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Ost und West · 1906-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1906) · p. Seite 439 - 440

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
Article
Bruder!
Date
1906-05-01
Page
Seite 439 - 440 (sequence 4)
Language
German
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439 Neudatschnikoff: „Bruder!" 440 wieder aufs Deck und warteten, bis die am Ausgange stehende Menge sich verlaufen würde. In diesem Augenblick gingen die beiden jungen Damen an uns vorüber. „Leben Sie wohl, Papachen!" wandte sich die eine von ihnen mit fröhlichem Lachen an den Juden. „Lebewohl, Töchterchen!" antwortete er mit traurigem Lächeln und gleichsam wider Willen. „Jetzt liegen mir andere Dinge im Kopf," bemerkt er halblaut, zu mir gewandt. Endlich gingen auch wir ans Ufer. Ich setzte mich mit dem Juden zusammen in einen Wagen und befahl dem Kutscher, uns in ein billiges Gasthaus zu fahren. Als wir in ein Gasthaus kamen, fragte ich zunächst den Geschäftsführer, ob wir daselbst zwei, drei Tage bleiben könnten, indem ich dabei erklärte, dass weder ich noch mein Reisegefährte das Wolmrecht in Kiew besässen. ,.Ach was! Das macht nichts!" erwiderte der Geschäftsführer. „Bei uns brauchen Sie sich deswegen nicht zu beunruhigen. Sie sind nicht die ersten, die hier so wohnen. Befehlen Sie nur dem Portier, Ihre Sachen nach oben zu schaffen," fügte er hinzu. Nach fünf Minuten sassen wir bereits in einem recht gemütlichen Zimmer und erholten uns von der Reise. Der Diener machte die Betten zurecht, nahm unsere „Papiere" an sich, wünschte uns eine gute Nacht und entfernte sich. Es scheint jedoch, dass in Kiew einzig der Wunsch eines Dieners, eine Nacht gut zu verbringen, nicht hinreicht, damit dem auch in der Tat so sei. Kaum hatte ich mich ins Bett gelegt und eben das Licht gelöscht, als plötzlich jemand an unsere Türe Idopfte. Es war schon zwei Uhr nachts. „Wer da?!" fragte ich, mich erhebend. „Das bin ich, — der Portier." ,.Was willst Du?" „Sie verzeihen schon, Herr! Aber kleiden Sie sich bitte so schnell als möglich an und verlassen Sie das Haus. Denn gleich ist hier Haussuchung, Razzia nach Leuten, die kein Wohnrecht haben Sie werden über die Hintertreppe hinabgehen; ich habe auch schon einen Wagen für Sie besorgt. Aber bitte so schnell als möglich! Denn die Polizei ist schon im benachbarten Hotel und wird sofort hierherkommen," antwortete er, hinter der Tür stehend. Das AYort Haussuchung, Razzia traf mich wie ein Peitschenschlag. Nicht um meine gestörte Ruhe war es mir leid und nicht darum, dass man mir den Schlaf raubte, wo ich gleich einem jeden andern Menschen der Erholung nach der Reise bedurfte!....... Meine Gemütsstimmung wurde unendlich düster............ „Ach, Bruder!" jammerte der Jude, wie von einem elektrischen Schlage getroffen, vom Bette aufspringend. „Machen wir, dass wir so schnell als möglich fortkommen, ehe es noch zu spät wird. „Ach, Bruder! Sei so lieb! Komme fort.!" Und in diesem einen Worte „Bruder" war keine Spur mehr von jenem scherzenden Ton zu finden, wie er auf dem Dampfer im Worte „Söhnchen" gelegen hatte. Dieses Wort „Bruder" kam ihm jetzt aus der Tiefe der Seele.....Er verstand es wohl, dass diese Haussuchung nicht ihm allein, sondern — wie vielen andern Stammes- und Leidensgenossen — auch mir galt. In diesem Sinne waren wir wirklich Brüder... Nach einer halben Stunde waren wir in einem anderen Gasthofe, wo uns ausser zahlreichen Insekten niemand mehr beunruhigte. — Gegen Zuckerkrankheit erregt sowohl bei Aerzten als Diabetikern das neueste Präparat „Dr. S, Meyers Kurmittel" gegen Zuckerkrankheit (ist je 3°/0 milchsaures und theobrominsaures Trynsin und benzoesaurer und milchsaurer Kalk) neue chemische Stoffe aus den Bauchspeicheldrüsen von Hammel und Rind, wegen seiner grossen Erfolge, die auf sechs der bedeutendsten hygienischen Ausstellungen mit ersten Auszeichnungen ärztlicherseits anerkannt wurden, die grösste Aufmerksamkeit. Prospekte über glänzende Erfolge sind durch Apotheker R. O. Lindner, Dresden=A., 16 erhältlich. Der „Hera"-Gürtel erfreut sich in den 7 Jahren seines Bestehens des grössten Lobes und wurde auf der Krankenpflege - Ausstellung auf Veranlassung des Herrn Geheimrat Prof. Dr. Olshausen ausgestellt und als hervorragende Leistung prämiiert. Die ersten Praktiker sehen den Gürtel in hervorragender "Weise sich bewähren bei Wandernieren, Magenleiden, Asthma, Herzfehlern, Bruchschäden, als Umstands- und Wochenbinde und bei allen Blutzirkulationsleiden; die allgemeine Figur und die Gesundheit hebt sich bei Damen, welche den Gürtel tragen, in auffälliger Weise. Die Ausstellungen zu Dresden und Berlin prämiierten den Gürtel mit 9 goldenen und anderen Medaillen und Ehrenpreisen; die Damenwelt interessiert sich derart für die Erfindung, dass die Firma Agnes Fleischer=Griebel & Lesemeister, Berlin, trotz der stetigen Vergrösserung der Fabrikation nicht allen Bestellungen geniigen kann: kurz der Leib- und Brustgürtel ,,Hera" hat sich in jeder Beziehung als ein vollkommener Erfolg bewiesen. Inseratenannalwtt nur durch ßaa$en$tti!t § Uogkr Jl. 0. in Betim und deren Filialen. Abonnementspreis für das Jahr in Deutschland und Oesterreich Mark 7,— (Luxusausgabe Mark 14,—), für das Ausland Mark 8—, (Luxusausgabe Mark 16). für Russland ganzjährlich 4 Rubel. Einzelhefte a 35 Kop. _____ Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen_______- -.---—.- Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. "-- " " Anzeigen 75 Pfg. die viergespaltene Nonpareillezeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die geschäftliche Korrespondenz: Verlag „Ost und West", Berlm W. 8, Leipzigerstr. 31-32. Redaktion: Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. - Verlag Ost und West, Berlin W. 8. Druck von Haasenstein & Vogler A. G., Berlin S. 42, Wasserthorstr. 50.

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