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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 683 - 684

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Aus der jüdischen Sagen- und Märchenwelt
Date
1906-10-01
Page
Seite 683 - 684 (sequence 3)
Language
German
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683 Bar-Ami: Aus der jüdischen Sagen- und Märchenwelt 684 Die zweite Sage, die mir der Alte erzählte, lautete wie folgt1: ' „Einmal in früheren1 Zeiten, da war noch alles anders; da hatten die jüdischen Soldaten noch keine Erlaubnis, affl Jöm-Kippur in die Synagoge zu gehdri, sondern mussten den Dienst verrichten. Da stand einhial ein jüdischer Soldat auf der Wache, Und es war gerade abends zu Kol Nidre, an dem feierlicher Gottesdienst gehalten wird, und gerade gegenüber war eine Synagoge. Da sah der Soldat durch die Fenster, wie alle Lichter brannten und die Juden versammelt waren, und hörte, wie sie beteten in Talit und Kittel gehüllt, und er musste nun dastehen vor seiner Bude mit dem Gewehr auf der Schulter und durfte sich nicht rühren. Und wie die Juden so immerzu beteten, fing. dem Soldaten an, sein Herz hinzuziehen, und er konnte es nicht mehr aushalten; er wusste selber nicht, wie es ihm war und was mit ihm geschah: er liess das Gewehr hinabsinken Und ging so ein wenig hin, Schritt um Schritt; bis er ganz bei der Synagoge neben dem Fenster stand und mitbetete und ganz vergass, dass er Soldat war und auf der Wache zu stehen hatte. Unser Kaiser aber ist ein guter Wirt, verlässt sich nicht auf seine Untergebenen, sondern liebt es, selber nach dem Rechten zu schauen. So ging er denn auch diesmal, als gewöhnlicher Offizier verkleidet, umher, um nachzusehen, ob die Soldaten auch gehörig die Stade vor dem Feinde bewachen. Wie er nun zu unserem Wachtposten kommt und alles sieht, was tut unser Kaiser? Er fasst das Gewehr an, stellt sich auf den Posten und wartet, bis der arme Soldat fertig ist. Ihr könnt Euch denken, wie unser Soldat zu Tode erschrak, als er zurückkam und sah, wer da an seiner Stelle Wache hielt. Nun gibt es ein Gesetz, dass, wer die Wache verlässt, mit dem Tode bestraft wird Am zweiten Tage sollte der Soldat erschossen werden. Beim Militär gibts keinen Spass: wenn einer was verbrochen hat, so hat er seinen Kopf verwirkt. Als er zur Richtstätte geführt wurde und man ihm schon die Augen verband, da dachte er bei sich: Mit mir ist es aus, es bleibt mir nur übrig, das Sündenbekenntnis zu sagen und „Schema Israel" auszurufen. Aber da erschien plötzlich der Kaiser, aut einem Pferd herbeisprengend, legte die Hand aut den Kopf des Soldaten, und wen der Kaiser einmal berührt hat, den darf man nicht hinrichten. Dem Soldaten wurde also das Leben geschenkt, aber seit damals befahl der Kaiser, dass allen jüdischen Soldaten der JomrKippur freigegeben werde, und so hält man es bis auf den heutigen Tag." DER WUNDERRABBI VON SADAOORA. Von Max Censor in Lemberg. Rabbi Israel Friedmann, der Wünderrabbi von Sadagöra ist gestorben. Die grosse Gemeinde seiner Anhänger betrauert ihn tief. Sie hat in ihm den Erben einer Wunderkraft gesehen, mit der Gott die Familie Friedmann seit über zwei Jahrhunderten zu begnaden nicht aufgehört hat. Israel Baal Schern tob, 1698 geboren, ist der erste in einer Reihe von Männern desselben Hauses gewesen, Nachdruck verboten. die in den Ruf grosser Frömmigkeit gelangt waren — wahrscheinlich verdientermassen. Ihre aufrichtige und untadelige Frömmigkeit brachte ihnen Ansehen, und mit diesem wachsenden Ansehen entstand der Glaube, dass Gott die Frommen mit besonderen Gaben ausgestattet habe. Im Namen Gottes könne der „Zaddik" — den man auch den „guten Jüd" nannte — Wunder verrichten, Kranke -Palais des Rabbi von Sadagöra. Synagoge in Sadagöra. (Spezialaufnahme vom k. k. Finanzkommissär^L. Weinr?b

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