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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 655 - 656

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Aus vergilbten Papieren
Date
1906-10-01
Page
Seite 655 - 656 (sequence 1)
Language
German
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655 656 AUS VERGILBTEN PAPIEREN. Von Prof. A. Berliner. In den Protokollbüchern der jüdischen Gemeinde in Rom ist ein geschichtliches Material L. BERNSTAMM, PARIS. A. RUBINSTEIN. (Konservatorium St. Petersburg.) Nachdruck verboten. für das Ghetto und seine Bewohner enthalten, dessen eminente Bedeutung ich bereits im letzten Teil meiner Geschichte der Juden in Rom (Anhang S. 188) näher hervorgehoben habe. Was ich aus diesem Material für die Geschichte gewonnen habe, ergibt sich aus meinem Buche auf jeder Seite. Mehr aber noch als der enge Rahmen jener geschichtlichen Darstellung in sich aufnehmen konnte, musste unverwertet zurückbleiben, was ich immer bedauert habe. Daher war es mir ganz erwünscht, als die Redaktion jüngst sich bereit erklärte, diesen geschichtlichen Ergänzungen eine freundliche Aufnahme zu gewähren. Zuvörderst sollen diese Beiträge zurGeschichte der Juden unter päpstlicher Herrschaft mit dem Jahre 1829 beginnen, und zwar mit dem 17.Februar, an welchem Tage die Congrega sich versammelte, nachdem am Morgeu des 10. der Papst Leo XII. das Zeitliche gesegnet hatte. Man fühlte es selbst, wie wahr die heilige Schrift berichtet: „Es war der König Pharao gestorben, und noch seufzten die Kinder Israel, sie schrieen und ihr Wehklagen stieg auf zu Gott". Die Mitglieder der Congrega beschlossen in der Tat, besondere Gebete während des Conclave zn verrichten, dass der neue Papst die Wunden heilen möge, die Leo XII. seinem Volke, vornehmlich aber den Juden geschlagen, die er überall und zu jeder Zeit seine Strenge fühlen liess. So erklärte er alle Verträge zwischen Juden und Christen für ungültig, stellte alte und grausame Verordnungen wieder her, nach denen kein Jude ausserhalb des Ghetto schlafen durfte, dessen Tore er des Nachts schliessen liess, wie er auch die seit dem Beginn der französischen Herrschaft abgeschafft gewesenen Zwangspredigten wieder einführte. Fünfmal im Jahre mussten die Juden zu der Bekehrungspredigt in der Kirche San Angelo an der Pescheria erscheinen. Wie nach einem Ausspruch im Midrasch unser Stammvater Jacob bei der Begegnung mit Esaw sich vorbereitete, mit Gebet, mit einem Geschenk und, wenn es nötig sein sollte, für einen Kampf, so hatte man auch hier zu dem dreifachen Mittel seine Zuflucht genommen, wenn schon der Kampf mit ganz ungleichen Waffen hätte geführt werden können. Auf das Gebet liess man jetzt das Geschenk folgen, nachdem der neue Papst als Pius VIII aus der Wahl im Conclave hervorgegangen war.

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