Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Die ideale Organisation einer allgemeinen israelitischen Allianz
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 161 - 162 (sequence 2)
- Language
- German
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161 Mathias Acher, Wien: Die ideale Organisation einer "allgemeinen israelitischen Allianz. Unterricht im Wäschenähen in der Schule der „Alliance Israelite Universelle" zu Constantine (Algier). Allianzen werden immer zwischen Freien und Selbständigen unter der ausdrücklichen oder stillschweigenden Bedingung geschlosfen, dass sie ihre Freiheit und Selbständigkeit bewahren. Fehlt diese Bedingung j dann ist eben keine Allianz mehr da, sondern ein Partei- oder bureaukratisches Regiment. Allianz ist lebendiger Föderalismus, nicht starrer Zentralismus. Und dann glaube ich, muss eine jüdische Allianz auch wirklich jüdisch sein. Heute, wo es so viele jüdische Institutionen und Korporationen gibt, die nur narnensjücUsch sind, erscheint diese Forderung nicht überflüssig. Es nützt einmal nicht: Solange nicht von der Gegebenheit des jüdischen Volkes und Volkstums, vom Wesensjudentum ausgegangen wird, kann nichts Grosses, Allseitiges und Umfassendes geleistet werden. Endlich darf eine jüdische Allianz nicht unverdient universell heissen. Bisher dachte man bei dieser Forderung nur an territoriale Allgemeinheit. Aber auch in diesem geläufigsten Sinne Hess die Allgemeinheit der bestehenden Israelitischen Allianz viel zu wünschen übrig. Ich denke dabei nicht an die Autonom iebestrebungeii einzelner territorieller Gruppen der Allianz; sie können, wo nicht quasi-patriotische Befangenheit und Duckmäuserei im Spiele sein sollten, — das kann ja immerhin vorkommen — dem Ganzen nur forderlich sein und werden im übrigen oft durch die Gesetze der einzelnen Staaten verursacht. Vielmehr habe ich die Tatsache im Auge, dass es in einer ganzen Reihe von Ländern überhaupt keine Organisationen der Alliance Israelite, ja oft überhaupt keine Organisationen gibt, die in irgend welcher Beziehung zum Gesamtjudentum stehen. Doch noch weit schlimmer, als mit der territorialen stellt es mit der inhaltlichen, zwecklichen Allgemeinheit der Alliance. Unnötig nachzuforschen, ob der Fehler schon im Plane lag oder erst in der Ausführung zu Tage trat. Genug an dem, dass er da ist, und erst die Alliance, die ihn nicht mehr aufweisen wird, wird ihrem Daseinszwecke voll entsprechen. Es ist klar, dass, eine Beteiligung sämtlicher Bevölkerungsschichten an der Organisation vorausgesetzt, Zweite Klasse der Knabenschule der „Alliance Israelite Universelle" in Tiberias.