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Ost und West · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. Seite 823 - 824

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
Das jüdische Zeitungswesen Italiens seit dem Jahre 1850
Date
1906-12-01
Page
Seite 823 - 824 (sequence 1)
Language
German
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823 824 DAS JUEDISCHE ZEITUNOSWESEN ITALIENS SEIT DEM JAHRE 1850 Von I. Zoll er, Florenz, Die älteste der Zeitschriften in dieser Epoche ist die „Rivista Israelitica",. gegründet im Mai des Jahres 1845, von Cesare Rovighi. Das erste Heft wurde im Oktober des genannten Jahres veröffentlicht. Über Ziel und Zweck belehrt die Einleitung des Gründers: Zwischen der nichtglaubenden, in den Mantel der Philosophie sich hüllenden und der vor dem Lichte des modernen Wissens und der Kritik der Vernuft fliehenden Partei des italienischen Judentunis herrscht eine tiefe Kluft. Die „Rivista" wählt den Mittelweg und will beide Elemente, einen streng konservativen Glauben mit dem modernen Wissen in Einklang bringen. Die „Rivista" hat Beiträge von Professor Deila Tone, Rabb. S. Jona (Schaj), S. D. Luzzatto (Einleitung und einige der Vorlesungen über Etik und Moral, gehalten im Rabbinerseminar in Padua), M. Mortara (Liturgie). Die B. D. V. gezeichnete, in einigen Fortsetzungen unter dem Titel: »Stato della civiltä negli Israelit! della Toscana" erschienene Abhandlung kann für eine gründliche Arbeit von Nutzen sein, hat sonst keinen wissenschaftlichen Wert. Die sonstigen Artikel sind von ganz geringer Bedeutung. Die »Rivista" stellte im Jahre 1848 ihr Erscheinen ein. Die älteste der in unserer Periode entstandenen und heute noch erscheinenden Zeitungen ist, wenn man ihn als eine Ganzheit mit dem «Educatore lsraelitico" ansieht, als dessen Fortsetzung er betrachtet wird, der »Vessillo lsraelitico.« Das Entstehungsjahr des »Educatore" ist 1853; am 10. Juli 1874 starb Prof. Josef Levi, Direktor des Organs. Sein Nachfolger war Flaminio Servi Rabbiner JULES ADLER Der Wanderer. (Im Mus6e du Luxembourg). Nachdruck verboten. in Casale Monferrato; dieser änderte den Titel des »Educatore" in »Vessillo lsraelitico" und Hess die Zeitschrift von nun an in Casale erscheinen; den Charakter des Educatore behielt das Blatt jedoch ganz unverändert. Sein Programm war auch fernerhin: den jüdischen Glauben und die jüdische Lehre zu verteidigen, jüdische Geschichte und Literatur meistens in populärer Weise zu beleuchten, den Lesern Nachrichten vom italienischen und ausländischen Judentum zu übermitteln. In den ersten Jahrgängen besonders hatte der V. einige Artikel wissenschaftlichen Charakters, so z. B.: Literarische Abhandlungen von Berliner, Lasinio, M. Lattes, Soave, Steinschneider, etc.; geschichtlichen Inhaltes von A. Pesaro, V. Ravä etc. Der V. veröffentlichte auch bis dahin unedierte Briefe von S. D. Luzzatto, I. S. Reggio L. della Torre; er enthielt in den ersten Jahrgängen auch Artikel religiös-moralischen. Inhalts, deren Autoren E. D. Bachi, E. Benamozeg, G. Lattes, Benedetto Levi und A. waren. Im V. erschienen und erscheinen' Erzählungen, Novellen Skizzen, Anekdoten, humoristische Artikel, oft auch Biographien und Nekrologe wichtiger Figuren des jüdischen Italiens, bibliographische Nachrichten, Bücherbesprechungen, Korrespondenzen und kleinere Nachrichten. Letztere in reicher Anzahl. Im Jahre 1904 starb der Direktor Fl. Servi, der sein ganzes Leben der unter seiner Leitung bleibenden Zeitung widmete; an seine Stelle trat sein Sohn Advokat Ferruccio. Charakter und Richtung des V. blieben auch diesmal wesentlich unverändert; Servi junior sorgte nun dafür, das Blatt mit einigen neuen Rubriken PARIS.

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