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Ost und West · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. Seite 293 - 294

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Maimonides
Date
1905-05-01
Page
Seite 293 - 294 (sequence 3)
Language
German
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Dr. F. Perles: Maimpnides. •:0,sps . ^^^^^^^^^^^^^p^ mmm ffl&MWi^ wm^ Mft IM zu erhalten, und so widmete er sich dem ärztlichen Beruf, während er bis dahin bloss aus wissenschaftlichem Interesse die Heilkunde studiert hatte. Gleichzeitig mit der Ausübung der Heilkunde, in der er sich bald auszeichnen sollte, arbeitete er an der Vollendung seines ersten grossen Werkes, des 1168 erschienenen arabischen Kommentars zur Mischna. Die Mischna war bis dahin noch niemals wissenschaftlich erklärt worden, und Moses begnügte sich nicht damit, kurze Wort- und Sacherklärungen zu geben, sondern wollte aus den Diskussionen, die der Talmud über jeden Satz der Mischna enthält, ein Resultat für die Praxis herausschälen und die Gründe jederHalacha feststellen. Dem ganzen Werk schickte er eine ausführliche Einleitung voraus, in der er das Wesen der Prophetie und der Ueberlieferung beleuchtete und dadurch zum erstenKritiker des Talmuds wurde. Besonderswichtig ist aus dem Werke der Kommentar zu den Sprüchen der Väter, in dem er bei der Darstellung der jüdischen Sittenlehre schon seine ganze Ethik entwickelt und auf die Uebereinstimmung zwischen Aristoteles und der jüdischen Lehre hinweist. Während bis dahin die agadischen Teile der Mischna wenig Beachtung gefunden hatten, hebt er ihre hohe religiöse Bedeutung hervor, zeigt, wie die darin enthaltene Sittenlehre unübertrefflich sei, und wie die Tannaim, die Sammler und Verfasser der Mischna, durchaus wissenschaftsfreundlich und teilweise sogar tiefe Gelehrte auf verschiedenen Gebieten gewesen seien. Er sucht alles zu einem Gegenstand gehörige, das in der Mischna sich zerstreut findet, übersichtlich zu ordnen und zu systematisieren, }<iy<'a --Zyi-^ ALPHONS LEVY. Erster Unterricht und so unternahm er es auch, die Hauptwahrheiten des Judentums in Form von Glaubenssätzen zu formulieren, die er als allgemein verbindlich für jeden Juden hinstellte. Er übersah dabei, dass das Judentum durch eine derartige Einschnürung eines Hauptvorzugs verlustig geht, den es vor dem in Dogmen erstanten Christentum voraus hat, nämlich der Freiheit der religiösen Lehrmeinung, die je nach Individualität und Zeitalter eine verschiedene Fassung und Ausprägung gefunden hat. Nur das religiöse Tun, die Erfüllung aller sittlichen Pflichten und überlieferten Gebote, galt bis dahin als verbindlich für alle Juden, während die religiösen Meinungen in manchen Punkten weit auseinandergingen. Moses selbst hat später am Ende seines grossen philosophischen Werkes es als ein besonderes Verdienst der Propheten anerkannt, dass sie Gotteserkenntnis nicht in metaphysischen Aussagen über das Wesen Gottes suchten, sondern sich nur mit Gottes sichtbaren Wirkungen beschäftigten, dass nämlich Gott selbst Recht und Liebe auf Erden übe und gleiches von den Menschen verlange. Und trotzdem, trotz dieser klaren Erkenntnis vom Wesen des Judentums, suchte es Maimonides in Dogmen einzuengen. Der Widerspruch blieb denn auch nicht aus, er wurde dafür aufs schärfste angegriffen, und wenngleich sein Ansehen bewirkte, dass seine dreizehn Glaubenssätze vielfach sogar in die Gebetbücher Aufnahme fanden, wurden sie doch niemals beim Gottesdienst angewandt odersonstalsbindend erklärt und hatten immer nur die Bedeutung eines persönlichen Glaubensbekenntnisses des grossen Meisters. i a?% ßm^ « -ff ^^^S?ShwtffcÄ C;^ , _ *>::zZ^'~'^ky-' -Jg. PARIS.

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