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Ost und West · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 283 - 284

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Constantin Brunner
Date
1910-05-01
Page
Seite 283 - 284 (sequence 3)
Language
German
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283 Ernst Altkirch: Constantin Brunner. 284 Sussigkeit erhabenen, dichterischen Schwunges ausströmt, dann wird man unser geliebtes Deutsch so hell singen und klingen, so machtvoll Anten und rauschen hören wie in den Werken unserer Allergrössten. Man hat Nietzsche einen Dichter und Philosophen geheissen, doch man lese Brunner, um zu begreifen, dass ein grosser Mensch und Künstler aus anderem Holz geschnitten sein muss. Auf den eigentlichen Inhalt der „Lehre von den Geistigen und vom Volke" näher einzugehen, scheint in der Kürze ganz unmöglich — dazu ist sie zu reich an Gedanken und dazu widersprechen diese Gedanken allzusehr unsrer bisherigen Welt- und Lehensauffassung. Hieraus erklärt sich auch die Schärfe der Ablehnung anderer Denker durch Brunner, worauf schon oben hingewiesen ward. Viele, auch seine Lqbredner (sogar Gustav Landauer in seinem begeisterten „Gespräch zwischen dem Gebildeten und dem Lernenden", das er in der „Zukunft" über Brunner veröffentlichte) haben dies befremdlich gefunden, statt zu bedenken, dass es bei so radikaler Umwälzung der Gedanken nicht anders seiu konnte. So las ich noch jüngst irgendwo — doch sei die hier in Betracht kommende Stelle in einem etwas grösseren Zusammenhang zitiert: BruDner ist der Prophet einer eigenen Wirklichkeitsauffassung, der mit loderndem Temperament, mit leuchtender Begeisterung für die Erkenntniswerte eintritt, die er sich in einem Denkerleben selbst erstritten hat. Nach seinen eigenen Worten handelt es sich um ein ausgedehntes Werk, das „die allerwichtigsten Interessen der Menscheit in erneuter Betrachtung zu umgreifen hat, und, was noch mehr ist: um ein Werk von grossen, weitreichenden, der Mitwelt noch gänzlich unvertrauten, ja ihre ganze Denkweise und Ueberzeugung gewaltsam antastenden und höchlichst beleidigenden, grundstürzenden Absichten." In der Tat erregt diese Arbeit nicht bloss Anerkennung, Beifall und Bewunderung, sondern auch Erstaunen, Befremden, Empörung .... Man wird ihm widersprechen wollen und müssen, um schliesslich zuzugeben, dass man diesem Philosophen Stunden des freiesten, tiefsten und reichsten Denkens und auch eine Fülle neuer Erkenntnisse verdankt. Es mag gestattet sein anzuführen, was der literarische Jahresbericht von „Nord und Süd" über Brunners Werk sagte: „Keiner lebt, dem es nicht gut, nicht not täte, sich von dieser Predigt erschüttern, von dieser zugreifenden Energie durchschütteln zu lassen. Und dazwischen kommen wieder Episoden, wie seine grosse Abrechnung mit Imanuel Kant, sein überaus feines, zartes und doch fast lustiges Kapitel von den Weibern, die im Bahmen des Ganzen notwendig an ihrer Stelle stehen, auch kaum losgetrennt werden könnten, aber doch wie ein erquickendes Intermezzo wirken. Wie eben Brunner überhaupt die grosse Kunst versteht, das Tempo zu wechseln, auf ein Lento ein Presto, auf ein Andante das Scherzo folgen zu lassen." Aber genug nun — geht hin und überzeugt Euch selbst von allem. Versäumt es nicht, Euch an ihm zu erfrischen, an ihm aufzurichten und mit ihm stark zu werden, und er ist nicht nur für die reifen Männer, auch Du männliche und weibliche Jugend, höre es: hier ist einer, der Dich zu echter Begeisterung entflammt, der ein Führer ist und ein Held. Ich darf auch noch verraten, in nicht allzuferner Zeit wird die Jugend von Brunner ein besonders für sie geschriebenes köstliches Buch „Du und die Anderen" besitzen, an dem auch die Alten sich jung lesen werden. DIE JUDEN VON NORDAFRIKA, IHRE VERBREITUNG UND ABSTAMMUNG. Von Ernst von Die Zahl der Juden in Nordafrika kann man nur annähernd schätzen, denn in zweien der wichtigsten Länder, in Marokko und in Tripolitanien, sind Volkszählungen niemals vorgenommen worden. Zusammen dürften sie dreihunderttausend Seelen umfassen. Am zahlreichsten sind sie wohl in Tunesien, wo ich vornehmlich auf der Insel Dscherba im Golf von Gates zwei geschlossene Jadenstädte Hara und Hara Kibiri gefunden habe. Auch in der Stadt Menzell im Oasengebiet von Gabes bilden sie die Mehrzahl der Bevölkerung. Die Stadt Tunis enthält ihrer über 40 000, Hesse-Wartegg. Nachdruck verboten, also ein Viertel der ganzen Einwohnerschaft, in Susa und Sfax haben sie Kolonien von mehreren Tausenden, und auch sonst gibt es kaum eine grössere Ortschaft, wo sie nicht in beträchtlicher Zahl, mit einigen Synagogen, Rabbinern nnd Talmadschulen, vertreten wären. Sogar in der tunesischen Sahar a wohnen sie als Troglodyten in selbst gegrabenen Erdlöchern mitten unter den Berbern und haben dort unterirdische Synagogen. Im Ganzen dürfte Tunesien hunderttausend Juden zählen. In Tiipolitanien sind sie weit weniger zahlreich. Nur in der Hauptstadt Tripolis sind sie dnrch eine

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