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Ost und West · 1905-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1905) · p. Seite 525 - 526

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1905)
Article
Zehnter deutsch-israelitischer Gemeindetag
Date
1905-07-01
Page
Seite 525 - 526 (sequence 3)
Language
German
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525 Zehnter deutsch-israelitischer Gemeindetag. 526 giösen Persönlichkeiten, die, selber für das Judentum begeistert, auch die Jugend dafür begeistern können. Auf die Gewinnung und Heranbildung solcher Lehrer solle der Gemeindebund sein Augenmerk richten. Geheimrat Professor Cohen richtet dasAugenmerk der Versammlung auf die betrübende Tatsache, dass die jüdischen Kandidaten für das höhere Lehramt nicht wie die Angehörigen der anderen Konfessionen in Religion geprüft werden. Er bittet eine diesbezügliche Forderung in das Programm des D. 1. G. B. aufzunehmen. Den Schluss des ersten Verhandlungstages bildet das Referat der Herren San.-Rat Dr. Stern-Berlin, M. Lebrecht-Nürnberg und B. Feilchenfeld- Köln über Wanderbettelei und Arbeitsstätten. Aus der in die Weite gehenden Debatte ergibt sich als positives Resultat eine Resolution, in welcher der D. I. G. B. ersucht wird, einen Delegiertentag aller jüdischen Wohltätigkeitsinstitute einzuberufen mit dem alleinigen Gegenstand der Tagesordnung: Mittel zur Bekämpfung des Wanderbettels. Der zweite Verhandlungstag begann mit dem Referat des Professor Blaschke über Bezirksrabbinate. Referent tritt, allen gegen Einrichtung von Bezirksrabbinaten ins Treffen geführten Einwendungen gegenüber, mit grosser Sachkenntnis und ruhiger Objektivität für den Standpunkt des D. I. G. B. ein und empfiehlt der Versammlung zur Annahme seinen Antrag: „Der Gemeindetag beauftragt den D. I. G. B., die Versuche zur Bildung von Bezirksrabbinaten durch die Provinzial- resp. Bezirksverbände fortzusetzen, ohne die Staatsbehörde in Anspruch zu nehmen." Als Korreferent vertrat Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin den Standpunkt des Rabbiner-Verbandes und entwickelte die Gründe, welche die Rabbiner zu ihrem warmen Eintreten für Bezirksrabbinate veranlassten. Hoch gingen die Wogen der erregten Debatte, die sich an dieses Referat knüpfte. Unter den Lehrern vor allem war viel Explosionsstoff angehäuft. Eine Brochüre Steinhardt - Ransenberg hatte scharfe Stellung gegen die Bezirksrabbinate genommen. Auch von seiten der Rabbiner fiel manches Wort, das besser klüglich zurückgehalten worden wäre. Nicht weniger als 19 Redner nahmen Stellung zu dieser Frage. Von grosser Wirkung war der Appell des Kirchenrats Dr. Krön er an die Versammlung. Die meisten Redner . standen auf dem Standpunkt der Notwendigkeit von Bezirksrabbinaten. Nur um die Frage ob mit oder ohne Staatshilfe herrschte Meinungsverschiedenheit. Mit Wärme traten Kirchenrat Kroner und Senator Fischer-Hannover für Inanspruchnahme der Staatshilfe ein. Schliesslich gelangte aber der Antrag des Referenten zu fast einstimmiger Annahme. Zugleich wurden die vom gestrigen Tag zurückgestellten Resolutionen Kroner und Seligmann- Cohen einstimmig angenommen: 1. Der Gemeindetag erklärt, dass es für die paritätische und zweckmässige Behandlung der israelitischen Schuljugend erforderlich ist, dass an allen Schulanstalten des Staates wie der Städte, an denen die Mindestzabl von 10 Schülern vorhanden ist, ein geordneter, israelitischer Religionsunterricht erteilt wird; dass ferner im Auftrag der Regierung durch geeignete israelitische Fachmänner der Religionsunterricht beaufsichtigt wird. 2. Der Gemeindetag erklärt es für wünschenswert, dass der Ausschuss des D. I. G. B. sein Augenmerk auf die Heranbildung akademisch und theologisch gebildeter Männer richte, welche, mit Befähigung zu einem Rabbinat, vorwiegend zum Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten verwendet werden. Im Anschluss an das hierauf folgende interessante und eingehende Referat des Amtsgerichtsrats Dr. Levy - Beuthen über religiöse Fürsorge für jüdische Strafgefangene gelangten die vom Referenten aufgestellten Leitsätze zur Erzielung einer genügenden Fürsorge zur einstimmigen Annahme. Zuletzt referierten Dr. Neumann-Berlin in einem ausführlichen, von hervorragender Sachkenntnis zeugenden Referat über Fürsorge für geistesschwache israelitische Kinder und Professor Philippson über die Gründung eines Gesamtarchivs der deutschen Juden; er schloss mit der Bitte an die deutschen Gemeinden um Ueberlassung von Archivalien. Mit einem begeisterten Hoch auf den Präsidenten des 10. Gemeindetags, Dr. Blau, der die Geschäfte mit fester Energie und liebenswürdigem Takte in ausgezeichneter Weise geführt hatte, und mit einem Hoch auf den Vorsitzenden des D. I. G. B., den unermüdlich für die Interessen des Judentums wirkenden Professor Philippson, klang der 10. Verbandstag des D. I. G. B. aus. 235 deutsche Gemeinden waren auf ihm durch 139 Mandatsinhaber vertreten. Vidi. LITERARISCHES. Arnold B. Ehrlich: Die Psalmen. Neu ubersetzt und erklärt. Berlin. Verlag von M. Poppelauer 1905. Der Verfasser, dessen dreibändiger, hebräisch geschriebener Kommentar zu einem grossen Teil der biblischen Bücher seinerzeit soviel Aufsehen gemacht, wandelt auch in der vorliegenden Uebersetzung und Erklärung der Psalmen eigene Wege, die ihn sehr oft weit ah von den ausgetretenen Pfaden führen. Die grossen Vorzüge des vorgedachten Kommentars treten in dem vorliegenden Buche nur noch deutlicher, nur noch potenziert an den Tag, die Mängel und Schattenseiten treten dagegen zurück, oder sind beträchtlich

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