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Ost und West · 1906-07-01 · Heft 7 (Juli 1906) · p. Seite 443 - 444

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 7 (Juli 1906)
Article
Die Kolonieen in Argentinien
Date
1906-07-01
Page
Seite 443 - 444 (sequence 2)
Language
German
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443 Die Kolonieen in Argentinien. 444 je 100 Stück Grossvieh und bestellten im selben Jahre je 100 Hektar Ackerland per Haushaltung. Obwohl sich die Kolonisten von Privatschulden noch nicht freigemacht hatten, deren Gesamtsumme im Jahre 1902 — 50—60000 Pesos erreichte und für die sie bis zu 18% Zinsen zahlten, wurde doch ihre wirtschaftliche Situation immer gefestigter. Sie erbitten keine Subvention mehr und haben begonnen, ihre Schulden an die Ica regelmässig abzutragen. Diese Fortschritte sind erreicht worden hauptsächlich dank der günstigen klimatischen Verhältnisse, der Mannigfaltigkeit der Wirtschaftszweige und besonders der Nähe der Kolonieen zu den Absatzmärkten. Leider lebt in dieser Kolonie, die sich als am meisten gefestigt erweist, nur der sechste Teil der Kolonisten. Ein ganz anderes Bild bieten die übrigen Kolonieen. Die Kolonieen der Provinz Entre Rios. Besonders unbefriedigend ist die Lage der Kolonieen in der Provinz Entre Rios, wo im Jahre 1904 054: Familien wohnten, d. h. mehr als die Hälfte aller Kolonisten. Abgesehen von den grossen Schulden gegen die Ica, steckten die Kolonisten tief in Schulden bei den örtlichen Wucherern, an die sie gut die Hälfte ihrer Ernte abzutreten gezwungen waren. Im Jahre 1904: bestellte jeder Kolonist durchschnittlich 4:0 Hektar Ackerland. Vom europäischen Standpunkt aus könnte sich eine solche Fläche für die Aussaat als bedeutend darstellen, aber für Argentinien, wo ein äusserst extensives Wirtschaftssystem herrscht, muss man eine solche Aussaatfläche als bescheiden bezeichnen. Auf eine Wirtschaft entfielen im Jahre 1902 ungefähr 60 Stück Grossvieh, deren vierter Teil ins Eigentum der Administration gehörte. In diesem Jahre befanden sich die Kolonieen noch in einem solchen Zustand, dass von einer Abzahlung der Schulden an die Ica keine Rede sein konnte. Später begannen sie der Ica Zahlungen zu leisten, und im Jahre 1904: trugen sie 34,000 Francs ab, was jedoch nur 10% ihrer normalen jährlichen Abzahlungsquote darstellte. Die unbefriedigende ökonomische Lage der Kolonieen wurde durch Missernten und die im Allgemeinen ungünstigen klimatischen Bedingungen der Provinz erklärt, Unausgesetzt verlassen Ansiedler die Kolonieen in solcher Menge, dass •trotz der Ankunft neuer Immigranten die Bevölkerungsziffer zurückgeht. Im Jahre 1903 verminderte sich die Zahl der Familien in Entre Rios um 14:, im Jahre 1904: war die Zahl (gegen 1903) um 38 geringer. b) Moisesville. Die Situation der Kolonie Moisesville, die im Jahre 1904 312 Familien umfasste, d. h. ungefähr 3/4 aller argentinischen Haushaltungen, ist zwar eine etwas bessere als die der Kolonieen von Entre Rios, aber auch sie ist unbefriedigend. Die Aussaatfläche ist hier grösser und erreicht das Ausmass von 50 Hektar pro Haushaltung. Jede Haushaltung besass im Jahre 1904 etwa 70 Stück Vieh, von denen sie ein Siebentel von der Ica erhielten. Dessenungeachtet war nach den Berichten Dir. Sonnenfelds die Lage der Kolonisten im Jahre 1902 so prekär, dass sie die Administration mit Bitten um Subsidien bestürmten. An die Abzahlung ihrer Schulden waren sie zur Zeit der Revision durch Dir. Sonnenfeld noch nicht herangetreten. Im Jahre 1904 trugen sie ä conto ihrer Schuld an die Ica 19,500 Francs ab, was 15% ihrer normalen jährlichen Abzablungsquote ausmacht. 4. Der Typus der Haushaltung eines Kolonisten. Gewiss können einem Europäer die weiten Aussaatflächen und die grossen Viehbestände imponieren. Aber dabei darf man, abgesehen von dem extensiven Charakter der Wirtschaft, nie ausser Betracht lassen, dass die Wirtschaften der Kolonisten aus den Mitteln der Ica geschaffen sind, der gegenüber sie durch grosse Schulden belastet sind. Ausserdem sind die Kolonisten noch durch grosse Verpflichtungen Privatleuten gegenüber engagiert. Wenn man das berücksichtigt, so kann man schwerlich in dem grossen Umfang der Wirtschaften der Kolonisten etwas Tröstliches erblicken. 5. Die Kosten der Installierung einer Familie und die Verschuldung. Der Kolonist erhält von der Ica nicht dasjenige Minimum an Produktionsmitteln, das zur Erreichung der Selbständigkeit notwendig ist, sondern eine ziemlich grosse Wirtschaft im Umfang von 100—150 Hektar, wo er beinahe die Rolle eines Gutsbesitzers spielen kann. Nach der Deklaration des Herrn Sonnenfeld muss die Etablierung einer solchen Wirtschaft 3000 Pesos kosten. Schlägt man hierzu die Kosten von 100—150 Hektar Land zum Preise von 30 Pesos pro Hektar, so erhält man die Normalschuld eines Kolonisten in der Höhe von 6—7500 Pesos. Bei der Abzahlung von 5°/0 der Schuld im Laufe von 20 Jahren ergibt sich eine jährliche Ahzahlungsquote von 480—600 Pesos. Schon eine solche jährliche Schuldquote muss man als die Wirtschaft eines Kolonisten äusserst belastend betrachten. In Wirklichkeit aber schulden die Kolonisten der Ica ausserdem noch grosse Summen für die Ueberfahrt, für die Unterhaltung während der ersten Jahre und die Aushilfen bei verschiedenen Unglücksfällen. Sogar in dem gutgestellten Mauritio erreicht das Maximum an Schulden 9400 Pesos bei einer jährlichen Abzahlung von 755 Pesos. In Entre Rios gibt es Kolonisten, die zu 10—11000 Pesos schulden bei einer jährlichen Abzahlung von 800—900 Pesos. Sogar beim besten Willen und der günstigsten Konjunktur ist die Möglichkeit der Abzahlung solcher Schulden sehr zweifelhaft. Sehen wir jetzt zu, wie es mit der Abzahlung der Schulden der Kolonisten steht. In Bezug auf das Jahr 1902 liefert Herr Soimenfeld folgende Daten:

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