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Ost und West · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 105 - 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Hermann Burchardt
Date
1910-02-01
Page
Seite 105 - 106 (sequence 1)
Language
German
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105 106 HERMANN BURCHARDT. Mitteilungen aus seinen letzten Briefen. Von Dr. M. Friedländer. Nachdruck verboten. Der gewaltsame Tod des Orientreisenden Hermann Burchardt im fernen Yemen hat das Aufsehen der ganzen gebildeten Welt erregt. Von der politischen Tragweite des Ereignisses, die nicht sehr gross ist, da Burchardt und sein Schicksalsgefährte Benzoni als Privatleute reisten, kann hier abgesehen werden. Auch die wissenschaftlichen Verdienste des allzu früh hinweggerafften Forschers sind bereits von berufener Seite gewürdigt worden. Eduard Sachau, Direktor des Berliner Orientalischen Seminars, an dem Burchardt — geboren am 18. November 1857 zu Berlin — den Grund zu seinen arabischen Studien gelegt hat, rühmt ihn in einem warmherzigen Nachruf als kenntnisreichen Beobachter des orientalischen Volkslebens: „Er hatte einen geschulten Blick für die ganze kultur des Orients älterer und neuester Zeit, er war aber nur schwer zum Niederschreiben seiner Beobachtungen zu bewegen. Seine ganze Vorliebe dagegen war die Photographie, und in ihr war er ein Meister. Das Grösste und das Kleinste suchte er auf der Platte festzuhalten und er hat oft unter schwierigen Verhältnissen, gelegentlich unter Lebensgefahr, photographiert. Er hat vielfach Gegenden besucht, die kein Europäer vor ihm betreten; er kannte keine Gefahr, und selbst die unangenehmsten Erfahrungen konnten ihn nicht abhalten, von neuem in eine Landschaft einzudringen, wenn er es im Interesse seiner Forschung für wünschenswert hielt. Die Tausende seiner Photographien, die Frucht aller seiner Reisen, hat er der Bibliothek des Orientalischen Seminars geschenkt, wo sie in zahlreichen Bänden einen Schatz ohnegleichen bilden und allen denen, welche sich für eine Tätigkeit in Asien und Afrika vorbereiten, einen vortrefflichen Anschauungsunterricht bieten/' Soweit Sachau. Für die Leser dieser Zeitschrift ist von besonderem Interesse Burchardts Stellung zum Judentum und vor allem zu den jüdischen Hilfswerken im Orient. Darüber belehrt im wesentlichen der Artikel, den er in „Ost und West" im Februar 1906 den Juden in Persien gewidmet hat. Wir erfahren, dass er auf seinen Reisen überall den Judenquartieren hohe Aufmerksamkeit schenkte. Wir wissen auch sonst, dass er sich ihrer Bewohner nach Kräften annahm. Die Ratschläge, die er auf Grund langjähriger Beobachtung, reiflichster Ueberlegung und aus innerstem Interesse in jenem Aufsatz [für den weiteren Ausbau des Erziehungswerks und der sozialen Hilfstätigkeit der Hermann Alliance gegeben hat, können nicht genug beherzigt werden, und dürften auch, soweit sie noch nicht ausgeführt werden konnten, um so eher Beachtung beanspruchen, als Burchardt den bisherigen hervorragenden Erfolgen der Alliance rückhaltlose Anerkennung zollte. Als vor mehreren Jahren die Nachrichten über die Bedrängnisse der Juden in Yemen besonders arg lauteten, hat Burchardt sich von freien Stücken dazu erboten, die Verteilung der von der Alliance für die Unglücklichen bestimmten Hilfsmittel sachgemäss vorzunehmen. Doch hatte die Alliance ihren Vertrauensmann bereits an Ort und Stelle. Bei einer Durchreise durch Russland hat Burchardt in seiner Eigenschaft als Israelit mancherlei Widerwärtigkeiten erlebt. Derlei war dem Weitgereisten bis dahin weder bei den Eskimos noch bei den Hindus oder den Austrainegern passiert. Seit dem Beginn der neunziger Jahre bereiste Burchardt mit verhältnismässig geringen Unterbrechungen den vorderen Orient, dessen wundersame Halbkultur ihn immer wieder mächtig anzog. In Damaskus, Beirut, Isfahan, Sanaa nahm er für längere Zeit Quartier. Alleinstehend, von Hause aus - bemittelt, folgte er frei seinen wissenschaftlichen Neigungen. In jungen Jahren war er kurze Zeit Kaufmann gewesen. Das kam ihm bei der Ausrüstung seiner zahlreichen Expeditionen zugute. Mit der Heimat, in die Burchardt. er von Zeit zll Zeit zurückkehrte, blieb Burchardt auch unterwegs in regelmässiger Verbindung. Der Güte seines treuen Freundes und Verwandten danken wir es, wenn wir aus den Briefen Burchardts, die er während seines letzten (dritten) Aufenthalts in Yemen schrieb, das allgemein Interessierende mitteilen dürfen. In diesen intimen Dokumenten offenbart sich der ganze liebenswürdig-schlichte und zugleich kühnenergische Charakter des Mannes. Jammerschade, wie der herrliche Optimismus, der sich wieder und wieder bewährt, zuletzt so grausam zuschanden wird. Burchardt verliess Berlin am 19. Dezember 1908, gerade ein Jahr vor seinem Tode. An Messina schiffte er einen Tag vor dem Erdbeben glücklich vorbei. Seit Anfang 1909 weilte er in Yemen. Sanaa, 6. April 09. Hier ist nichts verändert, alles ist ruhig, Regen fällt beinahe täglich, und da dies eine gute Ernte sichert, wird die Ruhe auch anhalten, falls die Türken sich nur mit dem Imam verständigen könnten. Dazu hat es aber wenig Aus-

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