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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 771 - 772

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Die Israeliten in der asiatischen Türkei
Date
1906-10-01
Page
Seite 771 - 772 (sequence 8)
Language
German
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771 Die Israeliten in der asiatischen Türkei. 772 sonders in Mossul vertreten in dem Midschliss-Idara (Stadtverwaltung), im Handelsgericht, im Zivilgericht, im Appellationsgerichti>huf. Man hat sie tiberall ausgeschaltet, unter dem Vorgeben, sie könnten nicht türkisch lesen noch schreiben. Man beruft sie nicht mehr zur Teilnahme an den Wahlen. In allen diesen Versammlungen haben die Christen ihre Stelle eingenommen, da sie ungeheure Fortschritte gemacht haben durch die zahlreichen Schulen in den Städten und Dörfern, die ihre Entstehung dem Schutz des apostolischen Abgesandten und des französischen Vertreters verdanken. Seit etwa 20 Jahren sind die Chaldäer und die römisch-katholischen Christen fortgeschritten und die I-raeliten sind zurückgegangen. Das ist tief bedauerlich, weil früher ein grosser Teil des Handels in ihren Händen lag und sie sich mehr als in allen anderc-n Teilen der Türkei jeder Art Gewerbe widmeten. Sie trieben auch Ackerbau. Man traf eine ganze Anzahl Ackerbauer in der Nähe der Städte, die l h angeführt habe; gegenwärtig zahlt man kaum einige bei Nibsibine, Sakho, Krbil, und das ganz jüdische Dorf Saindor ist dem Verschwinden nahe. Nach der Eröffnung des Suezkanals hat der Handel in jenen Gegenden seine Gestalt geändert. Anstatt die Beziehungen auf Aleppo zu beschränken, hat man sich direkt nach Europa wenden müssen, auf dem Wege über den Persischen Meerbusen. Unsere Glaubensgenossen haben, ohne jede Belehrung, es nicht verstanden, diese Veränderung zu benutzen. Nur die jungen Israeliten aus Bagdad, die aus den Alliance-Schulen hervorgingen, gut Arabisch, Französisch und Englisch konnten, haben sich gut orientieren und an dem Handel der Gegend teilnehmen können. Bei dem gänzlichen Mangel an Belehrung und Schutz, bei der Abnahme des Ansehens der Regierung, bei der Anarchie im Lande, bei der Oberleitung der Aghas, hat die Lage der Israeliten des Bezirks von Mossul an Bedeutung abgenommen und sich verschlechtert. Sie sind verarmt, ins Elend geraten, haben ihr Haupt vor den Verfo'gungen gebeugt, haben d <s Land verlassen und den A< kerbau, der einst bei ihnen in Ehren stand. Sie pflegen zu sagen: ,,Wir sind im Galut.u Dieses Wort ist hier mehr als anderswo ein sehr rührender, ergreifender Ausdruck. Nirgends mehr als in Mossul ist einer Ihrer Vertreter notwendig. Wenn die Eisenbahn von Bagdad sich realisiert, wenn der Tigris der Schiffahrt geöffnet wird, so werden sich neue Absatzwege für jene Gegenden eröffnen, neue Zentren der Betätigung entstehen für die Bewohner des Landes. Unsere Glaubensgenossen müssen sich auf diesen Kampf, auf diese Tätigkeit vorbereiten. Die Eröffnung einer Schule und eine wirksame Fürsprache bei den Behörden werden die be^te Vorbereitung bilden. Die Israeliten von Mossul verdienen mehr als die irgend, einer anderen Gemeinde der Türkei oder Persiens Ihre Aufmeiksamkeit. DIE ISRAELITEN IN PERSIEN. Juden und Armenier in Dschulfa. Ispahan, 26. Septbr. 1906. Zu den Erwerbszweigen der Juden in Ispahan gehört der Hausierhandel in Dschulfa, einem armenischen Marktflecken, der etwa eine Meile von Ispahan entfernt ist. Hier lassen sich Europäer gern nieder, da das Städtchen hübsch gelegen ist und ziemlich sauber gehalten wird. Durch den friedlichen Verkehr mit ihnen haben sich die Armenier zivilisiert und haben allmählich abendländische, besonders englische Sitte und Lebenshaltung angenommen. Zur Befriedigung der neuen Bedürfnisse taten sich europäisch eingerichtete armenische Kaufläden auf, die auch für die kleinsten Artikel sehr teure Preise nahmen. Die Juden, die bereits in zahlreichen Ortschaften der Umgebung Ispahans Hausierhandel trieben, begannen auch Dschulfa aufzusuchen. Intelligenter als die Armenier — trotz der hundertjährigen Unterdrückung — gewannen sie die europäische und armenische Kundschaft für sich. Gegenwärtig arbeiten etwa 15 jüdische Hausierer in Dschulfa und ernähren sich anständig. Sie haben haupt> sächlich aus dem Grunde Erfolg, weil sie ihre Waren direkt aus Europa beziehen und sich mit dem kleinsten Nutzen begnügen. Aber jeder Fortschritt vermehrte den Neid der Orthodoxen. Die persischen Armenier sind intransigent bis zur Narrheit. Sie machten einen rücksichtslosen Versuch, die Konkurrenten von Dschulfa auszuschliessen. Dieser Tage suchte ein jüdischer Hausierer bei einem armenischen Tischler eine alte Schuld einzutreiben. Hierbei wurde er in einen wohtvorbereiteten Hinterhalt gelockt und von einem Haufen Armenier arg verprügelt. Als die anderen jüdischen Hausierer auf seine Hilferufe herbeieilten, entspann sich eine Schlägerei, der glücklicherweise von mohamedanischer Seite bald ein Ende gemacht wurde. Der Schuldirektor der Alliance in Ispahan, Herr Halfen, dem. man die Angelegenheit vortrug, schrieb an den Karguzar (Vertreter des Ministers des Aeussern) und bat ihn um seine Vermittlung. Dieser ordnete eine Untersuchung an, in der die Juden Recht bekamen. Der Armenier wurde zur Abtragung

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