länder über ihre vernachlässigte Umgebung zu heben bestrebt waren; vor ihrer Geschicklichkeit in der Ausarbeitung eines vollständigen und den Bedürfnissen der orientalischen Juden besonders angepassten Erziehungssystems, das alle Stufen vom Kindergarten bis zum Rabbinerseminar umfasst, die praktischen Erfordernisse des Kaufladens und der Farm nicht ausser Acht lässt. Nicht zum wenigsten bewundern wir das andauernde Bestreben, den Juden der ganzen Welt ihre Zusammengehörigkeit bei allen inneren Gegensätzen, und gegenseitiges Verantwortlichkeitsgefühl bei allen äusseren Unterscheidungen einzuprägen. — Ein Bild von der Tätigkeit der Alliance würde einen imposanten Anblick gewähren. Aber Ziffern können niemals eine richtige Vorstellung von dem gewaltigen Einfluss geben, den diese Organisation erreicht hat, indem sie abendländische Kultur und Zivilisation den Juden und Heiden der zertretenen und lichtlosen Länder gebracht hat. Wir haben die Zuversicht, dass die Jubiläumsfeier den von den Pionieren gelegten Grund noch kräftigen, das Werk noch verherrlichen wird, und dass die Organisation immer mehr und mehr eine Alliance Israelite Universelle werden wird, der die Juden aller Länder willigen Beistand für die Hebung der Menschheit leihen werden. Vivat, crescat, floreat!