Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Alfred Kerr
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 135 - 136 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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135 Leo Rein, Berlin: Alfred Kerr. 136 wo sieh die Frage um das wirklich Dichterische, um letzte künstlerische Dinge dreht. Wo es um dichterische Intuition geht; die das Entscheidende ist. Wo der Kritiker den feinen dichterischen Instinkt nötig hat, der für ihn das Entscheidende ist. Was nutzen Denker in Konstruktionen, wo dieser Instinkt fehlt? Der aus dem blühenden und stossenden Leben die derben Töne nahm, hat aus einem vergangenen Judentum die grotesken genommen. Früher hätten wir gesagt1 Mauschelei . . ., wir hätten es keineswegs gewagt' (nicht aus Mangel an Mut: doch aus einem Gefühl . . zu grosser Nähe gegenüber diesen Dingen . . .). Der sublime Sprachkünstler aber setzt es als Zierrat, fast als Ornament; und es wirkt durchaus nicht stillos. Hier liegt ein Bekenntnis zum Judentum, wenn auch ein fragmentarisches, ein künstlerisches: zum Judentum des Bluts. Sucht man noch mehr Judentum? Ich werde keine Konstruktionen bauen — nur reale Züge aufweisen. Sein Judentum liegt auch ein wenig in der letzten Eleganz, die ein Erbteil alter, vornehmer Kulturen ist; auch der formvollendete, feine Aesthet unserer Zeit, Hugo v. Hofmannsthal, der so erlesene Verse gemacht hat, stammt halbwegs aus jüdischem Blut. Auch im Polemischen, im Jugendlich-Kämpferischen (in dem sich das ,,Stehaufmännertum, die Macht zu dauern", lebendig erweist): in den prophetischen Rhytmen, in denen sich ein herrisches Temperament auslebt. Letzten Endes aber im Dissonierenden, Zerrissenen; im Kampf der Gegensätze in der eigenen Brust. Im Dissonierenden, das die Geburt des Künstlerischen bedeutet . . . Im Dissonierenden . . . Welcher Jude unserer Tage wäre heute harmonisch gebildet, ausgeglichen? Alle sind wir zerrissen . . . Mögen wir mit Sehnsucht unser Judentum suchen, mögen andere das Deutschtum anbeten; überall bleibt ein Rest, der aufschreit nach Erlösung, nach Ausgleichung. Mischlinge! . . heisst unser Fluch. Darum ist auch Kerr kein jüdischer Schriftsteller; aber auch kein deutscher. Sondern ein Jude, der durch deutsche und europäische Kultur ging, und (da die Natur immer durchbricht) ein Jude blieb: wie er in der europäischen Kulturwelle sich spiegelt. An Heine sehen wir, wie das Judentum auf die Deutschen wirkt. Man liebt uns nicht, und wird uns nie eigentlich lieben; selbst bei den Besten nicht. Darum sind wir verschollen schon bei Lebzeiten. Und dies alles ist uns ein Uebel und eine zornige Trauer. . . . KRIMINALITAET DER CHRISTEN UND JUDEN IN OESTERREICH. Von Dr. J. Thon, Berlin. Auf Grund der im BandLXXI, Heft 3 der öster- 12. Kindesniord....... l,">inal mehr reichischen »Statistik (Wien, 1904) dargele^ten Ergebnisse 13. Abtreibung der Leibesfrucht . 1.5 .. der Strnfrechtspflege in Oesterreich für die Jahre 11)00 14. Unbefugte Einschränkung der und 1001 bringen wir nachfolgende Ansahen über den persönlichen Freiheit . . . 1,2 .. Anteil der .luden und Christen an den ein/einen Verlö. Erpressung-.......1,1 .. brechen und 'Vergehen. Die wegen Ueberschreitungen Ferner sind an folgenden 'Verbrechen die Christen 'Verurteilten sind nicht nach Konfessionen geschieden stärker oder schwächer beteiligt, die -luden dagegen angegeben. Auch ist die strafmündige Bevölkerung nicht garnicht oder nur sehr g-ering-: 1. boshafte Handlungen für die einzelnen Konfessionen gesondeit festgestellt, sodass oder Unterlassungen unter besonders gefährlichen Verdie Zahl der Verurteilten zur gesamten bei der 'Volkshältnissen (0,4:0); 2. 'Raub (0,4:0.0): 3. Verbrechern Zählung von 1000 ermittelten Zahl der oitsanwesenden geleisteter Vorschub ('0,3:0,0); 4. Müiizverfälschung Christen und .Juden in Beziehung' gesetzt werden innsste. und Teilnelimuiig; 5. Beleidigung der Mitglieder des Aus Tabelle 1 ergibt sich, dass die Christen an kaiserlichen Hauses und 0. .Bigamie (0,1 :0). Verbrechen erheblich stärker beteiligt sind als die .luden Die .luden hingegen sind an folgenden Verbrechen (134.8:107,4) und zwar zeigt sich die stärkere Beteiligung stärker beteiligt: der Christen hauptsächlich bei folgenden Verbrechen: 1. Betrug.........3,3 mal mehr 1. Boshafte Beschädigung fremder 2. Verleumdung.......2,1 - oder öffentlicher Sachen . . . 10 mal mehr 3. Entführung.......2 ..... 2. Gefährliche Drohung .... 10,2 .. .. 4. Missbrauch der Amtsgewalt und 3. Majestätsbeleidigung .... 0 .. .. Geschenkannahine in Aintssachen 2 4. Schwere körperl. Beschädigung 5 .. .. 5. Weglegung eines Kindes ... 2 ö. Mord ..........4 .. .. 0. 'Religionsstörung'.......1,1) .. 0. Gewaltsamer Einfall in fremdes 'Ferner sind die .luden erheblich starker am Verunbewegliches Gut.....3 .. .. brechen wegen Verleitung zum Missbrauch der Aints- 7. Totschlag und Tötung bei einer gewalt beteiligt (0,6:0,0); Schlägerei........2,0 .. .. Diesem geringen Auteil der Juden an 'Verbrechen 5. .Brandlegung.......2,5 .. .. steht ihre im Verhältnis zu den Christen weitaus höhere 0. Notzucht, Schändung etc. . . 2,2 .. .. Beteiligung an Vergehen gegenüber (100,(->: 29,2). Ver- 10. Gewaltsame Handanlegung oder gehen, an denen die .luden sehr stark beteiligt sind, gerälirl. Drohung gegen Beamte 1,0 .. .. und die hauptsächlich sehr hohe Ziffer im Endergebnis 11. Diebstahl und Teilnelimuiig . . 1,7 .. ,. verursachen, sind: