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Ost und West · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. Seite 795 - 796

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
Das Schwert des Juda Makkabi
Date
1905-12-01
Page
Seite 795 - 796 (sequence 2)
Language
German
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795 Richard Huldschiner: Das Schwert des Jttda Makkabi. 796 Wetterwolke, bedrückte den Aufrechten und zerr Schmetterte den Gebeugten. Die Wüste blieb stumm und lauschte.! Im Osten aber stand eine rote Helle über idem Land. Dort war das Lager der Feinde. Und auf-'einem Altar erhob sich das Bild des Gottes Milkom, des Verwüstenden, sieben Mann hoch, mit feurigen Augen und Nüstern; denn in seinem Innern lohte das Opferfeuer. Wie ein brennender Turm erhob das Bild sich über die Ebene, sandte heisse Strahlen aus und schien das Land bis in die weitesten Weiten, bis an das flutende Meer hin, in seinen Besitz nehmen zu wollen. Die Augen der Flüchtlinge irrten scheu über die fernen Feuer, wandten sich hilfesuchend zum Himmel, an dem flimmernd die Sterne standen, und sanken dann gleichsam in sich selber zurück, zum eignen Elend, zum Tode der Brüder, zum Weinen der Mütter. Aber ein Alter, Eleasar, der Sohn des Saphan, Sohnes des Abdon, kauerte aui dem Boden, umschlang seine Knie mit den abgezehrten Armen, stützte die Stirn auf seine Knie und schrie zum Herrn: „Herr, wir haben sehr gesündigt. Herr, Du straftest uns, Rissest uns aus dem Taumel empor, Stürztest das Haus. — Edom steht auf wider uns, Reckt sich höhnend empor Und seine eherne Faust Rüttelt An Deines Heiligtums Säulen. Wehe Israel, ich sage Dir, Gekommen ist die Zeit, da Deine Mütter weinen, Und Deine Kinder sterben, Israel! Mit seinen Wurzeln ausgerissen Verschmachtet der Weinstock. Wehe, Israel, die Dürre ist über Dir, Es lechzet der Gaumen nach dem Nass der Befreiung, Die Klüfte des Berges sind voll Klagen, Und ein Zittern geht über die geborstene Ackerkrume. O Herr, wir liegen vor Dir im Staube. Wann wird aufs neue erstehen die grüne Saat? Wann wirst Du neue Triebe keimen lassen? Mit Blatt und Stengel und mit Knosp' und Blüte? Mit stolzer Blüte, die der Sonne zu sich neigt? Herr, Deine Knechte haben lang getrauert--" Aber seine Stimme erstickte unter Tränen, und er sah es nicht, dass die Brüder, die um ihn her auf den Steinen lagen, sich in den Staub beugten, die Arme ausbreiteten und einander zuriefen: „Ein Prophet! Ein Prophet! — Segne uns, Eleasar!t£ — —-- Da, wo der Fels in die Ebene herabsteigt, am nächsten dem Feinde, sass Mattisjahn, der Sohn des Jochanan, des Sohnes Simeons, ein Priester, der zu dem Hause Jojaribs gehörte, aus Modin, mit seinen Söhnen und sprach: „Hört mich, Ihr meine Söhne! Sind wir geboren, um den Untergang unseres Volkes zu sehen und müssig zu sitzen? Wozu leben wir noch?" Und er zerriss sein Gewand und trauerte sehr. Dann aber sprach er: „Hört mich, Ihr meine Söhne. Wir wollen nicht tun, wie unsere Brüder taten, da sie am Sabbat angegriffen wurden. Wir wollen nicht in unserer Unschuld sterben, wollen nicht in unseren Schlupfwinkeln erliegen, wie das wehrlose Wild, vom Jäger in seiner Höhle aufgespürt. Gott will, dass wir leben. So. wollen wir Leben und Satzung gegen i^malek schützen, Ihr meine Söhne." Aber Juda, sein dritter Sohn, den sie nachher Makkabi nannten, schlich sich davon an einen einsamen Platz, der wie eine Felsenkanzel über die Ebene ragte. Da sass er still, hatte das Schwert quer über den Schoss gelegt und sann. Das Schwert aber hatte er einem erschlagenen Feinde, dem Apollonius, abgenommen. Es war spitz und zweischneidig, war am Griff mit goldenen Widderköpfen geziert und trug am Knauf einen gelben Stein. Aus weiter Ferne klang der Hall der Z3'mbeln und Messingbecken vom Opferfest der Feinde. Und Juda fuhr empor und schwang sein Schwert. Noch war nicht das Ende da. Wer ein Schwert hat, der wird es schwingen. Komm nur heran, mit Streitwagen, Rossen und Elefanten — komm nur heran, Amalek! Wir werden Dich blutig empfangen. Sieh! Ich zücke mein Schwert, und ein Strahl schiesst über die gelbe Erde — sieh! Ich schwinge mein Schwert, und das Blitzen seiner Spitze steht über den Landen wie ein Feuerbogen, der im Meere fusst im Westen, und über den fernsten Bergen drüben im Osten. Mit Mordgier und Raublust drang der Feind in unsere Häuser, auf den Steinen verspritzte unser Blut, im Lachen der Wütenden verklang

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