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Ost und West · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 9 - 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Alfred Graetzer
Date
1910-01-01
Page
Seite 9 - 10 (sequence 1)
Language
German
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9 10 ALFRED GRAETZER.*) Von Karl Schwarz. Nachdruck verboten. Wenn wir heute den Lesern dieses Blattes tdas Schaffen Alfred Graetzers, von dem unlängst zwei lithographierte Köpfe (Abb. S. 599 und 602) und ein Artikel wiedergegeben waren, an einigen weiteren Werken vorführen, so sei gleich zu Anfang betont, sodass wir ims hier nur mit dem Graphiker Graetzer beschäftigen und seine sonstige Tätigkeit als Maler diesmal unberücksichtigt lassen. Denn in der gegenwärtigen' Phase 'seiner Entwicklung ist es sein höchstes Streben, die in der Malerei gewonnenen Wirkungen durch die i Mittel der Lithographie zum Ausdruck zu bringen und in der Verbindung des Linearen mit dem Malerischen eine Sprache zu finden, die, frei von dekorativen Ausschmückungen, durch das Klingen der Farben und das rhythmische Spiel des Lichtes ihm erlaubt, das innerste seelische Erleben zum Grundakkord seiner Schwarz - Weiss - Blätter zu gestalten. Wie das Kind in der Wiege, dem nach den ersten Monaten seines unbewussten Daseins zum ersten Mal die Sonne als ein leuchtender Ball entgegenblinkt, fröhlich aufjauchzt und die verlangenden Händchen nach dem glänzenden Spielzeug ausstreckt, wie uns später nach trüben Regentagen die hellen Strahlen der Sonne wieder beleben und es uns hinausdrängt in die heiteren Fluren — so sehnt sich [das Herz des Künstlers, dieses fröhliche Tanzen und Hüpfen und dieses heitere Versteckspiel der Schatten in seinen Werken wiederzugeben. Die ungetrübte Freude des Kindes, das mit seinen grossen Augen alles bewundernd betrachtet, das innige Glück des Weibes, das seinen Liebling an die stolze Mutterbrust drückt und in der ALFRED GRAETZER. Mutter und Kind. BRESLAU. *) Während dieses Heft bereits im Druck ist, erfahren wir, dass Herr Graetzer augenblicklich in Breslau eine Kollektivausstellung seiner Werke veranstaltet, die allfemein grosse Beachtung findet. Das Breslauer Museum at daselbst wieder mehrere Blätter des Künstlers erworben, u. a. auch das hier reproduzierte Bildnis Sombarts. keimenden und spricssenden Natur von der Zukunft seiner Wünsche träumt, die satten Garben, die von der Sonne geküsst, vom Wind gefächelt in leisem Takt ihre Häupter neigen — solche Themen bilden das Hohelied des Künstlers in den Stunden frohen Entzückens und Geniessens. Und wenn dunkle Wolken heraufziehen und das Firmament bedecken, wenn schwere Schicksalsschläge hereinbrechen, und die Kraft des Künstlers zu erlahmen droht, dann findet er in kraftvollen Tönen, in dem Rauschen der Baumwipfel und dem Wogen des Wasserstromes den Ausdruck seiner inneren Stimme und die Ruhe zu weiterem Schaffen. Graetzer ist ein Landkind. In der Natur ist er aufgewachsen und in ihr hat er seine erste Lehr-

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