Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- Das Schwert des Juda Makkabi
- Date
- 1905-12-01
- Page
- Seite 797 - 798 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2583931-2583942-2592940--05744-2593002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
797 Richard Huldschincr: Das Schwert des Juda Makkabi. 79S das Stöhnen der zu Tode Getroffenen, das Wehklagen der Unsrigen nahm kein Ende, dran^ durch die Nacht zu den Sternen empor und durch den Sonnenbrand des Tages zu Deinem blauen Himmel, Herr .... Aber nun willst Du es wenden, Herr; denn Du segnest mein Schwert, das Schwert, das ich dem Feinde abgenommen im Streit.--— Und wie er stand und ausschaute, nach dem trunkenen Feind, der in wilden Opferfesten um seine Götzenbilder taumelte und wie er den Griff seines guten Schwertes mit beiden Händen fest umklammernd, ragend am Saum der Wüste, sich seiner Kraft und seiner Hoffnung freute, drang der Blick seines Geistes durch die Nacht der Zukunft und erhellte sie jäh. Er sah sich kämpfen, sich und die Seinen, sah sich siegen und das Land befreien — und sah sich sterben .... — — In Modin steht ein steinerner Bau, aus polierten Marmorblöcken errichtet, so hoch, dass man ihn weithin sehen kann. Sieben Pyramiden stehen darauf, je eine gegenüber der andern, von Säulen umgeben, auf deren Knäufen Waffenrüstungen ausgemeisselt sind. Die Postamente aber sind geziert mit Schiffen, ein Zeichen für die, die die Meere befahren. Tiefes Schweigen umgibt den Bau, der Sand der Wüste brandet um seinen Fuss, mit flüchtigen Schwingen streift der Wandervogel seine Spitze. Die Winde der Biegsamkeit wehen darüber hin, die Tage gehen, es bröckelt der Fels, der Rut der Tiere der Wüste hallt nächtens an den Mauern wieder. Aber in einer der Kammern schläft der Held,, das Schwert im Arm, schläft und wartet. Er ist nicht tot, er schläft nur und träumt, denn er weiss, sein Volk bedarf noch seiner; und wenn der Tag kommt, da die Not am höchsten gestiegen ist, wenn seine Brüder in der Wildnis der steinigen Wüste in ihren Schlupfwinkeln um die Erschlagenen weinen und aus der Ferne das trunkene Brüllen der opfernden Feinde zu ihrem Ohre dringt, wenn die Seher sich in den Staub, werfen, und die Mutlosen mutlos sterben wollen, dann steht er auf, dann bricht von seines Schwertes Spitze die lodernde Flamme durch die schwarze Erde herauf, leuchtet und glüht und geht.;deit Kämpfern yoran zum Sieg und zur Befreiung-. DAS OLUECK DES HAUSES LOEBENTHAL. w Ä Skizze aus Berlin W. von Siegbert Heil war dem Hause 'Löbenthal widerfahren. Doppeltes Heil! Erstens war heute endlich die seit Monden heiss ersehnte Nachricht aus London eingetroffen, dass der Widerstand gegen die Einfuhr chinesischer Kulis nach dem schwarzen Erdteil gebrochen wäre, und dass die Börse sofort mit einer frischfröhlichen Hausse in südafrikanischen "Werten auf dieses eifreuliche Ereignis reagiert hätte; und dann war am Morgen selbigen Tages Baron Reck —bitte, kein Irrtum: Baron Reck — mit reellen Absichten hervorgetreten, so dass sich nun endlich die kühnsten Träume Löbenthals und seiner Gattin, Frau Jettchens, erfüllen sollten: sie würden in die „Gesellschaft" aufgenommen werden. In die Gesellschaft! Man denke! Sie, Löbenthals, die trotz Salter. (Dlustr. von John Hüxtei.) Xachd uck verboten., der redlichsten Bemühungen nicht imstande gewesen waren, mit .,Leuten von Distinktion" in nähere Verbindung zu treten, seit sie „das von den allerfeinsten Kreisen frequentieite Leihhaus" in Berlin N. aufgegeben und sich nach Berlin W. zurückgezogen hatten. Ihre Schuld, war es wahrhaftig nicht, wenn der erwartete hochfeine Verkehr ausgeblieben war. Was hatte man nicht alles versucht! Am heiligen "Weihnachtsabend drei Dutzend arme Kinder fürstlich beschenkt, einen „namhaften" Betrag zum Bau der Erlöserkirche gezeichnet, den barmherzigen Schwestern vom Orden der Büsserinnen ein wertvolles Grundstück zur Gründung eines Erziehungsheims für bekehrte Judenkinder gestiftet. Alles vergebens! Die „Gesellschaft"' blieb Löbenthals verschlossen. Aber jetzt würde das ein Ende haben: die Schwiegereltern des Barons Reck würden überall mit offenen Armen aufgenommen werden, um so mehr, da sie stets mit offenen Händen kamen. Ein prächtiger Mensch, dieser junge, elegante Baron. Jeder „Sanctimeter" ein Edelmann pur sang. Frei von den Vorurteilen seiner Kaste, hatte er siel),