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Ost und West · 1906-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1906) · p. Seite 417 - 418

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
Article
Das Kulturwerk der Alliance
Date
1906-05-01
Page
Seite 417 - 418 (sequence 3)
Language
German
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417 Dr. S. Bernfeld: Das Kulturwerk der Alliance. 41S nügend gepflegt wird. Dies war aber nicht der Fall, und nirgends entbehrt so der Kabbiner jeden Einilusses in der Gemeinde, wie bei den portugiesischen Juden. Man darf sich durch die äusseren Ehrenbezeugungen, die dem Rabbiner in der Synagoge erwiesen werden, nicht täuschen lassen. Solange die Gemeinden unter türkischer Herrschaft standen, besassen die Rabbiner polizeiliche und richterliche Gewalt, die sie nicht immer ohne Ansehen der Person ausübten. Dies hat dazu beigetragen, ihr Ansehen tief herabzudrücken. Mit dem Aufhören ihrer Macht verschwand leider auch alle religiöse Pietät. Die Allianceschulen haben deshalb nur zur Hälfte ihre Aufgabe erfüllt, als sie ihr Augenmerk nur auf die moderne Ausbildung und nicht gleichzeitig auf die Pflege des religiösen Lebens richteten.*) Ich gehe nicht so weit zu behaupten, dass die Schulen diesen Verfall mitverschuldet hätten. Aber jedenfalls ist es immer ein grosser Mißstand, wenn in so kurzer Zeit ein völliger Umschlag eintritt. Diesem hätten die Allianceschulen rechtzeitig vorbeugen müssen. In der letzten Zeit ist oft darüber geklagt worden, dass in diesen Schulen der Unterricht im Hebräischen so schlecht gediehen ist. Man hat behauptet, dies habe von Anfang an in der assimilatorischen Absicht der Leitung gelegen. Diese Ansicht, d. h. die Absichtlichkeit des mangelhaften Unterrichts im Hebräischen, habe ich stets als irrig bezeichnet. Aber die Tatsache an sich lässt sich nicht bestreiten, und es ist immerhin bezeichnend, dass keine Allianceschule noch in den fünfundvierzig Jahren ihres Bestehens auch nur einen hebräischen Schriftsteller oder Dichter hervorgebracht hat, während die sonst viel schlechteren Privatschulen in Russland, Polen und Galizien uns hebräische Schriftsteller und Dichter gegeben haben, die der jüdischen Literaturgeschichte angehören. Nach meiner eigenen Kenntnis der Verhältnisse halte ich die Juden im Orient für sehr begabt. Nun sind freilich einfache Unterrichtsanstalten keine Pflanzstätte der Dichtkunst. Aber immerhin kann schon der Keim da gelegt werden, ohne dass die Ausbildung in den anderen Fächern deshalb vernachlässigt zu werden braucht. Es genügt auf die Normalschule in Triest *) Neuerdings unterhält die Alliance ein Rabbiner- Seminar in Konstantinopel. hinzuweisen, wie sie in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bestand, aus der S. D. Luzzato hervorging. Es ist nicht wahr, was vielfach behauptet wird, dass in den Allianceschulen dem hebräischen Unterricht zu wenig Zeit gewidmet wird, und dass die Schulleiter im allgemeinen diesen Unterrichtszweig mit Missachtung behandeln. Diese Anklagen haben sich in der Regel als unberechtigt erwiesen, oder sie sind auf eine persönliche Missstimmung zurückzuführen. Hingegen lässt sich nicht leugnen, dass man, da alles von Paris aus geschah, wo man die lokalen Verhältnisse zu wenig kannte, sich bei der Festsetzung des Unterrichtsplanes für die allgemeinen Fächer mit dem begnügte, Avas im Schulwesen seit Jahrzehnten geschaffen worden ist. Für das Hebräische lag kein genügendes Material vor, und neues zu schaffen unterliess man. So begnügte man sich mit der Festsetzung der Unterrichtsstunden, und alles andere wurde den Lehrern anheimgestellt. Der Unterricht im Hebräischen war nicht organisch mit dem ganzen Schulplan verbunden. Die Schuldirektoren schoben die Schuld an dem mangelhaften Erfolg auf die Lehrer, die sie als unfähig und übelwollend bezeichneten, während die Lehrer wiederum die Leiter beschuldigten, sie behandelten den hebräischen Unterricht allzu geringschätzig. Es herrschen infolgedessen stets Misshelligkeiten in den meisten Allianceschulen von Bulgarien und Palästina. Ohne ein Urteil in diesem Streit fällen zu wollen, wird man doch sagen müssen, dass man wenigstens von den Schulen in Palästina bessere Leistungen im Hebräischen erwarten dürfte. Die Alliance hat für das jüdische Volk, d. h. für die Juden, sehr viel getan; ihr Wirken ist eins der erfreulichsten Kapitel in der jüdischen Geschichte. Wir dürfen aber von ihr auch verlangen, dass sie für das Judentum mehr tue, insbesondere in Palästina, wo der Boden dafür so gut geeignet ist. Ich bin überzeugt, dass es nur der Anregung bedarf, damit das Unterrichtswesen der Alliance hinsichtlich des Unterrichtswesens im Hebräischen einer gründlichen Prüfung unterzogen werde. Das Ansehen dieser Gesellschaft bleibt ungeschmälert, auch wenn sie die begangenen Fehler eingesteht, um so mehr als sie sich bestrebt zeigt, die Missstände zu beseitigen. Der Dank, den ihr das jüdische Volk schuldet, soll durch keinen Misston gestört werden. I 14 I ♦ Hochdruck verboten. Cafot jungen F5eimat=Oft durch; eure Seelen get)n, 3errt von euch; ab öas gelbgefleckte öetyme^gewand, Um eure ßäupter feinen fitem wallen; Die Dornenreifen, bie das ßaar euer; fäumen. Unö die Ruinen alten Ceides fallen, Und fcr;lingt um eure Shlavenftirn ein purpurbanö, Und Sorgenfurdjen, die das Scfychfal 50g, verwetjn. Gin Purpurband, gewebt aus f^önigsträumen! Webt neue fcönigsträume euch; ins Ceben ein, Dafc es durd) F5öh;'n wie Cen3gewölhe gleite! Die Cngljeit wird euer; dann 3ur felderweite. Und eure Hädjte werden fonnverhlärte fein. Berlin. Theodor 3locifti.

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