Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 323 - 324

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Der Moloch
Date
1910-05-01
Page
Seite 323 - 324 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2583875-2583993-2583999-2594789--10368-2594879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

323 Leo Birinski: JDer Moloch. 324 Bjelkin (packt ihn an der Schalter, schreit aas allen Kräften): Hör auf, Wahasin'niger! Sascha (lacht): Sie ist euch zuvorgekommen. . Das Seelenheil wollte sie mir retten und hat mich der Pob'zei ausgehet ert. Hahaha, hahaha. Stefkin: Die Polizei wird gewiss gleich hier sein. Bjelkin (zu Agrafena): Haben Sie gesagt, wo sich Sascha befindet? Agrafena: Ja, Väterchen. Bjelkin: Was haben Sie gesagt? Nun, sprechen Sie doch, zum Teufel, rasch und deutlieb. Ich tu Ihnen nichts. Vielleicht lässt's sich noch gutmachen. Was haben Sie gesagt? Warum haben Sie das ges?gt? Sprechen Sie doch, zum Henker. Agrafena: Er hat ja so furchtbar gelitten. Bjelkin: Nun, nun, nun ... Agrafena: Und hätte ja noch alle Ewigkeit leiden müssen. Weil doch der Antichrist in ihn gefahren ist. Bjelkin: Nun, nun, nun. Agrafena: Und da musste man ihm doch helfen. Bjelkin: Ja, ja, weiter! Agrafena: Und da bin ich zu Dmitry, der . bei der Polizei dient, ihm das sagen und ihn bitten, er möchte mir doch belfen, Saschenkas Seelenheil retten. Er hat mir dies Kreuz gegeben und hat gesagt: Ich lauf zur Polizei, die dort werden ihm schon helfen, Sascha dacht). Bjelkin (zu Sascha): Hör auf, oder ich steh nicht für mich ein. Stefkin: Lasst doch das. Wir müssen sehen, dass jvir von hier fortkommen. Bjelkin: Ja, ja. Und das Archiv auch. Stefkin (stürzt in den zweiten Raum, kommt mit der Mappe zurück). Bjelkin (zu Sascha): Setz die Mütze auf und komm. Sascha: Nein: Bjelkin: Komm, komm rasch. Vielleicht können wir noch entwischen. Sascha: Nein. Wozu? Dem Moloch entwischen wir jetzt doch nicht. Bjelkin: Zum Teufel, komm doch! Werbenkos Stimme (an der Luke): Kettet euch! Kosaken kommen! Stefkin: Wir sind verloren. Bjelkin (zu WaBja und den anderen): Zieht euch in den zweiten Raum zurück, rasch! Vielleicht gelingt es uns, sie draussen zurückzuhalten. Stefkin, Niuta, habt ihr Waffen bei euch? Stefkin und Niuta: Ja. Bjelkin: Kommt. (Sie stürzen die Stiege hinauf.) (Man hört draussen Kugelwechsel. Dann erscheint auf den obersten Stufen Charbinskij, hinter ihm Kosaken und kommandiert): „Wer sich rührt, wird erschossen!" Sascha: Nur zu! (Charbinskij drückt ab, Sascha bricht zusammen. Er windet sich eine kurze Weile in Todeskrämpfen, macht dann Charbinskij ein Zeichen, dass er was sagen möchte, Charbinskij zieht Notizbuch und Bleistift heraus, tritt zu ihm, um es zu notieren.) Sascha (nimmt alle Kräfte zusammen, schreit sarkastisch): GrÜSSen Sie mir die Menschheit! (Lacht auf und stirbt.) Charbinskij (schaut sich verständnislos im Kreise um). Vorhang. LUIGI LUZZATTI. Die schweren Krisen im innerpolitischen Leben Italiens haben mit der Bildung eines durchaus demokratischen Ministeriums, dessen Programm volkstümlich, populär ist, ihr vorläufiges Ende gefunden. Der neue Premier Signor Luigi Luzzatti, den das Vertrauen der Krone und des Parlamentes an seinen hohen Platz berief, ist jüdischen Glaubens. Das darf mit besonderer Genugtuung vermerkt werden, weil Luigi Luzzatti des öfteren schon Anlass genommen, sein Bekenntnis und seine Gesinnung öffentlich zu dokumentieren, und weil sein Judentum nichts Zufälliges, vielmehr dem Wesen dieses Mannes Zugehöriges und also schlechthin nicht wegzudenken ist. Signor Luzzatti, dessen Name und Wirken in der Welt der Politik und Wissenschaft gleichbekannt ist, wurde 1841 zu Venedig geboren. Früh erwuchs in dem Kind einer vornehmen jüdischen Gelehrtenfamilie der Drang nach Wissen, und so finden wir den Zwanzigjährigen schon in Venedig als Dozenten für Nationalökonomie und Sozialpolitik. Die Volkswirtschaft ist das Gebiet, auf dem Luzzatti sich Weltruf errungen. Sechsundzwanzig Jahre alt, wurde er als Professor der Nationalökonomie an die Universität Padua berufen, und Nachdruck verböte». bald winkte ihm auch das hohe Amt eines Generalsekretärs des Ministeriums für Landwirtschaft. Seine Bedeutung als Volkswirtschaftler war bald unbestritten. Nicht zu vergessen auch, dass Luzzatti ein glänzender Journalist ist, dem die Gabe eigen,. Probleme trockener Wissenschaften in anregender, geistreicher Form zu diskutieren. Als er um 1870 die parlamentarische Laufbahn begann, konnte er seines Erfolgessicher sein und galt von allem Anfang als ein sicherer Anwärter auf das Portefeuille eines Finanzministers, das er auch in den Ministerien Rudini und Giolitti innehatte. Um' die Ordnung der italienischen Finanzen hat er sich grosse Verdienste erworben, wie nicht minder als Sozialpolitiker, als welchem ihm Italien manchemodernen, dem Wohl breiter Volksmassen gewidmete Einrichtungen zu danken hat.. Nun ist er Premierminister;, voll Vertrauen erwartet sein Vaterland auch diesmal von. seinem Wirken viel Neues,. Förderndes. Luzzattis Ernennung gewinnt durch seine Abstammung auch typische Bedeutung. Es ist einer der. feinen Züge der Weltgeschichte, dass in. Italien, dem Landj in dem Roms Luigi Luzzatti. Herrschaft siegreich thronte,.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.