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Ost und West · 1905-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1905) · p. Seite 443 - 444

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1905)
Article
Julius Oppert
Date
1905-07-01
Page
Seite 443 - 444 (sequence 3)
Language
German
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443 Dr. L. Elias: Julius Oppert. 444 Frankreich ein zweites Vaterland gefunden, zur Möglichkeit, für seine grosse Kraft das passende Feld der Tätigkeit zu finden; er teilte hierin das Schicksal manches anderen deutschen Juden, den die in der Heimat herrschenden Vorurteile in die Fremde trieben, wo seiner Anerkennung und Ruhm harrten. Julius Oppert ist ein Hamburger, er entstammt einer angesehenen Familie, in der von altersher Bildung und Wissen heimisch waren. Mütterlicherseits ist seine Familie mit David Gans, dem bekannten Prager Chronisten und Astronomen, dem Freund vonTycho de Brahe, verwandt. Ein jüngerer Bruder von Julius ist der berühmte Indologe Gustav Oppert, früher Professor an der Universität zu Madras, gegenwärtig in Berlin. Ein anderer seiner Brüder, Ernst Jakob, ward als Kaufmann einer der ersten Pioniere europäischer Kultur in Korea, über welches er ein bedeutendes Buch in englischer und deutscher Sprache herausgab. In den Söhnen dieser Familie schlummerte offenbar die Begabung, die eine sorgfältige Erziehung weckte und grosszog. Julius absolvierte in seiner Vaterstadt das Johannäum und wurde nebenbei in Bibel und Talmud unterwiesen. Er studierte dann in Heidelberg, Bonn und Berlin Rechtswissenschaft, ohne jedoch sein Lieblingsstudium aus der Gymnasialzeit, die Mathematik, zu vernachlässigen. Daneben war in ihm die Vorliebe für die orientalischen Sprachen rege geworden. Im Jahre 1846 erwarb er in Kiel den Doktorgrad auf Grund einer Dissertation De Indorum jure criminali." Durch seine bald darauf erschienene Abhandlung „Das Lautsystem des Altpersischen" lenkte er auf sich die Aufmerksamkeit der berühmten französischen Orientalisten, wie Burnouf, Letronne und des Halbdeutschen Julius v. Mohl, die ihn zu fördern versprachen. Da er in der Heimat keinerlei Aussicht auf Fortkommen hatte, ergriff er die Gelegenheit, um nach Frankreich auszuwandern. Hier bekleidete er zunächst die bescheidene Stellung eines Lehrers des Deutschen und des Englischen am Lyzeum zu Laval und später zu Reims. Oppert hatte sich mittlerweile, von der indo-arischen Philologie ausgehend, dem Studium der Keilschrift zugewandt, und als das Interesse für die neue Wissenschaft in Frankreich erstarkt war und 1851 eine Expedition nach Mesopotamien ausgerüstet werden sollte, wurde Julius Oppert gemeinsam mit Fulgence Fresnel und Felix Thomas an die Spitze der Mission gestellt. Bis 1854 verblieb Oppert unter den Ruinen Babylons und Ninives. Die Resultate dieser Forschungsreise beschrieb er dann in einem grossen zweibändigen Werke, welches im Auftrag des französischen Unterrichtsministeriums herausgegeben wurde, „Expedition en Mesopotamie" (Paris 1857—64). Von dieser Expedition beginnt eine neue Epoche in der Geschichte der Assyriologie. Seine grossen wissenschaftlichen Erfolge verbreiteten Opperts Ruhm über ganz Europa. Die französische Akademie verlieh ihm den grossen Nationalpreis von 20 000 M., auch wurde ihm „als Anerkennung seiner Verdienste um den Ruhm Frankreichs" das französische Bürgerrecht zuerkannt. 1855 wurde er vom englischen Unterrichtsminister nach London berufen, um die assyrischen Monumente des British Museum zu prüfen. Bei seiner Rückkehr nach Paris wurde ihm das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Da es nicht gut anging, dass einer der berühmtesten Orientalisten Europas in irgend einem Provinzlyzeum Knaben deutschen Unterricht erteile, wurde Oppert mit dem Abhalten des Elementarkurses im Sanskrit betraut, welcher 1857 an der. Bibliotheque Imperiale errichtet wurde. Elf Jahre darauf wurde der Kursus in eine ordentliche Professur verwandelt und an das College de France verlegt. Ein Katheder für Assyriologie wurde erst 1874 eröffnet. Mittlerweile hatte Oppert eine Reihe von Werken und Abhandlungen veröffentlicht, die die Assyriologie in ganz neue Bahnen drängten. Im besonderen waren es die juridischen und astronomischen Texte, die seine Aufmerksamkeit am meisten anzogen. Aber auch das Sanskrit pflegte er liebevoll. So veröffentlichte er eine Grammaire Sanscrite 1858 und 1864. Von den Keilinschriften wandten sich seine Studien auch dem Altpersischen zu und er veröffentlichte schon 1862 Inscriptions perses d'Achemenides, sodann Dissertation sur 1'Honover, le Verbe-Createur de Zoroaster 1862, Sur la lormation d' Alphabet perse, ' Der Kalender der alten Perser, Peuple et Langue des Medes 1869. Seine wichtigsten grösseren Schriften zur Assyriologie sind ausser dem bereits genannten umfangreichen Expeditionswerk L'Inscription de Borsippa, wo er zum erstenmal einen vollständigen assyrischen Text, transkribiert, übersetzt und erklärt, publizierte, Ecriture anaerienne 1855, Etudes Assyriennes 1857, Histoire des Empires de Chaldee et d'Assyrie 1865, Grammaire Assyrienne 1868, Etudes Summeriennes 1876, Documents juridiques

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