Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- Paul Roger-Bloche
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 541 - 542 (sequence 1)
- Language
- German
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541 542 PAUL ROGER-BLOCHE. DER ABSCHIED. PAUL ROGER-BLOCHE. Von G. Kitt na. Nachdruck verboten. In Frankreich haben die Künstler leicht eine Sehen vor dem Religiösen, man versteht bei den scharfen Gegensätzen auf diesem Gebiete zu sehr Konfessionalität, Absonderung und Fanatismus darunter. Sie betonen das Menschliche und wollen nur einen universell humanitären Geist in ihren Werken wahr haben. Auch Koger-Bloche tut dies; und doch ist seine Kunst religiös in allen Gliedern. ]STur religiös im Sinne des tiefgründig Menschlichen, beharrender Gemütswallung und sozialer Ergriffenheit: Des Lebens eherne Gebote und des Menschengeschlechts Schicksal zu belauschen, ist die schönste Gebetsformel, und beherztes Mitleid ist allwege Andacht. Dass kein Dogma darin Kaum hat, das erhöht deren Lauterkeit. Koger-Bloche ist noch jung, einfach in seinem Wesen und von bescheiden-stolzer Zurück gezogenheit. Er arbeitet in seinem kleinen Atelier am Montmartre, wo er geboren ist, und tritt völlig hinter seine Werke zurück, um ja nicht gesehen zu werden. „Ich existiere nicht, existiere gar nicht; die Werke haben zu sprechen." Seine Werke haben auch gesprochen, sie stehen in den Museen des Staates, und sein Name hat einen guten Klang. Aber auch hier muss man sagen, dass es nicht das autonome, schlechthin Künstlerische ist, was Eigenart und Bedeutung seiner Werke ausmacht. Man kann dabei anmerken, dass die verwitterten Flächen und die schichtenmässige Plastik schon bei Meunier vorhanden sind, dass die rekulierende G elöstheit der Form Carrieres Kunstweise eigen ist. Er sträubt sich auch gegen derlei nicht, er hat nichts dagegen, wenn man an Meunier erinnert wird; wie er gern zugibt, dass er Carriere liebt. Wenn er dies aber mit ruhigem Selbstbewusstsein tut und wenn er in der Tat auch rein künstlerisch seine eigene Note hat — und er muss diese haben, sonst wäre er ein guter Mensch, aber kein Künstler von Bedeutung — so ist diese künstlerische Eigenart aus einer persönlich menschlichen Anlage heraus bedingt. Es ist die Anschauung des Menschenschicksals, was die Formen dieser Plastik geprägt hat. Eine Anschauung