Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
- Article
- Die Juden
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 391 - 392 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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391 Mark Twain: Die Juden. 392 Bevölkerimg beider Sektionen gestellt wurde. Diese grosse Tatsache beweist mehr als es scheint, sie beweist, dass des Juden Patriotismus nicht bloss dem christlichen gleich ist, sondern ihn übertrifft. Wenn der christliche Freiwillige in den Kampf zog, empfing ihn Willkommen und Beifall, aber regelmässig wurde der Jude verhöhnt. Seine Oesellschatt war nicht erwünscht — das Hess man ihn fühlen. Dass er dennoch seinen verwundeten Stolz besiegte und sowohl diesen, wie sein Blut für die Flagge opferte, erhebt seinen Patriotismus über den christlichen. Sein Mass an Fähigkeit, Treue und tapferem Soldatendienst im Felde ist genau, wie das der andern. Das gilt vom jüdischen Privatsoldaten wie von jüdischen Generälen. Major General O. O. Howard spricht von einem seiner jüdischen Stabsoffiziere als von »dem bravsten und besten", von einem andern — gefallen bei Chancellorsville — als treuer Freund und tapferer Offizier;" er lobt zwei jüdische Brigade-Generäle sehr, endlich gebraucht er diese kräftigen Worte: Wesentlich gibt es im Lande keine besseren Patrioten, als die von hebräischem Stamme, die mit mir in gleichen Kommandos oder mehr direkt unter meinen Befehlen dienten." Vierzehn jüdische verbündete Unionfamilien stellten unter sich 51 Soldaten znm Krieg, darunter ein Vater mit drei Söhnen; in einem andern Falle ein Vater mit vier Söhnen. In dem obigen konnte ich den gewöhnlichen Vorwurf weder bekräftigen noch zurückweisen, dass der Jude sich gern in einem Lande nährt, aber nicht dafür kämpft, weil ich nicht wusste, ob er wahr oder unwahr wäre. Jener Schandfleck kann auf dem Juden angesichts der Ziffern des Kriegsministeriums nicht mehr sitzen bleiben. Er hat seine Arbeit getan, lange, gläubig und mit Beifall; er sollte nun pensioniert und aus dem Staatsdienst entlassen werden. öabbatdämmerung. Nachdruck verboten. Nicht die Kerze, nicht die Lampe, Lass uns ruhn im Zwielichtschein, Lass an deiner Brust gebettet Heines Hauptes Unrast sein. Sieh, in Sagen meiner Väter, Der Hagada blüh'ndem Strauch, Geht aus Zeiten gläub'ger Kindheit Ein verschollner Märchenbrauch. Geht ein Sang vom Geist des Friedens, Der des Satans Macht zerbricht: — Einmal in der Sabbatdämmrung Taucht die Hölle selbst zum Licht. — Taucht empor zum Glanz des Himmels, Alle Seelen werden still, Der Verworfnen, der Verdammten, Die der Herr nicht kennen will. Denen Gahves Grimm entzündet Der Begierden fiebernd Blut; Höllenfeuer, das nicht leuchtet, Das nur brennt in ew'ger Glut. Die in Missgestalt gewandelt, Liebe, nie von Lieb' erhört: Einmal zwischen Tag und Abend, Wird umfangen traumbetört. In den Qualm der ew'gen Nächte Bricht ein Duften himmelher: Wenn am Sabbat sinkt die Sonne, Brennt der Sehnsucht Qual nicht mehr. — Darum zagend stets mein Vater, Schob hinaus den Sabbatschluss, Dass der Himmelstraum noch weile, Den das Licht zerstören muss. Berlin. Nicht die Kerze, nicht die Lampe, Lass uns ruhn im Zwielichtschein, Lass an deiner Brust gebettet Meines Hauptes Unrast sein. Thekla Skorra.