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Ost und West · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. Seite 81 - 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Das neue Beethoven-Denkmal in Bonn
Date
1906-02-01
Page
Seite 81 - 82 (sequence 2)
Language
German
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81 Dr. Julius Levin, Paris: Das neue Beethoven-Denkmal in Bonn. 82, Bourdelle, der zehnmal mein* Bildhauer ist als Fix-Masseau, rief den Michelangelo einer anderen, als der Klinger als beste erscheinenden Periode zur Hilfe herbei. Bs ist der Michelangelo des Moses und der gefesselten Sklaven, der Bourdelle begeisterte, unter dessen Einfluss der Schüler Rodins die siegende Macht und das gebändigte Aufbegehren im Antlitze Beethovens ausgeglichen zeigen wollte. Bourdelle hat sich die Mühe nicht verdriessen lassen. Aber je mehr er der Verwirklichung der Idee nahe kam, desto mehr entfernte er sich von Beethoven selbst, für dessen Aussehen die lebende und die Totenmaske einen sehr wertvollen, allerdings für allzu hochfliegende Geister lästigen Anhalt gibt. Es versteht sich von selbst, dass die Phantasie alsbald ein gänzlich freies untypisches Gebilde schuf, das man noch entfernt als Beethoven erkannte, das aber mehr eine Zusammenstellung aller möglichen hineingetüftelten Attribute war als ein wirklichesMenschenantlitz. Dieses nmss doch ein- und nicht von der sogenannten Idee, denn Aronson ist eben weder Dekorateur in Stein, noch Literat und Musikkritiker, sondern einzig und allein Bildhauer, das heisst ein Künstler, deres mit Greifbarem, Abtastbarem zum mindesten, zu tun hat. Aronson studierte die Maske nach dem Lebenden und nach dem Toten. Er studierte den mittelrheinischen Typus. Was Beethovens Gesicht auszeichnete, sollte darum nicht verloren gehen. Im Gegenteil! Erst wenn man ßie Stammeseigenschaften genau kennt, versteht man desto besser, was das zugehörige Individium Besonderes hat. So trug Aronson sich die Einzelheiten zusammen , die nichts Litera- NAUM ARONSON. Copyright by J. Casper, Berlin. Beethoven. ausgestellt im Salon Casper, Berlin.) BÜSTE. haben, sich in risches sondern Formen ausdrücken und sich deshalb auch in Formen am besten ausdrücken lassen. Und erst Empfindungen, die das Beethovensche Schaffen in dem Bildhauer erweckte, Hessen ihndiegrosseGesamtform finden, in die sich Einzelheiten plastisch und in des geistigen Beethoven- Bildes würdiger Weise einordneten. In Bonn mal einen bestimmten Charakter getragen haben. Aus diesem Charakter heraus war das Bild neu zu schaffen, das ohne ihn eben nichts weiter als eine zufällige, äusserliehe, sozusagen photographische Nachbildung gewesen wäre. Die Plastik verlor sich aus der Beethoven- Darstellung immer mehr. Dafür machte sich das Literarische darin desto breiter, wenn es nicht schon von vornherein der Plastik den Eintritt verwehrt hatte. Der junge Bildhauer Nauru Aronson hatte schon lange den "Wunsch, das Bild des genialen Meisters so festzustellen, wie es ideal hätte gewesen sein können. Er ging dabei von der Form aus selbst entstand dann in wenigen Tagen eine Beethoven- Büste, die wie aus dem Nichts geboren zu sein scheint. Die Art der Arbeit Aronsons hat nichts „Impressionistisches". Sie ist aber trotzdem sehr gut, wenn man an ihr Ergebnis denkt, und sie ist hier besonders dem Gegenstande entsprechend, denn sie ist, kurzweg, diejenige Beethovens selbst. Die Skizzenbücher des Meisters legen Zeugnis ab für sein unermüdliches Nachdenken und Sammeln von Einzeleinfällen, für seine Verarbeitung der Themen und Motive, für seine Zweifel und endlichen Entscheidungen, für sein Aufnehmen und Verwerfen. Und wenn man eines dieser merkwürdigen Papiere

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