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Ost und West · 1906-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1906) · p. Seite 317 - 318

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
Article
Adolf von Sonnenthal
Date
1906-05-01
Page
Seite 317 - 318 (sequence 1)
Language
German
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317 318 ADOLF VON SONNENTHAL Zur Erinnerung an sein Künstler-Jubiläum am 31. Mai 1906. Nachdruck verboten. Von B. Samuel. Sonnenthal! — Wie ein Yoni Sonnenglanz bestrahltes, vonSonnenwärnie durchhauclites Gelände, wie eine Zauberlandsehaft voller Wunder zieht es an unserer Seele vorüber, wenn wir dieses Namens gedenken! Vorkurzem feierten sie in dem Wiener Hofburgtheater das fünfzigjährige Jubilänrn senes Wirkens an dieser Bühne, der vornehmsten Kun ststätte deutscher Zunge. Und es war eine merkwürdige Feier. Alle Schichten der Gesellschaft, buchstäblich alle, von den Arbeitern und sonstigen kleinen Leuteu, bis hinauf zu den Repräsentanten des Hofes und des Hochadels, bis zu den erlesensten Vertretern der Kunst und der Wissen- Adolf von Sonnenthal. schaft, beeiferten sich, dem Künstler ihre Huldigungen darzubringen. Alte und Junge, Männer uud Frauen von nah und fern waren dabei. Kollegen und Kolleginnen, die mit ihm zusammen jahrelang um den Lorbeer gerungen, haben ihm in schöner Neidlosigkeit den Kranz gereicht. Und im Publikum herrschte eine Begeisterung, ein mit Freude und Dankbarkeit gemischter Enthusiasmus, der für eine Weile die politische^ Zänkereien und den Parteihader vergessen liess. Allen zu oberst aber huldigte dem Künstler sein Kaiser, dadurch, dass er ihm einen der höchsten Orden der Monarchie verlieh . . . Was musa dieser - v-r, I-Vr^'.;:- j<m Sonnenthal als „Uriel Akosta" Mensch allen diesen Menschen, hoch und niedrig, klein und gross, gewesen sein, all die fünfzig Jahre, bis auf den heutigen Tag? Denn es ging ein Zug von Traulichkeit und Herzlichkeit selbst durch die offizielle Feier, der beinahe rührend war. Man merkte es, dass die Mitstrebenden hier einen Meister feierten, zu dem sie in Verehrung emporblicken, den sie aber auch herzlich lieben, als Künstler und als Mensch hochschätzen. Das Publikum aber in aller seiner Buntheit brachte spontan einem Manne seine Huldigung dar, dem es Dank schuldet für unvergessliche Stunden der Weihe und der Erhebung für genussreiche Stunden der Fröhlichkeit und des Humors. Er war es, der ihnen die Pforten zu den grossen Schöpfungen der erhabensten Dichter der Weltliteratur erschloss, der die Geister der grossen Seher heraufbeschwor und ihnen lebendigen Odem einhauchte, sie in Fleisch und Blut verwandelte. Er war es, dem sie die edelsten und zartesten tragischen Schauer verdankten, die sie je erlebt haben, und er liess auch vor ihnen die glänzenden und leuchtenden Raketen des Witzes und des Humors aufsprühen. Darum aber war an dieser ganzen 1> D Sonnenthal als „Hamlet'4.

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