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Ost und West · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 327 - 328

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Jahresbericht des Direktors Albala von der Alliance-Schule in Bagdad
Date
1910-05-01
Page
Seite 327 - 328 (sequence 1)
Language
German
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327 328 ^MiTTE.lUN6EN'''^ ansdemDeutschenBoieauder II AllianceJsroelfteUntveiselfe nom po-iy j&^Sft ^>>ner SERlim.n ^HHy 0ranien6urgersrn'«">3 JAHRESBERICHT DES DIREKTORS ALBALA VON DER ALLIANCE-SCHULE IN BAGDAD. Das verflossene Schuljahr wird durch drei bemerkenswerte Ereignisse gekennzeichnet, die für die materielle und moralische Hebung unserer Glaubensgenossen die besten Folgen haben werden. Zwei dieser Tatsachen sind auf die direkte Wirkung der türkischen Revolution zurückzuführen. Die Israeliten haben dem Sieg der Freiheit in diesem Lande glühendste Bewunderung gezollt. Sie verstanden die Wichtigkeit der neuen Pflichten, die sie zu erfüllen hatten. Um sich für ihre neue Aufgabe als Staatsbürger vorzubereiten, um teilzuhaben an der wirtschaftlichen Wiedergeburt des Reichs, war ihr erster Gedanke, an der Ausdehnung des Unterrichts in der offiziellen Landessprache in ihren Schulen wirksam zu arbeiten. Früher wurde der türkische Unterricht von den Juden völlig vernachlässigt. Sie benötigten die türkische Sprache nicht für ihre Handelsgeschäfte und trachteten wenig darnach, bei der Regierung angestellt zu werden. Seit dem Eintritt der liberalen Regierung geben sie sich mit grossem Eifer dem bis vor kurzem so vernachlässigten Studium hin.. Anfangs geschah es fast mit Enthusiasmus. Ueberall bildeten sich Abendkurse. Der von unserer Schule eingerichtete Kursus allein wurde von 200 jungen Leuten besucht. Der Unterricht wurde während des ganzen Winters erteilt, musste aber im Sommer unterbrochen werden, weil es unmöglich ist, während der heissen Jahreszeit in Bagdad zu arbeiten. Im Oktober werden die Kurse wieder eröffnet werden. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass wir dieser allgemeinen Anregung gefolgt sind und in unserem Programm dem türkischen Sprachunterricht einen grossen Platz eingeräumt haben. Der Unterricht wurde von 3 Lehrern in 11 Klassen erteilt, von denen.3 sich in der Nowielschule befinden. Unsere Schüler haben Dank ihrer Kenntnis des Arabischen grosse Fortschritte gemacht. Der Direktor des öffentlichen Unterrichts hat uns zu dem erlangten Resultat, das für die Zukunft Ausgezeichnetes verspricht, beglückwünscht. Das zweite Ereignis, von dem ich berichten will? hängt mit dem ersten zusammen. Ebenso wie die israelitische Jugend das Bedürfnis gefühlt hat, die offizielle Landessprache zu erlernen, um sich der neuen politischen Lage des Landes anzupassen, hat sie auch den Wunsch, sich durch eine zweckmässige körperliche Erziehung zum Militärdienst vorzubereiten, der für sie in Zukunft eine bürgerliche und patriotische Pflicht ist. Die jungen Leute haben deshalb angefangen, sich gymnastischen Uebungen zu widmen. In der 'Schule haben wir zu diesem Zweck einen besonderen Raum Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. eingerichtet und dort die hauptsächlichsten Apparate aufgestellt. Die ehemaligen Schüler kommen täglich, um sich unter Aufsicht eines Lehrers zu trainieren. Wir werden der Leibesübung in unseren Schulen grosse Ausdehnung geben müssen. Ich habe Ihnen oft von dem physiologischen Elend erzählt, dem unsere Glaubensgenossen in Bagdad ausgesetzt sind^ und ich habe Ihnen die Gründe angegeben: Zusammendrängung in überfüllte Stadtviertel, ungesunde Wohnungen, Entbehrungen, antihygienische Gewohnheiten, Einfcchliessung der Frau> frühe Verheiratung und Heirat zwischen Blutsverwandten — alle diese Ursachen haben dazu beigetragen, das Blut der Juden Bagdads zu schwächen. Der Militärdienst wird zur Wiederherstellung der Muskelstärke dieser kraftlosen Rasse beitragen. Er wird auch noch andere schätzenswerte Resultate zeitigen. Das rauhe Soldatenleben wird nicht nur die geschwächten Körper unserer jungen Leute kräftigen, es wird auch ihren Mut festigen, und sie werden ein höheres Bewusstsein von ihrer Menschen- und Bürgerwürde haben. Das Lelen unterm Zelt oder in den Korporalschaften, die Tatsache, dass sie denselben Strapazen und Entbehrungen, denselben Gefahren ausgesetzt sind, denselben Abscheu und dieselbe Begeisterung empfinden, wird ein Band der Solidarität und gegenseitiger Achtung um die Anhänger der verschiedenen Bekenntnisse schlingen. Die Juden, die in ihren eigenen Augen und denen ihrer Mitbürger moralisch aufgerichtet sind, werden ihre Würde und ihre Ehre zu verteidigen wissen. Ich komme zu dem dritten bemerkenswerten Ereignis des verflossenen Schuljahrs, dessen Wirkung auf die Zukunft der Gemeinde sehr stark sein wird: ich meine den Bau der neuen Mädchenschule. Dank der Grossherzigkeit von Herrn und Frau E. Kaodorie in Hongkong, haben wir die Errichtung eines prächtigen Gebäudes für 1000 Schülerinnen in Angriff nehmen können. Das Gebäude ist halbfertig, im laufenden Jahr wird es fertig. Sie wissen, dass sechsjährige Vorverhandlungen nötig gewesen waien, um den hochherzigen Plan des Herrn Kaodorie zu verwirklichen, damit das Erziehungswerk der jüdischen Frau in Bagdad auf breiter Grundlage sich entwickele. Dieser Philantrop ist mit Recht der Ansicht, dass das Werk den Grundstein bildet zu der zivilisierenden Mission, die Sie hier wie im ganzen Orient verfolgen. Die Mädchenschule ist dreissig Jahre später als die Knabenschule gegründet worden. Deshalb ist der moralische Fort-

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