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Ost und West · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. Seite 745 - 746

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
Arische und semitische Weltanschauung
Date
1905-12-01
Page
Seite 745 - 746 (sequence 5)
Language
German
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745 Fabius Schach: Arische und semitische Weltanschauung. 746 frommer Wunsch bleiben wird, scheint er selber zu ahnen. Wir meinen aber, wenn die europäische Menschheit wirklich christlich in ihrer ethischen Auffassung wäre, dass damit schon ein grosser, gewaltiger Fortschritt erzielt worden wäre. Wie weit wir noch von diesem Ideale entfernt sind, das zeigen uns die russischen Christen. Unser Autor arbeitet, wenn er keine neuen Gedanken findet, auch gern in Trivialitäten. So wiederholt er immer wieder die abgeschmackte und lächerliche Behauptung, dass der Semit nie schöpferisch sein kann, dass er sich alles assimiliert, um es zu verderben, dass er nichts berührt, ohne es tief innerlich umzuwandeln. Dabei gibt er selber zu, dass es auch gute und vornehme Juden gibt, nur freilich streben diese, wie er meint, danach, sich vom Semitismus zu befreien. Solche Phrasen sind sehr bequem. Damit kann man alles beweisen, widerlegen kann man sie nicht, weil sie eben zu unsinnig und zu abstrakt sind. Für Herrn Chamberlain gibt es überhaupt gar viele Dinge, die nicht bewiesen werden können und die darum doch wahr sind. Das ist wiederum sehr bequem für einen, der alles mögliche und unmögliche behauptet, ohne auch nur den Schein eines Beweises zu erbringen. Wenn er z. B. die Behauptung Deussens wiederholt, dass bei den Semiten Gott nur als Herrscher aber nicht als Vater bekannt ist, so fällt es schwer, auch nur an die subjektive Ehrlichkeit des Verfassers zu glauben. Kennt dieser Mann nicht die Bibel? Weiss er nicht, dass das christliche „Vaterunser" nur die fast wörtliche Uebersetzung von Bruchteilen jüdischer Gebete ist? Nur in Deutschland, wo die Bibel leider zu den unbekanntesten Büchern zählt, darf man es wagen, solche ungeheure Behauptungen aufzustellen, ohne den Fluch der Lächerlichkeit auf sich zu laden. Noch törichter ist es, wenn unser Apostel dem Juden das Mitgefühl abspricht. Bei keinem Volke der Welt vielleicht spielt das Mitleid eine so hervorragende Rolle, wie bei den Juden. Die Juden stellen ja das Mitleid in den Mittelpunkt des Lebens und der Religion, und sie haben diese Tugend zu einer reichen Ethik ausgebaut. Herr Chamberlain findet es erniedrigend, dass die ,Jüdische Historie" als Grundlage der Religion gilt. Wäre es erhebender, die Rassenlehre zu einer Religion zu machen? Chamberlain vermisst im Judentum im Grunde alles das, was er nicht kennt. Es wäre leicht, ihm zu beweisen, dass sein Ideal, das kontinuierliche, alogische Denken im Juden vielleicht noch intensiver als in jedem andern lebt. Es wäre gewiss nicht schwer, den Beweis zu führen, dass die Schattenseiten des Judentums und des jüdischen Wesens erst im Ghetto entstanden sind, also etwas Fremdes repräsentieren. Aber wohin soll das führen? Was soll damit erreicht werden? Im Grunde ist der Unterschied zwischen Chamberlain und Liebermann von Sonnenberg nur ein Unterschied des Grades und des Geschmackes. Ernst wissenschaftlich ist diese neue leuchtende Grösse ebensowenig zu nehmen wie all die hohlen Phrasenhelden. Ihm ist ja auch nicht um' die Wahrheit zu tun. Er will glänzen, und in einer Zeit, wo antisemitische Lorbeeren billiger als Brombeeren sind, muss ihm dieses Ziel gelingen. Charakteristisch für all diese neuen Heilslehren ist der radikale Pessimismus, von dem sie ausgehen. Sie sehen überall nur Niedergang und Verderben und sinnen noch in letzter Stunde auf Rettung. Das ist ein echtes Symptom der Dekadenz. Wo keine Sonne ist, da kann keine gesunde Frucht gedeihen. Wo das Hoffen auf eine gesunde natürliche Entwicklung aufhört, da fängt das geistige Kurpfuschertum an. Wie traurig sehe es mit der Kulturmenschheit aus, wenn man ihr die indische Lehre als das einzige Heilmittel verschreiben müsste! Wie traurig stände es mit der arischen Moral, wenn Chamberlain ihr wirklicher Prophet wäre! JOZEF ISRAELS' „JUEDISCHE HOCHZEIT". Von G. Kutna. Xachdrmk verboten. Josef Israels hat nicht viel Gestalten dem jüdischen Leben entnommen, und doch liebt er es menschlich und künstlerisch mit beglückter Zärtlichkeit. Ihm ist das Judentum wie ein Geschenk, das ihm das Schicksal täglich gewährt, immer neu, immer ersehnt, immer jugendschön. Wenn er von der Bibel spricht, wenn er einen Vers hebräisch zitiert, dann klingt das dankbar, stolz und wonnetrunken. Bei der Schilderung des Amsterdamer Jadenviertels kann er sprudeln und schwärmen wie ein iunger Wanderburscb, aber während er von dem Tieiben am Freitagnachmittag malerisch entzückt ist, merkt man, dass die Seele dabei ist, wenn das Malerauge lacht, dass sie weiss, was Sabbat diesen Juden bedeutet. Die ganze Welt ist sein, Gott hat sie ja den Künstlern geschenkt, und dazu hat er wie alle Grossen, die getreu sind — noch einen besonderen Blumengarien und Blumenduft: Reichtum der Welt und „beglückende Enge". Israels hat wenig Gestalten aus der jüdischen Welt dargestellt, in diesen aber hat er vom wesentlichen

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