Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Die Juden in Persien
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 107 - 108 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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107 Hermann Burcliardt: Die Juden in Persien. 108 Die Thora wird aus einem Privatminjan in die Synagoge zurückgetragen. (Aufgenommen von Hermann Burchardt in Hamadan.) recht ansehnlich. Schreiber dieses nahm in Hamadan bei einem Schüler der Oberklassc Unterricht in der persischen Sprache. Sehr schwierig und verantwortlich ist die Stellung des Direktors einer solchen Alliance- Schule. Er hat sich nicht nur um die Schule zu kümmern, sondern ist so zu sagen das Oberhaupt, der Vertreter der ganzen Gemeinde. Allgemein heisst er auch überall der ,,ReTs4;, das Oberhaupt. Von seinem geschickten Auftreten den Behörden gegenüber hängt das Wohl und Wehe der Gemeinde ab. In Hamadan hatte es der Direktor. Möns. Bassum, in den wenigen Jahren seines Dortseins verstanden, sich bei den Behörden geachtet und behebt zu machen. In keiner persischen Stadt befindet sich eine zivilisiertem jüdische Gemeinde, die weniger unter Vorurteilen zu leiden hat, als in Hamadan. Auch von Isfahan kann dasselbe gesagt werden. Durch ihr gewandtes und taktvolles Auftreten haben es die dortigen Lehrer der „Alliance" sogar dazu gebracht, dass die Söhne des Gouverneurs, die Neffen des Schah ihnen in dem Judenviertel Besuche abstatten und unverhohlen zugeben, sie hätten sich von den Juden früher ganz falsche Begriffe gemacht. Bisher Avar es das Bestreben der., Alliance". Hamadaner Schochet ein Huhn schachtend. (Aufgenommen von Hermann Burchardt. aus der einheimischen Bevölkerung einige der besten Schüler nach Paris zu senden, wo sie ausschliesslich zu Lehrern herangebildet wurden. Es wäre aber wünschenswert und von viel grösserem Nutzen, wenn auch gut geschulte Aerzte herangezogen würden, denn hieran mangelt es überall in Persien. Der Einfluss europäisch gebildeter jüdischer Aerzte wäre sehr gross und würde ohne Zweifel sehr zur Hebung des Ansehens der betreffenden Gemeinde beitragen. Die vor Jahresfrist in Schiraz gegen die dortige Allianceschule ausgebrochenen Feindseligkeiten hatten wohl teilweise ihren Grund darin, dass der dorthin als Direktor entsandte Herr noch sehr jung war: dann war einer seiner Diener, ein Jude aus Teheran, als er seine fortgesetzten Unredlichkeiten entdeckt sah, zum Islam übergetreten und hatte allerlei Unwahrheiten über die Schule verbreitet, die von der in Sehiraz sehr mächtigen und fanatischen schiitischen Geistlichkeit natürlich sofort ausgebeutet wurden; wahrscheinlich hätte ein grösserer „Pischkesch" (Bakschiesch) sofort beruhigend gewirkt. Wie verschieden die Lage der Juden in Persien ist, ist schon daraus ersichtlich, dass in Hamadan der jüdische Kaufmann überall einen Laden eröffnen darf, während sie in