Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Jahresbericht des Direktors Albala von der Alliance-Schule in Bagdad
- Date
- 1910-05-01
- Page
- Seite 331 - 322 (sequence 3)
- Language
- German
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331 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Jahresbericht des Direktors Albala von der Alliance-Schule etc. 332 bringen, um ihren Kindern dessen Segnungen zuzuwenden. Bissorah deckt alle Kosten seiner Schule mit Ausnahme des Gehalts für den Direktor. . Hille* tut trotz seiner Armut das gleiche. Araara ist bereit, dem guten Beispiel zu folgen. Kerkuk und Suleimanie erbitten seit einigen Jahren auf das dringendste Schulen. Diese zivilisatorische Ansteckung hat alle israelitischen Zentren von einiger Bedeutung in Mesopotamien ergriffen und ist auch eines der Ergebnisse des Alliancewerkes von Bagdad, dessen Gedeihen die eifersüchtige Bewunderung der Andersgläubigen und den Wetteifer unserer Glaubensgenossen im ganzen Gebiet erweckt. DAS SCHULJAHR 1909 IN HAMADAN (PERSIEN). Von Hab ib. Nachdruck mit Quellenangabe Harn ad an, im März 1909. Im Lauf des verflossenen Schuljahrs hat die Zahl der muselmanischen Zöglinge unserer Schule zugenommen. Seit Wiederherstellung der Verfassung haben die Perser einen lebhaften Drang nach Unterricht. Sie wenden sich mit Vorliebe an uns, weil sie wissen, dass sie hier keinen Bekpbrungsversuchen begegnen. Augenblicklich hat unsere Schule 52 Zöglinge aus den besten muselmanisehen Familien: Söhne von Prinzen, Grossgrundbesitzern, Priestern und hohen Beamten. Das ist ein deutlicher Beweis von der Gunst, deren sich unser Schulwerk: bei den Moslim von Hamadan erfreut. Wir haben alle Ursache, uns über die Zunahme des muselmanischen Elements in unserer Schule zu freuen. Nichts kann mehr dazu beitragen, die angeborene Feindseligkeit des Schiiten gegenüber den jüdischen Mitbürgern auszurotten, als die gemeinsame Erziehung von Israeliten und Nicht-Israeliten. Die jungen Moslim, die den ersten Unterricht in unserer Schule erhalten, lernen ihre jungen israelitischen Kameraden schätzen und sie als ihresgleichen betrachten. Sie gewöhnen sich von Jugend auf daran, in dem Juden nicht mehr ein „unreines Wesen", den „Nedschass" zu sehen. Die nichtisraelitischen Knaben sind zuweilen gezwungen, bei der Vorbereitung für den Unterricht und bei einer Menge anderer kleinen Dienste zu den israelitischen Mitschülern Zuflucht zu suchen. Dieser tätliche Verkehr und die Unterweisung in Duldsamkeit auf der Schulbank lassen bei den jungen Moslim eine neue Auffassung hinsichtlich der Juden entstehen, und das berechtigt zu grossen Hoffnungen. Durchschnittlich besuchen unsere Zöglinge die Schule mit löblicher Ausdauer. Meist sind es Krankheiten, namentlch epidemische, die den Schulbesuch unterbrechen. Kinderkrankheiten, wie Pocken, Masern, Scharlach, Diphterie, pflegen in persischen Städten vermöge der unhygienischen Lebensweise der Bevölkerung, vor allem der jüdischen, die in den ungesundesten Quartieren dicht ge irängt wohnt, zahlreiche Opfer z i fordern. Alljährlich werden die Kinder in den jüdischen Familien förmlich dezimiert. In der Schule achten wir mit Peinlichkeit darauf, dass die mit ansteckender Krankheit behafteten Kinder den Keim des Uebels nicht auf ihre Mitschüler übertragen. Wir sind sogar sehr vorsichtig gegenüber den Kindern, deren jüngere Geschwister an schwerer Krankheit zu Bett liegen. Wird uns ein solcher Fall gemeldet, so zögern wir nicht, das Kind zeitweilig von der Schule fernzuhalten. Wir geben uns die grösste Mühe, unsere Zöglinge vor den Gefahren der Unsauberkeit zu schützen, die die Quelle fast aller Krankheiten, besonders der Hautkrankheiten, ist. Wir suchen den Kiridern die Sauberkeit zur Gewohnheit zu machen. Wir predigen ihnen den unausgesetzten Gebrauch von Wasser und Seife, wir halten sie an, häufig die Wäsche zu wechseln, was für einen Perser ein sehr schwerer Entschluss ist, und verlangen, dass sie saubere gestattet. Kleider tragen, dass sie mindestens all vierzehntäglich ein B <d nehmen. Jeden Morgen lassen die Lehrer ihre Schüler Revue passieren und schicken die nach Haus, deren Sauberkeit zu wünschen übrig lässt. Im Wiederholungsfall lassen sie die Eltern kommen und empfehlen ihnen, jeden Morgen die Toilette ihrer Kinder zu überwachen, wenn sie nicht wollen, dass diese endgültig aus der Schule ausgeschlossen werden. Die Kinder sind von sanftem, beinahe zu sanftem Charakter. Man möchte wünschen, dass sie etwas geräuschvoller wären. Sie sind gehorsam und schicken sich leicht in die Schnldisziplin. In der Regel sind sie wohlbegabt, doch nicht sehr tätig, und persönliche Arbeit ist von ihnen nicht leicht zu erlangen. In der Klasse sind sie aufmerksam und fleissig, sind sie aber einmal aus der Schule heraus, so denken sie weder an den Unterricht, noch an ihre Schulaufgaben. Die Eltern bieten uns sehr geringe Unterstützung und hindern sogar meist abends die Kinder an der Vorbereitung für den folgenden Tag, während es doch ihre Pflicht wäre, sie dazu anzuhalten. In diesem Jahr haben wir dem Unterricht in der persischen Sprache starke Ausdehnung gegeben. Seit dem neuen Regime ist die offizielle Landessprache sehr in Aufnahme, und man strengt sich an, sie zu pflegen, schon im Hinblick auf die Aemter, die man schaffen will, und die neuen Aussichten, die sie eröffnen. Utisere Glaubensgenossen in Hamadan sprechen einen ganz besonderen jüdisch-persischen Jargon, der ebenso unangenehm klingt, wie die Spiache des Sadi und Hafis harmonisch tönt. Die Verfolgungen, denen die Juden ausgesetzt waren, haben sie dahin gebracht, sich einen Dialekt zu schaffen, den sie allein verstanden und den sie in Gegpnwatt ihrer Bedränger sprechen konnten, ohne dass sie befürchten müssen, verstanden zu werden. Ihr Dialekt ist eine Art Handschelle, die unsere Glaubensgenossen trasen ohne es zu wissen, und die sie der Verachtung der Moslim überantwortet. Wir raten unseren Zöglingen unaufhörlich, sich dieses Jargons zu entwöhnen, der sie von ihren nichtisraelitiscben Mitbmgern trennt und sie zum Gegenstand des Gelächters macht. Eiue Anzahl unserer Glaubensgenossen betreibt den ärztlichen Beruf. Sie bilden eine Art Aristokratie in der Gemeinde, dank ihrem Vermögen und dank der Achtung, deren sie sich bei den Moslim erfreuen. Ihre medizinischen Kenntnise beruhen auf uralter Empirie und überliefern sich von Vater zu Sohn. Sie haben in den Häusern der hohen Priester und der vornehmen Herren der Stadt Zutritt, und schon manches Mai hat ihre Intervention bei ihren mächtigen Klienten die Gemeinde aus schwieriger Lage befreit. Alle diese Aerzte sind vermöfflich, denn der Beruf trägt viel ein. In Hamadan herrschen die Priester. Diese sind allmächtig. Sie terrorisieren und berauhen namentlich die jüdische Bevölkerung. Ein grosser Teil von ihnen