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Ost und West · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. Seite 849 - 850

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
Die Knabenschule der Alliance in Teheran
Date
1906-12-01
Page
Seite 849 - 850 (sequence 2)
Language
German
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849 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Knabenschule der Alliance in Teheran. 850 Allgemeiner Unterricht. Wir haben uns so weit wie möglich nach den erteilten Instruktionen über die Art des Unterrichts gerichtet, haben aber im letzten Schuljahr das Programm etwas erweitert, indem wir im Zeichnen, in praktischen Dingen, in Körper- und Wohnungshygiene, im. Rechnen und in Weltgeschichte unterrichteten. Natürlich musste dieser Unterricht nach dem jeweiligen Kulturstand der Schüler geregelt werden. In früheren Jahren waren manche unserer Schüler nach Verlassen unserer Anstalt in die Schule der Alliance francaise übergegangen, um dort ihre Kenntnisse zu vervollkommnen. Da ihnen dort vielfach Bücherwissen beigebracht wurde, das die Knaben mehr verwirrte als vorwärts brachte, und weil wir den Stab fleissiger und strebsamer Schüler lieber auch in den reiferen Jahren; noch in unseren Reihen behalten wollten, haben, wir den Unterrichtsplan um die obengenannten Lehrgegenstände erweitert. Die meisten dieser Gegenstände: konnten allerdings nur ziemlich oberflächlich behandelt werden; dagegen haben wir grosses Gewicht gelegt auf einen gründlichen Unterricht in : der persischen Sprache. Denn auch die Kenntnis der französischen Sprache hat für unsere Schüler fast gar keinen Wert, wenn sie nicht die Landessprache beherrschen. Ob die Knaben sich später dem Handel widmen oder ein kleines Amt in irgend ein er Verwaltung anstreben wollen, immer ist dazu die gründliche Beherrschung der Landessprache erforderlich. Es hat ja auch früher schön persischen Sprachunterricht gegeben; er beschränkte sich aber auf die Lektüre einiger Dichtwerke von Saadi und Hafis, und nach 4z—h jährigem Unterricht hatten die Schüler so wenig praktischen Erfolg, dass sie nach Verlassen der Schule das Persische sehr schnell vergassen und wieder in den verdorbenen ■ Dialekt ihrer Eltern verfielen. Selbst wenn ein Teil der poetischen Ausdrücke und Bilder in ihrem Gedächtnis haften geblieben war, konnten sie im täglichen praktischen Gebrauch nicht verwendet werden, so dass diese Art des Unterrichts keine günstigen Resultate aufzuweisen hatte. Von unseren neuengagierten Lehrern haben wir verlangt, dass das Persische genau wie eine Muttersprache studiert, und dass in diesen Unterricht auch die arabische Sprache aufgenommen werden müsse, weil sie einen Teil der persischen Sprache ausmacht, sie vielfach erklärt und bereichert und ihr Studium bedeutend erleichtert. Beim Verlassen der Schule müssen unsere Schüler imstande sein, jeden Text zu verstellen und einen Brief zu schreiben. Die Notabein unserer Gemeinde haben zur Durchführung dieses Programms geholfen, indem sie einerseits den monatlichen Prüfungen beiwohnten, die die Fortschritte unserer Schüler feststellen sollen, und ausserdem — übrigens zum ersten Mal — in ihren Beutel griffen, umeinen Gratifikationsfonds für die Lehrer zu begründen. Das System ist ja nicht besonders empfehlenswert, aber es hat den doppelten Vorteil, unser Budget nicht zu belasten und den guten Willen und Eifer unserer „Hollahs" anzuregen. Die hebräische Sprache. Schon seit längerer Zeit hat sich in Teheran ein grosser Mangel an Rabbinen herausgestellt. An den Pesttagen wird der Gottesdienst vielfach von irgend einem Mitglied der Gemeinde geleitet, manchmal von ganz ungebildeten Männern, so dass jetzt in fast allen Synagogen — und ihre Zahl in Teheran ist Legion — Schüler unserer Anstalt zur Vorlesung der Thora herangezogen werden. Im Hebräischen sind unsere Schüler ziemlich weit vorgeschritten, und in dieser Beziehung sind wir über das Programm des Centralcomitees weit hinausgekommen. Wir haben aber noch das Bestreben, dem hebräischen Unterricht etwas von seinem veralteten System zu nehmen und ihm einen mehr wissenschaftlichen Charakter zu geben. Unsere Rabbinen haben deshalb die Weisung erhalten, beim Unterricht mehr Gewicht auf das Studium der Bibel selbst zu legen. Auch haben wir ihnen den Wunsch ausgesprochen, der hebräischen Sprache als solcher grösseren Raum im Unterricht zu gewähren, so dass die Schüler mit der Zeit dahin kommen, sich in hebräischer Sprache möglichst verständlich ausdrücken zu können. Wir haben also im abgelaufenen Schuljahr den Unterricht im Persischen und im Hebräischen, so zu fördern gesucht, dass die Schüler für ihren späteren Beruf die möglich beste Vorbereitung mitbringen. Pleiss und Fortschritte des Durchschnitts unserer Schulen sind durchaus zufriedenstellend, besonders wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, die ihnen oft von Seiten der Familie entgegengestellt werden. Nicht nur, dass ihnen das Geld zur Anschaffung von Büchern und Heften verweigert, häufig sogar der Schulbesuch verboten wird, weil ihre Eltern sie im Geschäft verwenden wollen, haben sie in dem von Schmutz und Unrat starrendem Heim kaum ein Plätzchen, um ihre Schularbeiten zu machen. Trotzdem lieben die Kinder die Arbeit, sind wissbegierig und fleissig und von nie ermüdendem Eifer und wissen den Wert des Unterrichts für ihr späteres Fortkommen vollkommen zu würdigen. Sauberkeit und Gesundheitszustand der Schulen. Wir würden nur halbe Arbeit tun, wollten wir hier in Persien den Geist unserer Schüler zu bilden versuchen, ohne ihren Körper zu kräftigen. Alljährlich im Juli wird unsere Schuljugend von den Fiebern des Landes, von Masern und Keuchhusten schwer heimgesucht. Während der grossen Hitzen macht das Judenviertel den Eindruck einer toten Stadt. Schmutz und verfaulender Unrat verpesten die Luft, nirgends ist ein grüner Baum oder Strauch zu sehen. In dieser Umgebung wachsen die Kinder auf, nähren sich von Gurken, Pflaumen und Maulbeeren und trinken dazu ein Wasser, das selbst den Enten zum Schwimmen zu schmutzig wäre. Natürlich ist in jedem Haus der Typhus. Die Leute sehen nicht ein, warum sie das Wasser abkochen sollen, warum die Kinder sich nicht von Gurken nähren sollen, die doch nichts kosten — und so geht das Elend weiter. Leider müssen

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