Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober-November 1905)
- Article
- Die biblischen Gestalten in der bildenden Kunst
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 691 - 692 (sequence 2)
- Language
- German
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Dr. G. Kutna: Die biblischen Gestalten in der bildenden Kunst. 692 F. ALBANI. Adam und Eva. (Museum, Brüssel. OELGEMAELDE. schwebend bewegt sie sicn von rechts her auf ihn zu. Weich fliessen die Linien ihren Körper herunter und bewahren dabei ihre organische Bestimmtheit. Das Standbein ist zart hingesetzt, noch zitternd von Bewegung, die im Spielbein weiterlebt. Die sanfte Berührung der Kniee und die ungezwungene Bewegung geben der Linieniichtung eine natürliche Anmut, die ausladende Hüfte und der zart modellierte Busen steigern die Rhythmik, und die ganze Betonung der sekundären Geschlechtsmerkmale geben dem Körper eine delikate Weiblichkeit. Um den Nacken ist ein sinnlich weicher Kontur gelegt, von spielenden Haarwellen unterbrochen. Die rechte Hand hält den Apfel; diese Hand ist die einzige Horizontale an der Erscheinung und um so beredter in Leben und Bedeutung; sie schafft die Verbindung mit Adam. Das Weib steht da, in A. CABAUEL. Aus d. J. 1863 Adam und Eva. (Xach einem Oelgemälde im Maximilianeum, München.) weicher Biegung lockt der Arm, die Augen locken noch süsser, und das ganze Dasein ist lockende Schönheit. Und eine weiche Glut kommt in Adams Augen, verlangend und träumend taucht er den Blick in den Blick des Weibes, träumend in alle Weiten der Lust und alles vergessend, das fem ist der Lust. Die architektonische Statik des Körpers wird leise von innen bewegt, der lagernde Arm, die ruhende Hand erzittert durch einen inneren Anstoss; die Linien verraten eine letzte Spannung, und schon ist's, als ergreife die Hand die zarten Finger, die den Apfel halten. So zittert das hin und her, und Lockung und Verlangen treffen sich auf dem Wege. Und droben ringelt sich die Schlange um den Baum und lächelt mit Schlangenlächeln. Eine viel geringereRolle spielt die formale Schönheit bei solcher künstlerischen Gestaltung des ersten