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Ost und West · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. Seite 847 - 848

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
Die Juden in Russland
Date
1906-12-01
Page
Seite 847 - 848 (sequence 3)
Language
German
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847 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Juden in Russland. 848 von den „Schwarzen Banden", die sich so hohen Schutzes erfreuen. In steter quälender Ungewissheit über das, was ihnen die Zukunft bereiten wird, ersehnen sie mit leidenschaftlicher Ungeduld den Augenblick, da die zweite russische Volksvertretung sich versammeln wird. Diese wird über das politische Schicksal von Millionen unserer Brüder die Entscheidung zu fällen haben. Bis vollkommene Gleichberechtigung und soziale Gleichstellung ihnen zuteil wird, wird sicherlich manch Unglück sie bedrohen. Sie werden mit männlicher Würde, mit altjüdischer Festigkeit tragen, was ihnen beschieden ist, erfüllt von der Hoffnung, dass das vergossene Märtyrerblut den Kindern die Freiheit bringen wird. Wir aber haben traurige Ursache, unsere Hilfsorganisation planvoll zu stärken, damit wir tiefe Wunden heilen können, und unsere Stimme zu erheben, so laut wir vermögen, gegen die Fortdauer einer Barbarei, die die Menschheit schändet. DIE KNABENSCHULE DER ALLIANCE IN TEHERAN Jahresbericht des Direktors Loria für das Jahr 1905—1906. Teheran, 2L August 1906. Während des Schuljahrs 1905—1906 ist die Knabenschule in Teheran von 430 bis 470 Schülern besucht worden, genau zweimal so viel Schülern als im vorhergehenden Jahr. Es war aufgefallen, dass die in den Jahren 1900 und 19 vi begründeten Schulen zu Hamadan und Ispahan eine grössere Anzahl von Schülern aufzuweisen hatten als die schon 1898 begründete Schule der Hauptstadt — Hamadan und Ispahan hatten 410 resp. 360 Schüler, die Teheraner Schule nur 220 Zöglinge — obgleich die jüdische Bevölkerung hier durchaus nicht wenige»- gross war als dort. Die Schuld lag hauptsächlich an dem Mangel an geeigneten und ausreichenden Schulräumen, lieber kurz oder lang wird das Centralcomitee doch daran gehen müssen, in Teheran ein Sehulgebäude zu erwerben oder zu erbauen*). Vorläufig habe ich vom Centralcomitee die Ermächtigung erbeten und erhalten, drei neue Klassen an der Knabenschule einzurichten. Die Neumeldungen Hessen nicht lange auf sich warten, und die Schülerzahl stieg sofort von 220 auf 350, dann auf 400 und bald auf 470. Wenn wir bisher auch noch nicht sämtliche schulpflichtigen Kinder der Gemeinde aufgenommen haben, so ist doch wenigstens den notwendigsten Anforderungen genüge getan. In gleichem Masse mit dem Anwachsen unserer Knabenschule sind die Talmud-Thora- und die protestantischen Schulen zurückgegangen, denn unser Zuwachs rekrutierte sich aus den Schulen dieser Anstalten. Der Rückgang der Talmud-Thora-Schule ist in keinem Betracht zu bedauern, denn die Knaben erhielten hier weder bemerkenswerten Unterricht noch Erziehung. Auf offenem, schmutzigem Synagogenhof sitzend, abwechselnd vom Lehrer und dem aufsichtführenden Knaben geprügelt, buchstabieren die Schüler vom Morgen bis zum Abend das Alphabet, spielen zwischendurch und kommen und gehen ganz nach Gefallen, ohne jede Disziplin; diese Schule hat nicht nur nicht nützlich, sondern entschieden schädlich gewirkt. Die protestantische Schule des Stadtteils hatte ungefähr 50 jüdische Schüler, die von *) Ist vom Centralcomitee bereits beschlossen worden. Nachdruck verboten. dem vom Judentum zum Protestantismus übergetretenen Direktor Mirza Nouroulah gehegt und gepflegt, gespeist und gekleidet wurden. Dieser Herr ist das Muster eines Missionars, er verletzt niemals offen den Glauben unserer Religionsbrüder, erklärt sich für einen Freund der Juden und einen Verfechter ihrer Interessen. In seinen Schulklassen hängt sogar ein grosses Plakat mit der Aufschrift: „Beschem Adonai." Uebrigens hat ein Appell an die Eltern der Schüler das Kartenhaus das Mirza Nouroulah bald umgestürzt, fast alle Schüler sind abgegangen. Unsere Schulen werden bald rund 500 Schüler und 200 Schülerinnen zählen. Ihr Einfluss und ihre Bedeutung werden den Höhepunkt erreichen, sobald wir erst ein eigenes Grundstück besitzen und unsere ganze Kraft und Aufmerksamkeit auf das Unterrichts- und Erziehungswerk konzentrieren werden. Unsere Schulen gehören "bereits zu den bedeutendsten Erziehungsanstalten der Hauptstadt; wie wohlwollende Besucher behaupten, nicht nur durch die Zahl ihrer Schüler, sondern durch die vorzügliche Unterrichtsmethode und durch ihre Erfolge. Die Schüler, die alljährlich nach absolviertem Unterricht ins Leben treten und in allen Verwaltungen und Betrieben Stelinngen suchen und finden, sind der beste Beweis für die guten Leistungen unserer Schulen. In Teheran ist seit einiger Zeit das Studium einer europäischen Sprache zur Notwendigkeit geworden. Da die Erfahrung gelehrt hat, dass fast alle Mitglieder der Freradenkolonie französisch sprachen und verstanden, so ist vorläufig der Unterricht in der französischen Sprache eingeführt worden. Ein grosser Teil unserer Glaubensgenossen befasst sich mit dem Verkauf von Antiquitäten, Teppichen, Silberwaren, Kunstgegenständen usw. Dieses Geschäft ist früher ziemlich schwierig gewesen, weil die jüdischen Kaufleute sich nur unzureichend mit den hier lebenden Europäern verständigen konnten. Seitdem sie etwas französisch gelernt haben, können sie die Kaullustigen in ihren Wohnungen aufsuchen und direkt mit ihnen verhandeln. Mohammedanische Schüler. Seitdem unsere Schule durch den Eintritt eines Hilfslehrers etwas leistungsfähiger geworden ist, haben wir 15 mohammedanische Schüler aufgenommen.

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