Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Der Moloch
- Date
- 1910-03-01
- Page
- Seite 193 - 194 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2583875-2583993-2583997-2594561--10200-2594639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
193 Leo Birinski: Der Moloch. 194 RamilSOW (zu Iwan): Also, was willst du" fwan (zögert mit der Antwort, da er bemerkt, dass Agraiena,'» die in die Küche hinausgehen wollte, neugierig im Zimmer bleibt). RamilSOW (bemerkt diese, zu Agrafena): Willst du noch etwas von mir? Agrafena: Nein! (Ab.) Iwan: Es handelt sich unTdie jungen Herren» Ramusow: Nun und0 Iwan: Eigentlich um den abwesenden jungen Herrn! Ramusow: Um Sascha? "Was ist's? (Hinter der Szene hört man Fjodors Stimme.) fwan: Die jungen Herren dürfen nichts merken, dae? ich es Ihnen gesagt habe. FjOdor U. WaSja (treten ein). Iwan (macht sich rasch am Tisch zu schaffen). RamilSOW (verlegen): Wollt ihr nicht zu Mama hineingehen? Es wird sie beruhigen. (Fjodor und Wasja ab nach rechts.) Ramusow: Was ist's mit Sascha? Iwan: Der gnädige Herr dürfen mir nicht böse sein . . . Ramusow (unruhig): Nein, nein! Aber sag' doch . . . Iwan: Es handelt sich ... ja ... die Sache ist die. Wie der junge Herr, der Herr Sascha, noch auf dem Gymnasium war, haben seine Kollegen und auch er miteinander ausgemacht, dass sie sich jedes Jahr an einem bestimmten Tage, ihr ganzes Leben hindurch, in welcher Lebenslage sie auch sein sollen, versammeln und alte Erinnerungen austauschen. Heute ist so ein Tag. heute versammeln sie sich. Ramusow (freudig): Und da kommt Saschenka zurück? Iwan: Nein, gnädiger Herr! Herr Sascha ist ja weit weg im Ausland. Aber die Freunde wollen seiner gedenken, wie aller anderen Kollegen, die nicht kommen können. Ramusow (gerührt): Das ist schön! Siehst du, Iwan, das gefällt mir. Das freut mich sehr. Ich danke dir, dass du mir das erzählt hast. Das ist sehr schön. Aber du wolltest mich ja um etwas bitten? Iwan: Ja, ich wollte fragen, ob der gnädige Herr etwas dagegen haben, wenn sie sich hier versammeln würden. Ramusow: Ich? Ich sollte etwas dagegen haben, dass sich Saschenkas Kollegen versammeln, von ihm sprechen? Im Gegenteil! Sie sollen mir alle willkommen sein! Du musst alles aufs feinste herrichten . . . aber ja, Iwan, warum ersuchst du mich darum, und nicht Fjodor und Wasja? Iwan: Ja, gnädiger Herr, das ist es ja eben. . . . Man hätte sich an einem anderen Orte versammeln sollen, aber da ist dort im Hause ein Kind erkrankt . . . ich glaube so etwas. . . genug, sie können dort nicht zusammenkommen. Ramusow: Ich verstehe. Ich verstehe. Da hat sie Wasienka im letzten Moment hierher geladen! Ist recht! Iwan: Der Herr Wasja wollte Sie jetzt nachträglich um Erlaubnis bitten, aber nach dem bedauerlichen Zwischenfall mit der gnädigen Frau ... da bringt er es nicht über sich, Sie an Herrn Sascha zu erinnern. Ramusow (bewegt): Der gute Junge! Siehst du^Iwan^so sollen Kinder sein! Geh', ruf' Wasienka, man soll alles anrichten: ich selbst will sie begrüssen! Iwan: Nein, gnädiger Herr, das sollen Sie nicht tun! Ramusow: Wie? Warum nicht? Iwan: Ja, gnädiger Herr! Die jungen Leute, die sich versammeln, gehören verschiedenen Gesellschaftsschichten an, die meisten sind sehr arme Schlucker. Untereinander genieren sie sich nicht, aber . . . Ramusow: Ach so! Ich verstehe! fvan: Es würde ihnen die Stimmung rauben, wenn man besondere Vorbereitungen treffen wollte. Ich werde sie schon bedienen. Der gnädige Herr müssen auch Agrafena beauftragen, sieh in ihr Zimmer oder am liebsten 5su der gnädigen Frau zurückzuziehen Ramusow: Gut, gut, du hast recht! Weisst du, Iwan, ich habe eine Idee! Du bringst mir einen alten Arbeitsrock und ich setze mich auch zu ihnen. Ich möchte so gerne hören, wie sie von Sascha reden. Iwan: Nein, gnädiger Herr. Die jungen Leute würden sich ja gewiss freuen, Sie in ihrer Mitte zu haben, aber ich glaube ... es wäre ihnen nicht recht. Es wäre nicht die gleiche Stimmung. Ramusow: Gut, gut; lassen wir das. Ich habe zwar eine Idee, aber . . . lassen wir das. Iwan: Gnädiger Herr, verzeihen Sie mir. Aber Sie müssen mir versprechen, nicht hereinzukommen . . . wenn . . . Ramusow: Schon gut! Hältst du mich für einen, der den jungen Leuten den Spass verderben will? Saschenkas Kollegen! Siehst du, alle haben ihn gern. Sogar die Schulkollegen versammeln sich um seiner zu gedenken. Saschenka war die Herzensgüte selbst. Iwan: Das sagen alle. Ramusow: So gut war er, so mitleidvoll gegen jedermann. Und das, was die Leute sagen, dass er herzlos sei, ist nicht wahr. Die Leute verstehen ihn nicht. Glaubst du wirklich, dass er ins Ausland gereist sei, weil er von seinen Eltern fortwollte? Es war der jugendliche Wissensdrang, der ihn ins Ausland trieb. Nicht wahr? Iwan: Selbstverständlich! Ramusow: Siehst du, das verstehst auch du sogar. Dass er uns nicht um Erlaubnis bat? . . . Nun, er glaubte, wir würden es ihm nicht gestatten, und er wäre dann gezwungen, gegen unseren Willen zu handeln. Das wollte er nicht. Nicht wahr? Er wollte uns vor die geschehene Tatsache stellen. Das ist nicht herzlos. Im Gegenteil . . . Agrafena (tritt auf): Ist Herr Fjodor nicht hier? Draussen wartet ein Dienstmann mit einem Brief. Er darf ihn nur dem jungen Herrn eigenhändig übergeben. Iwan: Gewiss ein Bote von den Kollegen, ob sie kommen können. Es ist schon die Zeit, wo sie sich versammeln sollen. RamUSOW (zu Agrafena): Lass ihn herein! (Agrafena will ins Vorzimmer.) Agrafena! Agrafena: Ja, Väterchen? Ramusow: Gib Iwan den Schlüssel von der Speisekammer und den Getränken. Agrafena (misst Iwan mit einem feindlichen Blick). Ramusow: Hast du mich verstanden? Agrafena: Das hat noch gefehlt! Iwan: Gnädiger Herr, das ist nicht nötig'. Ramusow: Das ist meine Sache! (Zu Agrafena). Du gibst ihm die Schlüssel für heute abend und bleibst die ganze Nacht bei der gnädigen Frau. (Streng und gebieterisch.) Verstehst du? Du gehst nicht vom Bette weg! Agrafena (den Tränen nahe): Väterchen, das wollte ich sowieso tun. RamUSOW (verliert die strenge Miene, sanft): Ist gut! (Legt ihr die Hand auf die Schulter.) Geh, Niania, lass den Dienstmann herein! Agrafena (öffnet die Tür, der Dienstmann tritt ein). Rabskijl Ist das der junge Herr? (Er ist als Dienstmami verkleidet, in der Tür auf Iwan zeigend.) Iwan: Der junge Herr kommt gleich! Ramusow: Ich schick' ihn sofort her. Agrafena! (Links ab.) Agrafena (Iwan die Schlüssel zuwerfend): Idiot, ekliger! (Sie folgt Ramusow). Iwan: Sind schon alle da? Rabskij: Die meisten. Wie steht's hier? Iwan: Alles geordnet. Sie können hereinkommen. Aber vorsichtig. Rabskij: Und der Alte? Iwan: Alles in Ordnung. Es wird uns niemand stören. Rabskij: Da kann ich also das Zeichen geben? Iwan: Ja, tu es. Rabskij (nimmt die brennende lampc vom Tisch u.nrt stellt Ae aufs Fensterbrett) 0 Der zweite Tei* des ersten Aktes folgt in der nächsten Nummer.