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Ost und West · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 285 - 286

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Die Juden von Nordafrika, ihre Verbreitung und Abstammung
Date
1910-05-01
Page
Seite 285 - 286 (sequence 2)
Language
German
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285 Ernst von Hesse-Wartegg: Die Juden von Nordafrika, ihre Verbreitung und Abstammung. 286 grosse Kolonie von 15 000 Seelen mit annähernd drei Dutzend Sy Dago gen und ebenso vielen Rabbinern vertreten, und in dem nahen Palmenwald von Tripolis liegt eine kleine Stadt von zweitausend Einwohnern, durchwegs Juden. Bengasi hat ihrer 1200, die anderen Küstenstädte wie Horns, Derna u. s. w. zählen zusammen vielleicht zweitausend, dafür gibt es in den die tripolitanische Sahara durchziehenden Bergketten des Dechebel Gharian und Dschebel Iffren, dann im Dschebal Nef ussa eine ganze Anzahl unterirdischer Judendörfer und oberirdischer Bergnester, in denen zusammen gegen 4000 Jaden wohnen. Ihre Gesamtzahl in Tripolitanien wurde mir von dem Leiter der Alliance Israelite in Tripolis auf 23 OOO angegeben. In Algerien haben dieFranzosen genaue Zählungen vorgenommen, und diesen zufolge enthält das grosse Land unter einer Gesamtbevölkeruog von 5 Millionen nur 53000 Ja den in 12000 Rabbiner Haushaltungen. Die Stadt Algier zählt 15 000, Constantine 7000, Oran 11 OOO. In Marokko wird ihre Zahl verschieden angegeben. Rohlfs und Foucauld schätzten sie auf 40 000, Anbin auf das Fünffache, die Alliance Israelite, die es am besten wissen muss, auf ur gefähr 100 000. Davon entfallen am meisten auf Mogador, nämlich nach Aubin 20000, Marakesch hat 14000, Tanger 10000, Fez 8000, Tetuan 6000, Mekinez 6000 und Casablanca 5000. Diese Zahlen scheinen aber zu hoch gegriffen zu sein. Dafür sind die Juden auf dem Lande und im Rifgebirge sehr zahlreich ver- ^mwmmw&m^mt ,■.■^ treten, besonders im Stamm der Gallia rings um Melilla. Auch die Riatha und Medinna sollen noch viele Juden enthalten, aus der Zeit, wo diese Berberstämme ganz zum Judentum bekehrt waren. Hochinteressant ist das Vorhandensein von Juden in den meisten Oasen der Sahara, Ich fand sie in Biskra in einem eigenen Stadtviertel vereinigt, dann in Tuggurl und Sidi Akba. In den Oasen der Beni Nizab wohnen gegen tausend, sie sind aber auch im ganzen Tuatgebiet, so in den Oasen Gurrara, Tidikelt,Tamentit, Tachfistu.s.w. wenn auch nur mit je einigen Familien vertreten. Woher stammen nun diese Juden? Ziemlich allgemein wird angenommen, dass sie die Nachkommen jener sind, die Ende des fünfzehnten Jahrhunderts auf den Antrag des Gross-Inquisitors Torquemada von Ferdinand und Isabella aas Spanien vertrieben worden sind. Ihrer 300 000 flüchteten sich, doch waren ihre in Tunis. Ziele vielmehr die Königreiche Navarra und Portugal, dann Neapel und Toscana, weniger Marokko. Als sie später auch aus Italien und Portugal ausgewiesen wurden, wandte sich die grösste Zahl nach Tunis. Das war indessen nur der letzte Zuzug von Juden in Afrika. Der erste reicht viel weiter zurück, und fällt in die Zeit der Aegypter und Phönizier. Es ist ein hochinteressantes, wenig bekanntes Kapitel und verdient in der Tat wieder einmal zusammengefasst und an's Tageslicht gezogen zu werden. Im zwanzigsten Jahrhundert vor der üblichen Zeitrechnung — also vor

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