Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Der Schachwettkampf um die Weltmeisterschaft
- Date
- 1910-03-01
- Page
- Seite 173 - 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Dr. Emanuel Lasker: Der Schachwettkampf um die Weltmeisterschaft. 174 hat daher das Ruy Lopez mit völlig gleichem, gesundem Spiele verteidigt. Schlechter hat die Verteidigung 3) a7—a6; 4) Lb5—a4, Sg8—f6 vorgezogen. In der achten Partie widerlegte er den Pillsburyschen Angriff 5) 0—0, Sf6xe4; 6) d2—d4, b7~b5; 7) La4—b3, d7—d5; 8) a2—a4 durch Sc6xd4 kategorisch. Zieht Weiß aber nicht a2—a4, bleibt nur 8) d4xe5, Lc8—e6;. 9) c2—c3, Lf8—c5; 10) Sbl—d2, 0—0; 11) Lb3—c2, f7—f5, und danach ist der Wert von 12) Sd2—b3, Lc5—b6; 13) Sf3—d4, Dd8—d7 für Weiß problematisch, schon, weil sich ein Abtausch auf d4 nicht erzwingen läßt, wenn Schwarz vor scheinbaren Gefahren nicht erschrecken will. Schwarz erlangte daher auf mehrfache^Weise gegen das furchtbare Ruy Lopez eine befriedigende Position. Die Mittelspiele verliefen bei gleichen Stellungen so, wie zu erwarten war. Es wurde nur um die Erlangung kleiner Vorteile gekämpft. Hatte im Mittelspiel eine Partei Vorteil, so wurde ein Angriff größeren Stiles versucht, doch regelmäßig abgewiesen. Alles dies ist in der Theorie begründet. Kann doch ein Mattangriff nur gelingen, wenn schon ein erheblicher Positionsvorteil errungen ist oder der Verteidiger Fehler begeht. Ein Angriff, der sich zu hohe Erwartungen steckt, überschießt daher sein ihm von Rechts wegen zu steckendes Ziel. Die Endspiele wurden recht gut, aber nicht fehlerlos geführt. In dieser Domäne des Schachspiels kann die Theorie von der Zukunft noch eine bedeutende Bereicherung erhoffen. Da zudem die Mannigfaltigkeit der möglichen Stellungen im Endspiel eine weit größere als in der Eröffnung oder im Mittelspiel ist — ich schätze die Zahl der von Meistern zu erreichenden Stellungen im Endspiel als das millionenfache der entsprechenden Zahl der Mittelspielstellungen — und weil dem Endspieler die furchtbare Waffe des Zugzwanges zu Gebote steht, wird der Meister der Zukunft gerade im Endspiel sein bestes leisten können. Die 7., 9. und 10. Partie erfordern eine gesonderte Behandlung. Sie waren von beiden Meistern in der Erregung gespielt, als es klar wurde, daß Schlechter durch den glücklichen Gewinn der fünften Partie, die ich sehr leicht hätte remis machen, vielleicht sogar, wenn auch schwer, hätte gewinnen können, sich ein drückendes Übergewicht gesichert hatte. Schlechter wollte diesem Gewinn einen zweiten beigesellen, ich ihn wettmachen. Darum versuchte ich in diesen letzten Partien des Matches um jeden Preis Verwicklungen herbeizuführen, und Schlechter wich