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Ost und West · 1905-06-01 · Heft 6 (Juni 1905) · p. Seite 387 - 388

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 6 (Juni 1905)
Article
Maimonides
Date
1905-06-01
Page
Seite 387 - 388 (sequence 5)
Language
German
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387 Dr. F. Perles: Maimonides. 38S häufig zitierte lateinische Uebersetzung war seit Jahrhunderten verschollen, bis im Jahre 1875 mein sei. Vater sie in einer unerkannten Handschrift der Münchener Staatsbibliothek wiederentdeckte. Auch im Renaissancezeitalter wurde der More Nebuchim von christlichen Denkern hochgeschätzt. So sagt Scaliger von ihm: „Der Führer der Verirrten kann nicht genug gerühmt werden", und Casaubonus rühmt von ihm: „Was zur Religion gehört, behandelte er religiös, das Philosophische philosophisch und das Göttliche göttlich." Auch im letzten Jahrhundert, da durch jüdische Gelehrte, vor allem Münk, Joel und Guttmann, die Philosophie des Maimonides nach den verschiedensten Richtungen hin dargestellt und ihre Nachwirkungen bei Juden wie bei Christen aufgedeckt worden sind, haben christliche Forscher die Bedeutung des grossen Philosophen anerkannt, so nennt ihn Schleiden den grössten Geist, den dieses Jahrhundert überhaupt in Europa aufzuweisen hat. Wohl ist durch die Fortschritte der naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Erkenntnis vieles im System des Maimonides veraltet, wohl verlangen neue Fragen neue Lösungen, aber ungeschmälert bleibt sein Verdienst, dass er für alle Zeiten den Einklang des Judentums mit der Wissenschaft im Prinzip festgestellt hat. Wir alle zehren noch von seinem geistigen Gute und schreiten auf dem Wege weiter, den er uns gewiesen hat. So dürfen wir hoffen, dass der Geist des Maimonides auch in der kommenden Zeit uns voranleuchten und, wie einst in der Nacht des Mittelalters in alle jüdischen Wohnstätten das Licht tragen wird, das Licht der Religion immer von neuem entzündet und genährt vom Lichte der Wissenschaft. RABBINER DR. M. KAYSERLING. Die Pester israelitische Kultusgemeinde, mit ihr die ganze Judenheit und die jüdische Wissenschaft haben einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten: Oberrabbiner Mayer Kayserling ist am 21. April nach kurzem Leiden an den Folgen eines Gallenergusses gestorben. Er stand im 76. Lebensjahre und war seit dem Tode des berühmten Kanzelredners Meiseis, dessen würdiger Nachfolger er wurde, Oberrabbiner und deutscher Prediger der Pester israelitischen_____ Kultusgemeinde. Ein Gelehrter von Weltruf, hat Kayserling, der auch als Kanzelredner zu den hervorragendsten zählte, eine langeReihe historischer,philosophischer und exegetischer AVerke geschrieben, die von bleibendem Werte sind und seinen Forscherruhm begründeten. ISRAEL ROUCHOMOVSKI. Rückseite des dritten Blattes. Seine Mendelssohn-Biographie und seine sonstigen auf diesen Philosophen bezüglichen Arbeiten, ebenso wie seine Werke, welche die Geschichte der spanischen und portugiesischen Juden behandeln, sind geradezu grundlegend und Quellenwerke ersten Ranges. Er war ein Mann, der nur seinem Beruf und der wissenschaftlichen Forschung lebte; letzterer widmete er seine ganze Müsse, die ihm sein schwieriges und arbeitsreiches Amt übrig .Hess. Wie gross sein Ruf als Gelenrterwar,geht aus dem Umstand hervor,dass er anlasslich des Columbus- Zentenariums im Jahre 1892 von den amerikanischen Juden damit betraut wurde, die Geschichte desAnteiles der Juden an den spanischen und portugiesischen Entdeckungen zu schreiben, wel- PARIS. [Chem Rückseite des vierten Blattes. ehrenvollen „Schaddaj".

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